Es war einmal... Franz Weißebach

Stadt Trier. In der heutigen Ausgabe unserer Reihe geht es um den Stifter des Trierer Palastgartens. Obschon der Garten erst in den Jahren 1936 bis 1940 angelegt wurde: Seine Geschichte reicht in das Jahr 1919 zurück ? dem Todesjahr Franz Weißebachs, in dem er die Stadt Trier als Erben seines Vermögens einsetzte. Die Annahme dessen verband der gewitzte Junggeselle Weißebach jedoch mit einer ganz speziellen Bedingung.

Der am 18. Juli 1860 in Trier geboreren Franz Weißebach war gelernter Kaufmann und Miteigentümer des Weingutes Kanzemer Berg (heute Weingut von Orthegraven). Dieser Umstand ermöglichte es ihm, sich recht früh als Privatier zur Ruhe zu setzen.

 

Bereits zu Lebzeiten galt Weißebach als "schalkhafter Kautz", der nur allzu gerne Späße mit anderen trieb. Nach dessen Tod konnte die Stadt Trier das besagte Erbe (das übrigens auch rund 3.000 Liter 1921er Wein hoher Güte beinhaltete, im Volksmund "Krematoriumwein" genannt) nur dann annehmen, wenn sie die Mittel zur Errichtung einer "Leichenverbrennungsstätte" auf dem städtischen Hauptfriedhof verwendet - undenkbar im katholischen Trier. Den nicht zufällig gewählten Ausweg eröffnete Weißebach in einer Zusatzklausel selbst: Falls die Stadtverordnetenversammlung fünf Jahre hintereinander den Bau des Krematoriums ablehne, solle das Vermögen zur Anlage eines Volksgartens herangezogen werden. Dabei konnte sich Weißebach der konservativen Gesinnung der Trierer sicher sein, die als gute Katholiken die Feuerbestattung ablehnten. Zwischen 1926 und 1930 stimmten so die Stadtverordneten in der mittlerweile "Krematoriumsdebatte" genannten Abstimmung gegen den Neubau, sodass das Erbe inklusive dem nun anzulegenden Stadtgarten in die Hände der Stadt gelegt wurden.

Die Stadt ehrte Weißenbach mit einem Ehrengrab sowie einer Gedenktafel an der mittelalterlichen Stadtmauer, hinter der auch eine Flasche des "Krematoriumweins" eingemauert wurde. Weißebach selbst wählte übrigens eine klassische Erdbestattung.

Foto: Stadtbibliothek Trier

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