Es war einmal... Friedrich Spee

Stadt Trier. Zum 380. Todestag am 7. August: Erinnerung an einen der bedeutendsten Gegner der Hexenverfolgungen, Friedrich Spee, der 1635 in Trier starb.

Von Dr. Rita Voltmer

Schon 1610 weilte der am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth geborene Friedrich Spee das erste Mal in Trier, während er hier im 1560 gegründeten Jesuitenkolleg sein Noviziat leistete.

Möglicherweise wurde er bereits zu jener Zeit Augenzeuge von Hexenjagden, die mit Unterbrechungen seit circa 1586 im Trierer Land und in der Stadt Trier an der Tagesordnung waren.

 

Erst 1632, mehr als zwanzig Jahre nach seinem ersten Aufenthalt, kehrte Friedrich Spee nach Trier an die Theologische Fakultät zurück. Dazwischen lag ein langer Weg, der den Jesuiten über Fulda, Würzburg, Köln und Paderborn geführt und immer wieder mit den Auswirkungen von Hexenjagden in Berührung gebracht hatte.

Cautio Criminalis

1631 und 1632 verfasste Spee seine brillante Streitschrift, die Cautio Criminalis. Hier argumentierte er scharfsinnig-gelehrt und gegründet auf eigene Erfahrungen gegen die Praxis der Hexenprozesse.

Dezidiert griff er weltliche und geistliche Fürsten, Beamte, Juristen, Beichtväter, aber auch Gruppen der Bevölkerung als Verantwortliche an.

Insgesamt forderte Spee zur Verbesserung der Gerichtspraxis eine generelle Unschuldsvermutung, die Stellung von Verteidigern und unabhängigen Richtern sowie insbesondere die Abschaffung der Folter. Damit und mit seinem Aufruf zur Einstellung aller Hexereiverfahren vertrat Friedrich Spee menschenrechtliche Prinzipien, die bis heute auf eine weltweite Durchsetzung warten.

Auch im Ausland rezipierte man Spees wirkmächtigen Traktat. Die Cautio Criminalis wurde aus dem lateinischen Original in die deutsche (1647), niederländische (1657) und französische (1660) Sprache übertragen.

Seelsorger und Samariter

Im März 1635, zu Beginn der letzten Phase des 30-jährigen Krieges, wurde die französisch besetzte Stadt Trier im Handstreich von spanischen Truppen erobert. In diesem Chaos bewährte sich Friedrich Spee als Seelsorger und Samariter während der Straßenkämpfe, als Tröster und Pfleger von Verwundeten und Kranken in den Lazaretten sowie als Anwalt der Kriegsgefangenen.

Bei der Pflege und geistlichen Betreuung von Kranken infizierte er sich mit einer Seuche und starb am 7. August 1635.

Von freiem Geist

Ein Nachruf seines Ordens charakterisierte Spee treffend: "Er war ein Mann mit einem hellen Kopf, von schneller Auffassung, scharfsinnig und mit klarem Urteil [...] von eminent freiem religiösem Geist, großer Ausdauer, selbstlos, fromm, voller Ergebung und Gottvertrauen, von einer seltenen und bewundernswerten Nächstenliebe."

Friedrich Spee wurde in der Jesuitenkirche (heute Kirche des bischöflichen Priesterseminars) beerdigt. 1980 wurden seine Gebeine wieder aufgefunden und in der jetzt öffentlich zugänglichen Spee-Gruft unterhalb des südlichen Seitenschiffs beigesetzt.

Durchaus im Sinne von Friedrich Spee erinnert seit dem 25. März 2015 eine Gedenktafel an die Opfer der Hexenverfolgungen in Trier und Umgebung.

Mit Leben, Werk und Nachwirken von Friedrich Spee beschäftigt sich die 1987 gegründete Friedrich Spee Gesellschaft Trier. Infos unter www.friedrich-spee.de.

Gastautorin Dr. Rita Voltmer

Dr. Rita Voltmer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Trier. Sie forscht und lehrt in den Teildisziplinen Mittelalter und Frühe Neuzeit. Einen ihrer wissenschaftlichen Schwerpunkte bildet dabei die frühneuzeitliche Hexenverfolgung. Darüber hinaus ist sie Vorsitzende der Friedrich-Spee-Gesellschaft Trier.

Alle Teile unserer Serie "Es war einmal" gibt es hier

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