Es war einmal... der Schinderhannes

Stadt Trier. Johannes Bückler, Schinderhannes genannt, war wohl der vollkommenste Räubertypus seiner Zeit. Viele Anekdoten um den Räuberhauptmann schildern ihn als edlen Mensch, Weltverbesserer und schneidigen Kavalier, der sowohl den Bauernmädchen des Hochwalds als auch adligen Frauen sympathisch war... Auch in Damflos hat der Schinderhannes seine Spuren hinterlassen, wie die folgende Geschichte zeigt.

Vor langer Zeit trieb der Schinderhannes in den Waldstücken um Damflos sein Unwesen. Mitten im Dorf wohnte ein guter Schuster, der das Leder, das er brauchte, um Schuhe herzustellen, immer aus dem benachbarten Saarland holte. Dafür musste er aber von Damflos durch den Äwasch-Wald (zwischen Damflos und Otzenhausen) gehen und hatte natürlich auch Angst, vom Schinderhannes und seinen Gesellen oder von anderen Vagabunden überfallen zu werden.

Schinderhannes gibt Stiefel in Auftrag

Eines Abends, in der Adventszeit, als draußen Schneegestöber herrschte und es schon dunkelte, klopfte es an eines der Werkstattfenster des Schusters. Erschrocken öffnete der Schuster das Fenster, und da stand der leibhaftige Schinderhannes vor ihm. Den Hut hatte er ganz tief ins Gesicht gezogen und sagte, er habe gehört, dass der Schuster gute und haltbare Stiefel herstellen würde und er hätte gern ein Paar aus schwarzem Leder. Wenn die Stiefel gut passten und ihm gefielen, dann würde er auch einen guten Lohn dafür zahlen. Der Schuster dürfe aber niemandem davon erzählen. In zwei Wochen, um dieselbe Stunde, käme er, um die Stiefel abzuholen. Und weg war er.

Schöne Stiefel für den Schinderhannes

Der Schuster traute sich nicht, den Auftrag abzulehnen und machte sich gleich am nächsten Morgen an die Arbeit. Ganz sorgfältig arbeitete er an den neuen schwarzen Stiefeln für den Schinderhannes und erzählte auch niemandem, noch nicht mal seiner Frau, von der Sache. So stellte er das Paar Stiefel her; schön waren sie geworden und stabil.

Sicheres Geleit

Und dann kam der Tag, an dem der Schinderhannes seine Stiefel abholen wollte. Es war schon fast dunkel und der Schuster hatte ein wenig Angst, ob die Stiefel dem Schinderhannes auch gefallen würden. In seiner kleinen Werkstatt wartete er. Auf einmal klopfte es an die Fensterscheibe, und er war da, der Schinderhannes. Sofort öffnete der ängstliche Schuster das Fenster und hielt ihm die Stiefel hin. Dem Schinderhannes gefielen die neuen schwarzen Stiefel sehr. Er war hoch zufrieden mit der Arbeit des Schusters und zahlte ihm einen guten Lohn. Dem Schuster fiel ein Stein vom Herzen. Dann sagte  der Schinderhannes noch, dass der Schuster, wenn er jetzt wieder durch den Äwasch-Wald ginge, um Leder zu holen, unter seinem Schutz stünde und keine Angst mehr zu haben bräuchte, von irgendjemand überfallen zu werden.

Schönes Weihnachtsfest

Der Schuster war froh und glücklich, dass die Sache so gut ausgegangen war. Zudem hatte er jetzt ein wenig Geld, um mit seiner Frau und seinen Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu feiern.
Übrigens, den Hausnamen "Schuschda" (Schuster) findet man auch heute noch in Damflos. (Quelle: Margareta Bouillon-Adams, Damflos)

RED/FIS

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