Mega-Marx: Silhouette auf dem Simeonstiftplatz aufgestellt

Kritik von Kaster und Bürgern an 6.30 Meter hoher Skulptur

Stadt Trier. Da steht er nun, neben der rötlichen Backsteinwand des Stadtmuseums auf dem Simeonstiftplatz. Der Marx-Dummy. Knapp fünf Meter hoch auf einem 1.40 Meter hohen Sockel vermittelt die Silhouette aus Holz – gebaut von den Werkstätten des Theaters – bis Donnerstagnachmittag einen visuellen Eindruck von der Karl Marx-Statue, die China Trier als Geburtsstadt des Philosophen zum Jubiläumsjahr 2018 schenken möchte.

"Wir zeigen, wie die Statue wirken wird und neben der zwölf Meter hohen Hauswand passt sie gut auf diesen Platz", so Oberbürgermeister Wolfram Leibe.

Vertretbare Größe

Nach Bekanntwerden des Entwurfs des chinesischen Künstler Wu Weishan hatte es Kritik an der Größe der Statue gegeben. Die Größe sei vertretbar, sagte der OB. Vor allem vor dem Hintergrund der Idee des Künstlers, eine Sichtachse zwischen der Statue und dem Wohnhaus von Marx in der Simeonstraße herzustellen. "Diese Idee ist gelungen", betonte Leibe. Geboren in der heutigen Brückenstraße, zog die Familie Marx ein Jahr später in ein kleines Haus nahe der Porta Nigra in die heutige Simeonstraße. Eine Verherrlichung von Marx sieht Leibe in der Statue nicht: "Das Marx-Jubiläumsjahr 2018 dient gerade dazu, ihn zu hinterfragen. Er ist einer der größten Bürger unserer Stadt, wir sollten ihn nicht verstecken", hob Leibe hervor.

"Passenden Platz gefunden"

Auch der Beigeordnete Andreas Ludwig verteidigte die Größe der Statue: "Man muss die Größe in Proportion zur Umgebung sehen. Die Hauswand gibt hier einen Rahmen und das passt gut zusammen. Die Proportionen passen." Nachdem der renommierte Bildhauer Wu Weishan den zunächst geplanten Standort in der Brückenstraße aufgrund der räumlichen Enge abgelehnt hatte, war er mit Ludwig in der Stadt unterwegs, um einen besseren Standort zu finden. "Und hier haben wir den passenden Platz gefunden", sagte der Beigeordnete.

Künstler begeistert, Kritik von Bürgern

Der Künstler selbst zeigte sich von der Wirkung des Dummies auf dem Platz begeistert. Per Videotelefonie war er aus China zugeschaltet und schaute sich den Schattenriss aus mehreren Perspektiven an. Ihm gefalle vor allem der Hintergrund in Form der Backstein-Hauswand des Simeonstiftgebäudes, sagte Elisa Limbacher vom städtischen Kulturbüro, die das Gespräch übersetzte. Neben Zustimmung gab es an der der Statue aber auch Kritik, die von einigen Bürgern vor Ort artikuliert wurde. Der Stadtrat wird sich voraussichtlich in seiner Sitzung am Montag, 13. März, mit der Annahme des Geschenks aus China befassen.

"Attrappe ist großer Fehler"

Kritik an der Karl-Marx-Holzattrappe gibt es auch von Bernhard Kaster, Wahlkreisabgeordneter für Trier und Trier-Saarburg. "Einen über 6-Meter hohen Bronze-Marx auf diesem Platz aufzustellen, nur weil man in China dies so möchte, ist ein großer Fehler", sagte sich der Mitinitiator der Städtepartnerschaft zwischen Trier und dem chinesischen Xiamen. "Die Städtepartnerschaft zeigt, dass man vernünftig miteinander umgehen kann, ohne sich ein solches Marx-Monstrum aufdrängen zu lassen." Kaster sagte weiter: "Wir können in Trier zu Recht stolz auf diesen berühmten Sohn der Stadt sein, aber ein dauerhaftes Riesendenkmal an diesem Ort für den durchaus auch umstrittenen Trierer Philosophen suggeriert unseren vielen Touristen ein vollkommen falsches Bild vom Umgang der Stadt mit Person, Werk und Wirkung von Karl Marx." Kaster führte auch an, dass man auf dem Simeonstiftplatz keinen Karl-Marx, sondern höchstens den heiligen Simeon von Trier erwarte. "Die Gewichtung der Trierer Persönlichkeiten gerät mit einem solchen Denkmal in für Trier vollkommen neuer Größendimension völlig aus den Fugen. Trier ist nicht Karl-Marx-Stadt, sondern in erster Linie Römerstadt, Apostelgrab, die Stadt Kaiser Konstantins, ältestes Bistum Deutschlands, die Stadt des Begründers der katholischen Soziallehre Oswald von Nell-Breuning und auch die Stadt des Kritikers der Hexenprozesse Friedrich Spee."

"Stadt lässt sich Denkmal aufzwingen"

Auch im Hinblick auf die Volksrepublik China müsse sich die Stadt Trier mit einem solchen Denkmal kritische Fragen gefallen lassen. "Bei jedem offiziellen Staatsbesuch in die Volksrepublik wird die Thematisierung der dortigen Menschenrechtssituation verlangt und hier lässt sich die Stadt ein Denkmal von einem chinesischen Künstler regelrecht aufzwingen. Ein Künstler der nicht ohne Begleitung des Politbüros reist", so Kaster weiter. "Die Spitze der Kommunistischen Partei Chinas ist nach wie vor nicht bereit, Macht abzugeben, Transparenz, Gewaltenteilung, Religionsfreiheit und Pressefreiheit sind kaum vorhanden." Ein Ergebnis des Marxismus liege am Ende in millionenfachem Leid und Tod. "Auch wenn Karl Marx die spätere Wirkung seines philosophischen Schaffens nicht gesehen hat, darf man diese bei einem Blick auf seine Person nie ausblenden; bei einem Blick auf sein geplantes Riesendenkmal am falschen Platz erkennt man aber nur einen überhöhten Umgang mit seiner Person."

 

 

 

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