Happy Birthday, Karl! - Marx (wieder) in aller Munde

Stadt Trier. Am 5. Mai würde Karl Marx (1818-1883) 195 Jahre alt. Lange Zeit galt das Verhältnis der Trierer zu dem Philosophen, Nationalökonomen und Gesellschaftstheoretikerals schwierig. Das hat sich grundlegend geändert. Heute ist man in der Moselmetropole zu Recht stolz auf den berühmtesten Sohn der Stadt. Dies beweisen nicht zuletzt eine Ausstellung über die "Ikone Karl Marx", 500 Porträtfiguren an der Porta Nigra, T-Shirts mit seinem bärtigen Konterfei und eine Schokolade, die zum Nachdenken anregen soll.

Das Stadtmuseum Simeonstiftwagt in seiner aktuellen Ausstellung "Ikone Karl Marx ? Kultbilder und Bilderkult" einen neuen und ungewöhnlichen Blick auf Marx. Lange war das Verhältnis der Trierer zu Karl Marx aufgrund der in den Ländern des Ostblocks betriebenen Heldenverehrung und der Verfremdung seiner Lehre in der Ideologie des Marxismus-Leninismus verkrampft: So verfügt das Stadtmuseum in seiner Sammlung über keine einzige künstlerische Darstellung des berühmtesten Sohns der Stadt. Mangels eigener Stücke handelt es sich bei den rund 200 Exponaten der Ausstellung ausschließlich um Leihgaben. Oberbürgermeister Klaus Jensen ist es deshalb ein wichtiges Anliegen, Marx fester im Gedächtnis der Stadt zu verankern: "Marx ist einer der großen Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts und zählt zu den weltweit bekanntesten Persönlichkeiten. Es schließt eine kritische Rezeption seiner Werke nicht aus, wenn wir Trierer darauf stolz sind."

500-mal Marx ante portas

Im Rahmen der Ausstellung breitet der Künstler Ottmar Hörl eine Marxsche Population im Trierer Stadtraum aus. Ab Sonntag, 5. Mai, dem 195. Geburtstag von Karl Marx, macht eine Freiluft-Installation ? bestehend aus 500 ein Meter hohen Karl-Marx-Figuren ? an der Porta Nigra drei Wochen lang auf Marx' 130. Todesjahr aufmerksam. Die Porträtfiguren stellen Marx im historischen Habit dar: fester Winteranzug, die rechte Hand knapp unterhalb des Herzens, in einer Bewegung, als wollte Marx die Taschenuhr oder den Geldbeutel zücken ? oder vielleicht Napoleons Machtgestus zitieren. Der Gesichtsausdruck ist freundlich-neutral ? ein älterer Herr, der die heutigen Passanten reserviert grüßt und leicht verschmitzt lächelt.

 

"Auf einen Platz konzentriert oder im Stadtraum verteilt werden meine Installationen zu visuellen wie greifbaren Hindernissen. Sie sollen ein Nachdenken auslösen, einen Moment des Innehaltens", erklärt Ottmar Hörl. Zur festlichen Einweihung der Installation am 5. Mai um 11.30 Uhr im Trebeta-Saal des Stadtmuseums wird unter anderem der Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion im Bundestag Gregor Gysi erwartet.

"Pimp up my Karl"

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum haben die Brüder Hong und Johannes Truong vom Trierer Designer-Label Hong and Friends ein ganz besonderes T-Shirt gestaltet. Hierfür haben sie sein Porträt mittels Siebdruck auf T-Shirts aus 100 Prozent Baumwolle gedruckt. Unter dem Motto "Pimp up my Karl" kann man nun dem weltbekannten Trierer ein moderneres Aussehen verpassen:Unter fünf beigelegten Schnurrbärten sucht man sich einfach seinen persönlichen Favoriten aus und bügelt ihn mithilfe der beigefügten Anleitung auf. Kaufen kann man die T-Shirts im Stadtmuseum, bei der Tourist-Info, beim Asta der Universität und natürlich bei Hong and Friends in der Saarstraße 27a.

Weltladen präsentiert süße Kapital-Anlage

Dass der Trierer berühmtester Sohn und Verfasser des "Kapital" inzwischen wieder in aller Munde ist, beweist nicht zuletzt ein Naschwerk, das zum Nachdenken anregen soll. Der Arbeitskreis "Eine Welt" der Arbeitsgemeinschaft Frieden hat die Marx-Gedenktage zum Anlass genommen, um an den Verfasser des "Kapital" und seine Ideen zu erinnern sowie gleichzeitig für den fairen Handel zu sensibilisieren. So entstand die Idee zu einer "Karl Marx Schokolade". Umgesetzt wurde sie in Kooperation mit der Importorganisation für faire Produkte "dwp", die als Großhändler Welt- und Naturkostläden beliefert, sowie der Schokoladenmanufaktur "Zotter". Die Schokolade mit Marx' Konterfei gibt es im Weltladen in der Pfützenstraße, dem Dachgeschäft für Produkte aus Fairem Handel in Trier. dw/Foto: Wiesner

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.