Kai Kraff: "Kickboxen ist meine Leidenschaft"

Mehrfacher Weltmeister im Interview mit dem WochenSpiegel

Stadt Trier. Kickboxen ist die große Leidenschaft von Kai Kraff. Er ist mehrfacher Weltmeister, betreibt die älteste Kickbox-Schule in Trier und ist einer der wenigen hauptberuflichen Kampfsportlehrer in Deutschland. Mit dem WochenSpiegel sprach der 40-Jährige über das Gute an Niederlagen und warum Wettkämpfe nicht alles sind.

Kampfsport begleitet Kai Kraff fast schon sein ganzes Leben. Mit sechs Jahren fing er mit Judo an. Als Jugendlicher wechselte er zum Kickboxen. Sein großes Lebensziel war es als Kind allerdings immer, Formel-1-Fahrer zu werden. In jungen Jahren fuhr er Kart – eine Zeit lang sogar mit dem späteren Formel-1-Profi Ralf Schumacher. Das Talent war vorhanden, der Ehrgeiz auch. Das Herz schlug allerdings doch einen Ticken stärker für den Kampfsport. Vor fast 20 Jahren eröffnete Kai Kraff dann mit "Dragon Kampfsport" seine erste eigene Schule in Trier. 2002 folgte eine in Bitburg. Zeitgleich arbeitete er als Bankkaufmann und stand als Kämpfer selbst im Ring. "Du musst Passion haben, sonst wird das nichts", erklärt er lächelnd.

Mehrere Weltmeistertitel

Mehrere Weltmeistertitel in unterschiedlichen Kickbox-Verbänden kann Kai Kraff sein Eigen nennen. Zwischen 500 und 600 Kämpfe hat er absolviert. Manchmal ist er bei Wettkämpfen in gleich zwei Kategorien angetreten, hat erst einen Kampf im Semikontakt gemacht und dann noch einen im Voll- oder Leichtkontakt (siehe Info). Wie oft er gekämpft hat, kann er deshalb nicht genau sagen. Die Zahl ist für ihn auch nicht relevant. "Ich war sehr ehrgeizig und hatte Spaß am Kämpfen", sagt er.

Erfolg wertschätzen

Die Mehrzahl seiner Kämpfe hat er gewonnen. Trotzdem musste er im Ring auch mal Niederlagen einstecken. "Das war für mich immer sehr schlimm. Man fragt sich danach, warum und wieso man verloren hat. Niederlagen prägen allerdings den Charakter, denn man lernt durch sie, den Erfolg wertzuschätzen. Das ist etwas sehr Wichtiges", erzählt er. Seine aktive Karriere beendete er im Jahr 2012. "Ich habe alles erreicht, was ich im Kickboxen erreichen wollte. Irgendwann hat man auch mal genug gekämpft", erklärt Kraff. Seinen letzten Kampf gewann er. "Ich konnte so beruhigt in den Wettkampf-Ruhestand eintreten", erzählt er. Seinen Job als Bankkaufmann hängte er bereits nach seiner Elternzeit vor einigen Jahren an den Nagel. Jetzt konzentriert er sich voll und ganz auf das Training mit seinen Schützlingen.

Haupberuflicher Lehrer

Kai Kraff ist einer der wenigen hauptberuflichen Kickboxlehrer in Deutschland und der einzige in der Region. Er trainiert mit Kindern und Erwachsenen, mit Wettkampfsportlern und mit denen, die sich einfach nur fit halten wollen. "Kickboxen ist nicht nur ein Wettkampfsport", sagt er. "Kickboxen kann jeder. Die Sportart ist sehr facettenreich. Sie hilft einem, selbstbewusster und fitter zu werden." Mittlerweile fährt Kai Kraff wieder Kart. Aber nur zum Freizeitvertreib. "Ich trauere da nichts nach", sagt er. "Kickboxen ist meine Leidenschaft." Auch wenn seine Karriere offiziell beendet ist, ganz ausschließen will er ein Comeback dann doch nicht. "Es gibt in den USA eine Ü-42-Klasse. Das reizt mich schon…" Und auch, wenn er nicht wieder zurück in den Ring kommt – eine würdige Vertretung hat er bereits: Seine Tochter ist nicht nur eifrige Kart-Fahrerin, sondern mit ihren sieben Jahren auch schon eine begnadete Kickboxerin. Ganz der Papa eben.

Info

Mit Dragon Kampfsport betreibt Kai Kraff in Trier (Herzogenbuscher Straße 1-2) und Bitburg (Claude-Dornier-Straße 7) eigene Schulen. Infos zu den Schulen gibt es hier sowie unter Telefon 0651/9987636.

Kickboxen

Im Kickboxen unterscheidet man zwischen Semi-, Leicht- und Vollkontakt. Semikontakt wird auch als Point Fighting bezeichnet, weil nach jedem erfolgreichen Treffer der Kampf kurz unterbrochen wird. Kampfrichter bewerten den Treffer. Gewonnen hat der Kämpfer mit den meisten Punkten. Auch beim Leichtkontakt geht es darum, mehr Punkte als der Gegner zu erzielen. Hier wird allerdings nach jedem Treffer weitergekämpft. Schutzausrüstung ist Pflicht. Leichtkontakt ist technisch und konditionell sehr fordernd und anspruchsvoll. Beim Vollkontakt wiederum geht es nicht um Punkte, sondern darum, den Kampf durch K.-o. zu gewinnen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.