Es war einmal... Catharina Weiler

Stadt Trier. Welch immensen Druck die Nazis auf die Lehrerschaft ausübten und wie standhaft Catharina Weiler ihren Werten treu blieb, das erfahren Sie heute in unserer Reihe "Es war einmal".

Am 21. Juli 1888 wurde Anna Maria Katharina Gertrud Weiler, die sich selbst Catharina nannte, in Trier geboren. Mit ihrer bürgerlichen Familie lebte sie lange in der Simeonstraße 19. Nachdem sie die Mädchenschule der Ursulinen und die Handelsschule in Trier besucht hatte, studierte sie ab 1907 drei Jahre lang am privaten höheren Lehrerinnen-Seminar Dr. Wacker in Koblenz. Am Ende ihrer Studienzeit trat sie dem Verein katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL) bei, übernahm 14 Jahre später und nach dem Zweiten Weltkrieg die Leitung und wurde in dessen Zweigverein in Trier Diözesanvorsitzende.

Schikane der Nazis

Eine Festanstellung erhielt Catharina 1914 an der Katholischen Volksschule St. Martin in Trier. Anfang 1937 wurde sie in den Schulverband Landscheid strafversetzt. Eine Maßnahme, die der Trierer Regierungspräsident anordnete, weil sich Catharina weigerte, den Verein VkdL zu verlassen. Die Schikanen gegen die Lehrerin, die von ehemaligen Schülern als gut und gerecht, aber auch streng beschrieben wurde, begannen bereits 1933. Die Anfeindungen standen in engem Zusammenhang mit ihrem Engagement und ihrer führenden Rolle im VkdL, der den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. Mit Strafarbeiten wollte sie ihr neuer Vorgesetzter Kreisschulrat Grauvogel langsam zermürben. Doch die gebürtige Triererin blieb stark, musste sich neben den zahlreichen Diffamierungen auch noch um ihre an Malaria erkrankte Schwester und die vier Kinder ihres verstorbenen Bruders kümmern. Am 2. Juli 1937 wurde sie öffentlich im "Trierer Nationalblatt" beleidigt: So heißt es im Artikel unter anderem: "Man hoffte, durch eine Versetzung in das beschauliche Dörfchen Landscheid bei Wittlich befruchtend auf ihr spärliches Gehirn einzuwirken." Auch nach dieser Schikane ging die überzeugte Katholikin in die Offensive und wehrte sich mit Hilfe eines Anwalts – allerdings ohne Erfolg. Nach dem Erscheinen des Artikels wurde sie suspendiert, durfte fortan nicht mehr unterrichten und Landscheid nicht mehr verlassen. Dazu kam ein Dienststrafverfahren, in dem ihr unter anderem Verletzung der Dienstschweigepflicht und Unwahrheit gegenüber dem Schulrat vorgeworfen wurden.

Pension und Rückkehr

1939 erhielt sie ihre Wiederzulassung zum Schuldienst und das Verfahren gegen sie wurde eingestellt. Die Schikanen gingen jedoch weiter, bis sie herzkrank wurde. Gegen Catharinas Willen wurde sie notdienstverpflichtet und betätigte sich als Oberschwester im Lazarett in Saarburg und in Trier. Als sie 1944 an die Schule Landscheid zurückkehren sollte, beantragte sie wegen ihres Gesundheitszustands die Pensionierung. Ein Monat im Ruhestand reichte ihr aber und weil ihr die Kinder leidtaten, nahm sie den Unterricht wieder auf.

Keine Entschädigung

Nach Ende der Naziherrschaft war sie einige Jahre lang als Schulleiterin in Landscheid tätig. Ihr Antrag 1954 zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde abgelehnt. Sie starb 1959. Im Kreisjahrbuch Bernkastel/Wittlich 2015 ist Catharinas Leben niedergeschrieben. hs





Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.