Es war einmal... "Lönsewöllem"

Stadt Trier. Und weiter geht es in unserer Reihe über Trierer Originale. Dieses Mal stellen wir den im Jahr 1797 in Trier geborenen Wilhelm Lakombert vor, allgemein wohl eher bekannt unter seinem Spitznamen "Lönsewöllem" (Linsen-Wilhelm).

Zu seinem mehr oder weniger ehrenrührigen Namen kam der bei seinen Eltern in der Fleischstraße großgewordene Lakombert durch seine stadtbekannte Abneigung gegenüber Linsen. Seinen Unterhalt bestritt er - bescheiden lebend - mit dem geerbten elterlichen Vermögen.

 

Er galt gemeinhin als gutmütig, "halbpfiffig und halbsimpel" und soll sich bis ins hohe Alter ein kindliches Gemüt bewahrt haben. Ungemütlich wurde er hingegen, wenn man ihn an sein gespanntes Verhältnis zur Hülsenfrucht erinnerte. Ein "Wellem, Lönsen" soll ausgereicht haben, um ihn in den Zustand höchster Aufregung versetzen zu können. Da "Wöllem" diesen, für ihn im schlechtesten Sinne reizvollen Satz vornehmlich von "frechen Buben" zu hören bekam, ist es nicht verwunderlich, dass er auch sonst keiner Gelegenheit aus dem Weg ging, sich mit den tatsächlichen oder vermeintlichen Unarten der Jugend auseinanderzusetzen. Diese besonderen Auftritte in der Öffentlichkeit sollen - zur Beruhigung - stets harmlos verlaufen sein, denn wurde es ihm zu bunt, lief er einfach davon und begab sich rechtzeitig in selbstgewählte "Schutzhaft". Sein Tick: Zwischen den Fingern hielt er stets ein Stück Papier, das er faltete und rollte.

Stilblüten

Als frommes Trierer Kind war "Lönsewöllem" regelmäßiger Gast in den Sakristeien der Kirchen. Hier und dort mischte er sich ein; seine direkte Art konnte dabei durchaus auch Geistliche treffen. Kurios war auch eine kleine Eigenart, die seine Aussprache betraf. So artikulierte er ein "p" stets wie ein "k", was zu Stilblüten wie "Klaaß gemaach, Kaulus Kastor kömmt met der Koar!" ("Platz gemacht, Paulus Pastor kommt mit der Pfarre!") führte. Damit sorgte er strikt für Ordnung, wenn er an der Spitze einer Prozession den Ordner spielte. Hohes Ansehen genoss beim "Lönsewöllem" der Viez, den er zumeist nur in geringen Mengen schadlos verkraftete und in geselliger Runde in einer Restauration am Pferdemarkt genoss. Einmal soll er sich drei Pörzchen geleistet haben. Nach hause schwankend kommentierte er anschließend seinen Zustand mit "Eich hoan kaa Waaser getronk!"

Wilhelm Lakombert starb 1867 in Trier. Er wurde 70 Jahre alt.

Foto: FF

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