»Deppendorf« und »Mutter Teresa«

Stadt Trier. Er passt - buchstäblich - in keine Schublade und doch irgendwie in fast jede, wenn man Laudatorin und Vorjahrspreisträgerin Dagmar Barzen Glauben schenken darf. Dieter Lintz (54), Leitender Redakteur beim Trierischen Volksfreund, ist der 26. Preisträger des Franz-Weissebach-Preises, der jährlich von der Prinzenzunft der Stadt Trier an eine lokale Persönlichkeit verliehen wird, die Schalkhaftigkeit, Heimatverbundenheit und soziales Engagement in vorbildlicher Weise repräsentiert.

Mit Superlativen geizte ADD-Präsidentin Barzen wahrlich nicht, als sie in der Feierstunde anlässlich der Preisverleihung im Barocksaal der Sektkellerei Bernard-Massard zu ihrer Laudatio ansetzte. Ob als Marcel Reich-Ranicki der Trierer Kulturszene, Ulrich Deppendorf der Kommunalpolitik oder Mutter Teresa der lokalen Sozialprobleme,"Tausendsassa" Dieter Lintz habe sich in allen Rollen als würdiger Nachfolger Franz Weissebachs erwiesen. Als "Meister der Scharfzüngigkeit" mache er aber auch vor überregionalen Größen nicht Halt und nehme vor allem in seiner Kolumne "Mensch..." die Prominenz von Boris Becker bis Barack Obama aufs Korn.

 

Der moralische Kompass, der den "Konzer durch und durch" dabei leite, sei ihm in die Wiege gelegt worden und habe seinen späteren Lebensweg mit bestimmt. So habe der "Alt-Juso" Lintz bereits mit 19 Jahren für seine Partei im Verbandsgemeinderat Konz gesessen und sei gleichzeitig jüngstes Mitglied im Juso-Bundesausschuss in Bonn gewesen, so Barzen. Im Karneval verkörpert Lintz seit 2009 den "Weissebach" und klopft aus der Heuschreck-Bütt heraus den lokalen Obrigkeiten scharfzüngig und schalkhaft auf die Finger. Aus all diesen Gründen sei Dieter Lintz "genau der richtige Mann für diesen Preis". Er verfüge eben über eine "Kompetenz und Wortgewandtheit, die ihresgleichen suche, vor allem in der Provinz" , so die ADD Präsidentin.

"Maßlose Übertreibung"

In seiner Dankesrede wirkte Lintz etwas irritiert, ob so viel Lobes und warf der ADD-Präsidentin halb scherz-, halb ernsthaft  "maßlose Übertreibung" vor. Dass er nicht in dem zum Anlass passenden und von seinen zahlreichen Heuschreckauftritten bekannten Weissebachkostüm auftrete, sei nicht nur der für diesen Anlass von der Prinzenzunft gewünschten Kleiderordnung geschuldet, viel mehr würden ihm noch stattliche zehn Kilo zum Weissebachschen Büttenkampfgewicht fehlen, die er sich jedoch traditionsgemäß erst zu Jahresbeginn vom Leibe hungere. Obwohl er sonst karnevalistischen Ehrungen im großen Bogen aus dem Weg gehe, sei die Annahme des Weissebachpreises für ihn eine Ehrensache gewesen, da er sich dem stadtbekannten Müßiggänger, Wohltäter und Schalk aus dem 19. Jahrhundert gedanklich sehr verbunden fühle, erklärte Lintz. Vor allem die notorisch antiautoritäre Lebenseinstellung gegenüber allem Obrigkeitsdenken sowie die sorgsam gepflegte Nicht-Freundschaft zur katholischen Kirche seien dabei als besonderes starkes Band zu nennen, so Lintz.

Hungern für Günther Jauch

In der prominenten Ahnenreihe der Weissebachpreisträger von Oberbürgermeistern über Landräte, Präsidenten und Wirtschaftsbossen hin bis zu den Trierer Bischöfen der letzten drei Jahrzehnte fühle er sich deshalb auch am meisten dem Preisträger von 2006, Helmut Leiendecker von der gleichnamigen "Bloas", verbunden, was ihn "Stolz auf diesen Preis mache". Abschließend empfahl der Geehrte dem Präsidenten der Trierer Prinzenzunft, Jürgen Schlich, einen geeigneten Nachfolger für die Franz-Weissebach-Preisträger-Ehrung 2014. Für eine Laudatio auf den allseits bekannten Fernsehjournalisten Günther Jauch, der einen Teil der einstmals Weissebachschen Weingüter an der Saar besitze, sei er sogar bereit sich rechtzeitig zur Preisverleihung in sein Karnevalskostüm zu hungern. 

Bei diesem Punkt hörten allerdings die gegenseitigen Freundlichkeiten auf. Höflich aber bestimmt konterte Jürgen Schlich prompt und wies den diesjährigen Preisträger auf die Unabhängigkeit der Prinzenzunft bei den Überlegungen zur Nominierung eines künftigen, würdigen Preisträgers hin. Man habe da schon eigene Vorstellungen, die man weiter vorantreiben werde, so Schlich.

Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten Sängerin Joana Caspar (Sopran) mit Peter Kasper und Angela Händel.    Fin/Fotos: Finkenberg

Foto: Dieter Lintz (Mitte) mit Vorjahrespreisträgerin Dagmar Barzenund Jürgen Schlich, Präsident der Prinzenzunft.

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