Es war einmal... das Treverermännchen

Stadt Trier. Ponchos sind heute der letzte modische Schrei. Allerdings eher bei weiblichen Trägern. Dass die praktischen Umhänge in der Region Trier einst auch bei Männern beliebt waren, zeigt das »Treverermännchen«.

Die knapp zwölf Zentimeter große Bronzestatuette aus dem dritten Jahrhundert nach Christus gehört zur Sammlung der Gesellschaft für nützliche Forschungen Trier, die im Rheinischen Landesmuseum aufbewahrt wird. Sie wurde in Trier oder der Umgebung gefunden. Wo genau, ist nicht mehr bekannt. Dargestellt ist ein junger Mann aus der gallo-römischen Bevölkerung.

Im Lagen-Look
Das »Treverermännchen« hat seine Kleidung den hiesigen Witterungsverhältnissen angepasst und präsentiert sich im praktischen Lagen-Look. Zuunterst ein Beingewand mit außen liegender Naht und Gamaschen-Wicklung an den Unterschenkeln. Diese Beinbinden wurden an den Knöcheln und unter dem Knie mit Bändern befestigt, wie an der kleinen Bronzefigur gut zu erkennen ist.

Typischer Kapuzenmantel
An den Füßen trägt der Treverer von Welt bereits geschnürte Schuhe. Dazu eine Tunika, die bis über die Hälfte der Oberschenkel reicht. Und darüber der ponchoartige Überwurf mit Kapuze, dem das »Treverermännchen« sein zwergenhaftes Aussehen verdankt. Oben spitz zulaufend, bedeckt er Kopf, Schultern, Rücken, Brust und Arme und bietet seinem Träger trotzdem viel Bewegungsfreiheit. Der aus einem Stück gefertigte Mantel ist vorn über der Brust zusammengenäht. Nur das Gesicht bleibt unbedeckt. Das Ganze hat nennt sich »paenula« und ist auch von anderen Darstellungen bekannt.

Beliebte Tracht
Denn diese Tracht war zu Römerzeiten im Gebiet der keltischstämmigen Bevölkerung sehr beliebt, bot sie doch Schutz bei Wind und Regen. Besonders gut geeignet war dieses Outfit natürlich auf Reisen, für fleißige Landmänner oder Handwerker.

Was hielt es einst in seinen Händen?

Auch das »Treverermännchen« legt die Hände nicht in den Schoß. Was seine Finger ursprünglich umschlossen hielten, kann nur noch vermutet werden. Vielleicht einen Stab und eine Laterne? Eine Schubkarre? Die Gegenstände, zu deren Aufnahme die Hände des Figürchens Durchbohrungen aufweisen, gingen verloren.

Museumsstar
Heute ist das Treverermännchen im Rheinischen Landesmuseum Trier zu Hause. Trotz seiner geringen Größe genießt es einen hohen Bekanntheitsstatus. Kein Wunder – denn hier ließ sich kein vornehmer Römer darstellen. Der kleine Mann aus dem Volk repräsentiert vielmehr die Vorfahren der heutigen Trierer.

Glücksbringer
Nachbildungen des »Treverermännchens« kann man unter anderem im Museumsshop des Rheinischen Landesmuseums oder bei der Tourist-Info Trier erwerben und vielleicht wie einst als persönlichen Glücksbringer mit sich tragen. Informationen zu den Museums-angeboten unter www.landesmuseum-trier.de.

(cn/Foto: Neumann)

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