"Für mehr Fairplay im Fußball"

Stadt Trier. Entschieden gehen auch die Fußballer im benachbarten Saarland gegen Gewalt im Fußball vor: Mit einer Kick-Off-Veranstaltung im "Haus der Athleten" an der Hermann-Neuberger-Sportschule hat der Saarländische Fußballverband die Anti-Aggressions-Kampagne "Gewalt hat keine Klasse" eingeläutet.

 

"Wir wollen offen mit der Kampagne umgehen, die auch eine Kampagne für die Schiedsrichter ist", betont Verbands-Vize-Präsident Adrian Zöhler, der auch einen Grund für die anlaufende Aktion nennt: "Im letzten Winter wollte der Nordsaar-Kreis alle Spiele absagen, nachdem es wiederholt zu Gewalttaten gegen Schiedsrichter kam. Durch Wetterkapriolen fiel der Spieltag aber ohnehin komplett aus, so dass diese Aktion verpuffte." So sei es nun einfach an der Zeit gewesen, präventiv tätig zu werden. Zöhler rechnet vor: "In der Saison 2012/13 gab es 38 Spielabbrüche, davon 26 wegen Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter." Bei mehr als 40000 Spielen sei dies zwar nur ein Promillewert, der, so die Ansicht mancher Zeitgenossen, einen solchen Aufwand nicht rechtfertige, aber das Gegenteil sei der Fall.

Zöhler: "Wenn es uns gelingt, dass es nur ein paar Spielabbrüche weniger werden, haben wir schon viel erreicht. Auch wenn es nur 26 Tätlichkeiten waren, so waren das 26 zu viel." Doch wie soll man eine solche Kampagne angehen? Mit Plakaten aufhängen - ein entsprechendes mit dem saarländischen Profi Patrick Hermann sowie einem Amateurfußballer aus dem Saarland (Hermanns Bruder Pascal) gemeinsam mit dem saarländischen Spitzen-Schiedsrichter Patrick Alt wurde vorgestellt - sei es nicht getan. "Sie muss auch emotional binden, es muss Aktionen geben", fügt Zöhler an. Zielgruppe sind Spieler, Zuschauer, Funktionäre und Schiedsrichter. Das Hauptziel wird die Stärkung der Schiedsrichter sein. Neben der Kick-Off-Veranstaltung, zu der Ende August alle 390 saarländischen Fußballvereine eingeladen waren (die Vereine erhielten hier Aktionspakete mit den genannten Plakaten, Flyern zum Verteilen an die Zuschauer, Anzeigen-Vorlagen für Stadionzeitungen und Internetseiten) gab es Mitte September einen Aktions-Spieltag. Hier wurden alle Spiele von der Kreisliga A bis zur Karlsberg-Liga Saarland durch den Schiedsrichter unterbrochen, ein entsprechender Text wurde per Stadionansage verlesen.

"Ohne Schiri kein Spiel!"

Nach gespielten Minuten verließen alle Schiedsrichter die Spielfelder um demonstrativ zu zeigen: "Ohne Schiri kein Spiel!". In weiteren Schritten wird es Schulungen zur Gewaltprävention geben, auch die Spielordnung soll in Puncto "Disziplin auf den Sportanlagen" angepasst werden. Die Kick-Off-Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Landesinstitut für präventives Handeln (LPH) sowie der Unions-Stiftung statt. Referent des Abends war Hendrik Große-Lefert als Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes. Er stellte verschiede Sicherheits-Konzepte vor, von denen einige auch für die saarländischen Amateur-Vereine interessant sein könnten. Als Gast war unter anderem der Wahl-Saarländer Reiner Calmund anwesend. In seiner bekannt unterhaltsamen Art meinte er: "Emotionen gehören zum Fußball dazu. Wer das nicht aushält, das gilt auch für Schiedsrichter, hat auf dem Platz nichts zu suchen und soll daheim bleiben. Aber es gilt ganz klar: Grenzen dürfen nicht überschritten werden. Gewalt und Beleidigungen haben ebenfalls zuhause zu bleiben!". Dem pflichtete auch die saarländische Innenministerin Monika Bachmann bei. BE

 

 

 

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