»Fast and Furious« am Moselufer

Stadt Trier. Die Trierer Polizei verzeichnet seit einiger Zeit einen größeren Zulauf in der Tuner- und Autoposer-Szene – inklusive Lärmbelästigung und illegaler Autorennen. Sie setzt auf ein neues Einsatzkonzept mit Überwachung der Szene.

Grün und Vollgas! In der Kurve kurz das Heck verloren, aber schnell wieder eingefangen. Im Windschatten dem Führenden hinterher... Was nach einer Passage aus »Fast and Furious« klingt, spielt sich tatsächlich auf Trierer Straßen ab. Kostproben gefällig?


Ende Februar auf der Zurmaiener Straße: ein Mercedes-Benz E-Klasse und ein 5er BMW liefern sich ein Rennen auf der viel befahrenen Trierer Hauptverkehrsachse. Beide Fahrzeuge rasen mit geschätzten 100 km/h, überholen sich gegenseitig und schneiden unbeteiligte Verkehrsteilnehmer. In einer Kurve verliert der BMW-Fahrer die Kontrolle und kracht gegen einen Baum.


Eine Woche zuvor liefern sich auf der A48 mehrere hochmotorisierte amerikanische Sportwagen ein Straßenrennen. Sie schalten den Warnblinker ein und bremsen den Verkehr bis fast zum Stillstand aus, um dann stark zu beschleunigen...


Noch kurioser eine Fall aus dem September 2020: An der Ampel in der Lindenstraße warten zwei Rennkandidaten auf grünes Licht, lassen ihren hochmotorisierten Gefährten dann freien Lauf und beschleunigen in Richtung Krahnenufer. Als wäre das noch nicht genug, geben sich die Mitfahrer des einen Fahrzeuges noch den letzten Kick, indem sie während der Fahrt mit freiem Oberkörper halb aus dem Fahrzeuginneren kletteren. Pech nur, dass die ganze Szenerie von einer zivilen Polizeistreife sozusagen von der Pole Position beobachtet wurde...

Unterscheidung wichtig

Etliche solcher Autorennen verzeichnete die Polizei in den vergangenen Monaten. Die Tuner- und Poserszene in der Region Trier wächst. Vorrangig junge Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten seien hier anzutreffen, berichtet Marc Fleischmann von der Pressestelle des Polzeipräsidiums Trier. Wichtig sei dabei aber eine Unterscheidung zwischen Tunern, Posern und Rasern.

  • Tuner motzen ihre Fahrzeuge unter technischen und optischen Aspekten auf. Hier stehen die zum Teil liebevoll gepflegten und individualisierten Autos im Mittelpunkt
  • Poser sind meist nicht zu überhören und fallen durch ihre teils riskanten Fahrmanöver auf. Sie stellen ihre Fahrzeuge durch übertriebenes Beschleunigen, Burnouts und Driften zur Schau und messen sich bei illegalen Rennen.
  • Überschneidungen sind natürlich möglich.


Einer der bekanntesten Treffpunkte der Tunerszene sei der Parkplatz in den Moselauen. Hier treffen sich regelmäßig Gruppen aus der Tuningszene der Region. So auch am »Carfreitag«, dem Saisonauftakt der Szene zu Ostern. Anders sieht es bei den Posern aus. Ihnen geht es nicht um Treffen. Sie fallen durch ihre Fahrweise auf – immer dort, wo sich Gelegenheit bietet. »In Trier beobachten wir dies im gesamten Stadtgebiet, vorrangig in der Innenstadt«, erklärt Fleischmann.


Mit der Zahl der Tuner und Poser ist auch die Zahl der Beschwerden aus der Bevölkerung gestiegen. Im vergangenen Sommer entwickelte die Polizei daher ein neues Einsatzkonzept. Im Fokus schwerpunktmäßiger Kontrollen stehen hoch motorisierte sowie optisch und technisch veränderte Fahrzeuge. Während diese durchaus durch Tuning verändert werden dürfen, verbietet die Straßenverkehrsordnung übertriebene und gefährlichen Fahrmanöver.


»Wenn der Motor lauter ist, fährt man auch anders«, weiß Olaf Pelz, pensionierter Polizeibeamter und Vorsitzender des Motorsport Club Konz. 40 Jahre lang kontrollierte er bei der Abteilung Verkehrsüberwachung vor allem überlaute Motorräder, jedoch immer auch wieder optisch oder akustisch getunte Autos. »Rennen gehören nicht in den öffentlichen Straßenverkehr«, sagt Pelz, der selbst aktiver Rallye-Pilot ist. Neben der hohen Unfallgefahr kritisiert er die starke Lärmbelästigung, die nicht selten Leistung nur vorgaukelt und Dritte ungefragt zu Ohrenzeugen macht. Hier helfe nur eine möglichst enge Überwachung.


Ziel derer sei es jedoch nicht, die Tuningszene zu kriminalisieren oder aus der Stadt zu verdrängen, versichert die Polizei. Sondern die Modifikationen innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen zuzulassen. Und Poser in die Schranken zu weisen. Dabei ziehen die Beamten ein erfolgreiches Zwischenfazit, das von positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung gestützt wird. »Man darf die Jugendlichen nicht als Feinde betrachten«, unterstreicht Pelz. Wichtig sei der Dialog. Wenn nichts mehr hilft, bleibe als schmerzhafteste Option noch das Einkassieren des Fahrzeugs. Ambitionierten Autofahrern rät er: »Übt Motorsport in einem Verein aus. Dort kann man sicher und verantwortungsvoll Gas geben!«


Die Polizeiinspektion Trier kündigt unterdesssen auch in den kommenden Monaten weitere Kontrollen an, um gegen verkehrsgefährdendes Fahrverhalten vorzugehen.


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