Es war einmal... die Palastkaserne

Stadt Trier. Soldatenstuben statt Prachtgemächer, Exerzierplatz statt Schlossgarten: heute geht es in unserer Reihe "Es war einmal..." um die rund 130 Jahre dauernde Umnutzung des Kurfürstlichen Palais. Wo einst die Schlossherren im Rokoko-Prunk residierten, richteten die französischen Besatzer 1803 eine Kaserne ein. Auch unter preußischer Herrschaft und danach bis 1930 wurde der Palast militärisch genutzt.

Das Schloss der Trierer Kurfürsten, in mehreren Bauphasen rund um die darin integrierte Basilika errichtet, erhielt seine Rokoko-Pracht unter Franz Georg von Schönborn (1729-1756) und Johann Philipp von Walderdorff (1756- 1768). Besonders reich wurde der Südflügel zum Palastplatz hin von Johannes Seiz gestaltet.

Erst die Franzosen, dann die Preußen

Das Palais wurde nach dem Einmarsch der französischen Truppen in Trier (1794) ab 1803 als Kaserne umgenutzt. Trier blieb für lange Zeit Garnisonsstadt und war 1798 bis 1814 Hauptstadt des Saardepartements. Die Bewohner Triers erhielten die französische Staatsbürgerschaft.

 

1814 wurde Trier von preußischen Truppen eingenommen.  Die Preußen nutzen das Palais ebenfalls militärisch, restaurierten die Basilika aber in ursprünglicher Form und weihten sie 1856 als "Evangelische Kirche zum Erlöser".

Militärfiskus zahlt Restaurierung

Gottfried Kentenich berichtet in seiner "Geschichte der Stadt Trier", der königlich-preußische Militärfiskus habe ab 1905 mit einem Kostenaufwand von 250.000 Mark die Palastkaserne einer durchgreifenden Restaurierung unter Leitung des königlichen Militärbauamtes unterzogen. Dazu gehörten die Erneuerung der Südfassade, des Treppenhauses und des Petersburgportals neben der Hauptwache.

Dank der Freigabe eines Weges über den Palastplatz, der 1908 fertig wurde, und der in liberaler Weise gewährten Möglichkeit der Besichtigung des Treppenhauses sei der Stadt Trier sowohl eine Verkehrserleichterung als auch eine hervorragende Sehenswürdigkeit neu zurückgegeben worden.

Reichliche Verpflegung, guter Wein, werktags nur "Pumpenheimer"

Im Kapitel "Die Stadt im Kriege 1870/71 ließ Kentenich bereits Generalleutnant von Steinaecker zu Wort kommen: "Die Offiziers-Speiseanstalt in der alten Palastkaserne war vortrefflich verwaltet und bot für wenig Geld reichliche Verpflegung und guten Wein." Champagner durfte am Offizierstisch nur an Königs Geburtstag getrunken werden, ansonsten gab es werktags bei Tische nur "Pumpenheimer" - also Wasser.

"Abends kamen besonders wir jüngeren Kräfte, die auch in der Kaserne wohnten, auf dem Zimmer eines Kameraden zusammen, kochten uns Tee, ließen uns aus dem Kasino Aufschnitt holen oder steuerten aus mütterlichen Paketen zusammen." Im Sommer habe man diese geselligen Abende bei Gitarrenmusik, Gesang und einer Partie Whist (Skat kannte man noch nicht) in den Offiziersgarten verlegt.

Heute Sitz der ADD

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen 1918 die preußischen Truppen aus Trier ab. Sie wurden wiedrum von französischen Besatzung, die bis 1930 dauerte, abgelöst. Auch in dieser Zeit wurde die Palastkaserne genutzt. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Baukomplex stark beschädigt. 1955 zog schließlich die Bezirksregierung Trier ein. Ihre Nachfolgerin ist die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion.

Im Palastgarten, zu Kasernenzeiten Exerzierplatz, entstand dank Franz Weissebach 1937 wieder ein Volkspark. Wie das von statten ging, ist in einer anderen Ausgabe von "Es war einmal" zu lesen: hier

(CN)

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