Mega-Marx-Statue: "Entschieden ist bislang noch nichts"

Stadt Trier. Die chinesische Staatsregierung will Trier zum 200. Geburtstag von Karl Marx eine Skulptur schenken. Die Statue soll 6,30 Meter hoch werden. Damit ist sie viel zu groß für den ursprünglich geplanten Standort in der Nähe des Geburtshauses von Marx. Neuer Standort könnte der Simeonstiftplatz werden. Das stößt allerdings bei Teilen der Bevölkerung auf Kritik. Der WochenSpiegel hat bei Baudezernet Andreas Ludwig nachgefragt.

Die Marx-Statue sollte eigentlich unweit des Karl Marx-Hauses auf dem kleinen Platz Ecke Karl-Marx-Straße/Jüdemer Straße aufgestellt werden. Der chinesische Künstler Wu Weishan war im Januar in Trier, um sich einen Eindruck zu machen. Wie kann es sein, dass für den ursprünglich geplanten Standort eine über sechs Meter große Statue angedacht wurde?

Professor Wu Weishan, der als bedeutender chinesischer Bildhauer bislang  mehr als 500 Skulpturen weltweit geschaffen hat, hat sich bei seinem Besuch in Trier verschiedene Standorte in der Innenstadt angeschaut. Dies war notwendig, damit die räumlichen Voraussetzungen für die Schaffung der von ihm angedachten Statue gegeben sind. Der Ansatz von Wu Weishan ist mit dem ursprünglich angedachten kleinen Plätzchen an der Ecke Karl Marx-Straße/Jüdemer Straße nicht vereinbar. Hier fehlt es dem Künstler an Licht und Weite. Der Simeonstiftplatz hingegen bietet einen idealen Raum, der eine Skulptur der angedachten Größe vertragen kann, denn Platz und Skulptur müssen proportional zueinander passen. Das ist an dem angedachten Standort gegeben.

Wieso wurde über den Kopf der Bevölkerung hinweg entschieden, die Statue auf dem Simeonstiftplatz aufzustellen?

Die bislang vorgenommenen Schritte sind Planungen, entschieden ist bislang noch nichts. Um sich ein realistisches Bild von der Skulptur machen und darüber entscheiden zu können, muss ein Entwurf vorliegen. Das ist im Moment noch nicht der Fall. Ein Testmodell hat lediglich erste Eindrücke über die mögliche Höhe der Skulptur von 6,30 Meter einschließlich eines Podests vermittelt. Die Höhe ist erforderlich, damit die Statue von der Simeonstraße über eine Sichtachse überhaupt wahrgenommen werden kann. Bekanntlich weist die Simeonstraße zum Simeonstiftplatz ein starkes Gefälle auf.

Warum gerade der Simeonstiftplatz und was hat er historisch mit Marx zu tun?

Das Geburtshaus von Karl Marx steht bekanntlich in der Brückenstraße, 1818 war es die "Brückergasse 664". Schon ein Jahr nach der Geburt von Karl Marx zog die Familie in ein Wohnhaus schräg gegenüber der Porta Nigra in der heutigen Simeonstraße 8 (ehemals Simeongasse 1070). Dort hat Marx bis zum 17. Lebensjahr, bis zu seinem Abitur gewohnt. Die Nähe und der Bezug zum eigentlichen Elternhaus waren der Anlass und die Übereinstimmung von der Vorstellung des Künstlers mit den Anforderungen des Städtebaus waren der Grund für die Auswahl dieses Platzes. Wu Weishan war von diesem Ort sehr angetan. Die Sichtachse zeigt zum Wohnhaus gegenüber der Porta Nigra, zugleich ergibt sich eine Verbindung zum Geburtshaus in der Karl Marx-Straße. Im Scherz schlug der Künstler eine Geste für die Skulptur vor, einen Arm Richtung Geburtshaus, den anderen Arm in Richtung des Wohnhauses der Familie in der Simeonstraße weisend.

Warum will OB Leibe jetzt doch im Stadtrat über die Statue abstimmen lassen und hätte das nicht viel früher geschehen sollen?

Die Skulptur soll der Stadt Trier geschenkt werden. Sie besitzt als Kunstwerk eines international renommierten Künstlers einen beträchtlichen Wert, der weit über die Annahmegrenze für Geschenke steht, über die der OB oder der Stadtvorstand allein entscheiden könnten. Das wurde gegenüber den Gremien von Anfang an kommuniziert und es war völlig klar, dass der Stadtrat letzten Endes darüber zu entscheiden hat, ob und wo die Skulptur aufgestellt wird. Zugleich wurden die Gremien des Stadtrats über den Verlauf der bisherigen Gespräche kontinuierlich informiert. Aber erst wenn Ort, Größe, Form und Material – also das Aussehen – der Skulptur klar definiert sind, wird man öffentlich hierüber diskutieren und vom zuständigen Gremium schließlich eine Entscheidung treffen können.

Wie will die Stadt weiter vorgehend?

Nachdem aus unserer Sicht keine Bedenken gegenüber Größe und Ort bestehen, wollen wir den Dialog mit dem Künstler fortführen. Wir wollen ihm auch über die Ängste der Trierer berichten, die zum Teil beinhalten, mit der Skulptur würde Marx im Sinne des sozialistischen Realismus einseitig verherrlicht werden. Wir gehen davon aus, dass Wu Weishan sich in seinem Entwurfsprozess sehr differenziert mit dem Leben und den Inhalten des Marx’chen Werkes auseinander setzen wird. Er hat in Amerika studiert. Seine Werke finden internationale Beachtung. Es ist nicht seine Art, Menschen mit seinem Werk ideologisch zu glorifizieren. Sobald ein Ergebnis vorliegt, werden wir Gremien und Öffentlichkeit selbstverständlich informieren und einbinden. Sollte es gelingen, die Sorgen und Ängste auszuräumen, werden wir im Stadtrat über die Annahme des Geschenks entscheiden. Nur auf dieser Basis wird die Skulptur realisiert werden und dann rechtzeitig vor dem Jubiläumstermin (5. Mai 2018) aufgestellt werden können.

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