Inklusionsgespräch: Gleiche Rechte und doch diskriminiert?

Stadt Trier. Das 4. Trierer Inklusionsgespräch fand vor kurzem im vollbesetzten Schammatdorf-Zentrum statt. Dabei diskutierten Bürger die Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderung. Anhand persönlicher Beispiele äußerten sie Kritik an den Behörden.

Menschen mit Behinderung um ihre Rechte gebracht?«, so der Titel der Veranstaltung. Der Verein Club Aktiv organisierte sie gemeinsam mit weiteren Akteuren, die sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung einsetzen. Auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe sowie Vertreter von Behörden waren der Einladung der Veranstalter zum Inklusionsgespräch gefolgt.    

Betroffene schildern Erfahrung

Im Laufe der Veranstaltung hatten Betroffene die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit Behörden zu schildern. Als großes Problem wurde die Informationslage genannt. Betroffene würden bei Anträgen alleingelassen. Formulare in leichter Sprache gebe es etwa nicht. Auch sei oft nicht klar, welche Stelle bei einem Antrag eigentlich zuständig ist. Es gebe keine zentrale Anlaufstelle. Die Behörden böten keine Lotsen, die durch den Antragsdschungel helfen würden. Antrag abgelehnt? Anwesende raten zum WiderspruchImmer wieder schilderten Betroffene, dass ihre Anträge auf Leistungen von Behörden ohne nachvollziehbaren Grund abgelehnt würden. In diesem Fall rieten Anwesende mit ähnlichen Erfahrungen, immer Widerspruch einzulegen. Oft werde die Leistung nach einem Widerspruch ohne zusätzliches Verfahren gewährt.

Behörden am Dialog beteiligt

Vertreter der kritisierten Stellen hatten die Möglichkeit, auf die geschilderten Problemfälle zu antworten. Joachim Christmann von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg etwa wehrte sich gegen den Vorwurf, Behörden würden mit einer »Zermürbungstaktik« für häufig abgelehnte Anträge sorgen. Auch Sozialdezernentin Angelika Birk verteidigte Sachbearbeiter, die Anträge ablehnen. Diese würden nach rechtlichen Vorschriften handeln und dürften nicht vorsätzlich gegen Antragssteller entscheiden.

Aktionsplan soll helfen

Angelika Birk, die Schirmherrin des Inklusionsgespräches, betonte die Rolle des Aktionsplans Inklusion für die Verbesserung der Situation von Menschen mit Behinderung in Trier. Es werde jedoch darauf zu achten sein, überprüfbare Ziele zu setzen. Bei allen Maßnahmen müssten die Kosten einkalkuliert werden. Nur so könnte man die Umsetzung der Konzepte wie Formulare in leichter Sprache oder der Lotsen in den Behörden auch garantieren.Weitere Infos auch im Internet unter www.clubaktiv.de

Umfrage: Gleichberechtigt oder benachteiligt?

Welche Erfahrungen haben die Besucher des Inklusionsgespräches bislang gemacht? Werden die Rechte für Behinderte ausreichend umgesetzt? Der WochenSpiegel hat nachgefragt. Leserbriefe zum Thema finden Sie weiter unten.

 

DH, Fotos: Huss

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