Sabrina Le Guen:"Alle Gefühle des Menschen sind im Flamenco"

Tänzerin will andalusisches Lebensgefühl nach Trier bringen

Stadt Trier. Zu fordernd klagendem Gesang, kraftvollen Klängen von Gitarre und rhythmischen Perkussionsinstrumenten schmettern Absätze unter dem prächtigen Kleid feurig wirbelnd über das Parkett. Filigrane Hand- und Armtechniken verleihen den eleganten Glanz bei ausdrucksstarker Mimik. Lebensfreude und Tradition aus Andalusien. Die erste Assoziation zum Flamenco. Seine Facetten sind nahezu unerschöpflich. Das weiß auch die geschätzte Flamencotänzerin Sabrina Le Guen.

Die Mutter Spanierin, der Vater Franzose. So wuchs Sabrina Le Guen in Frankreich auf. Sie studierte Spanisch auf Lehramt. Ein schon vielmals beschrittener Weg. Doch die persönlichen Lebenswege in die Zukunft entstehen erst, wenn man sie geht. Im Rahmen des Erasmus-Programms sollte Le Guen genau das erfahren. Sie studierte zwei Jahre in Sevilla (Spanien/Andalusien).

Ohne Wurzeln keine Flügel

Ein Schlüsselerlebnis in Sevilla gab Le Guens beruflichem Leben eine Wendung. "Diese Musik kenne ich doch von meinen Großeltern", erinnert sich die Künstlerin an ihre Gedanken vor rund 15 Jahren, "allerdings hatte ich die Klänge bis dato nicht als etwas Besonderes wahrgenommen." Erst im Kontext eines Tablaos, einer Flamencoshow mit einer Tänzerin nahe am Publikum, erfuhr sie die Macht dieser sinnlichen Kunst. "Es war um mich geschehen – diese Ausdrucksweise möchte ich auch erlernen." Die Halbspanierin erkannte ihre Wurzeln.

Tanz als Poesie der Füße

Noch während des Studiums und der späteren Tätigkeit als Spanischlehrerin absolvierte Le Guen professionelle Flamencoausbildungen und -weiterentwicklungen, vorwiegend in Paris, Toulouse und Berlin. In der renommierten Tanzakademie "Amor de Dios" in Madrid perfektionierte sie ihr Können. Zahlreiche gefeierte Auftritte sicherten einen festen Platz in der Flamencoszene. Als Teil eines Ensembles tourte sie zudem durch China. Auch die eigens gegründete Flamenco-Kompanie "Company Sabrina Le Guen" genießt vor allem in Frankreich ein hohes Ansehen. Das Geheimnis ihres Erfolgs liegt in der Beständigkeit ihres persönlichen Ziels. "Alle Gefühle des Menschen sind im Flamenco, die positiven wie auch die negativen", erzählt die 37-Jährige, "wenn ich tanze, spüre ich die Sonne Andalusiens, rieche die Atmosphäre und schmecke das Salz des Meeres." Sabrina Le Guen ist im Tanz ganz bei sich. Sie ist durchflutet vom Wechselbad der Gefühle. Bewegte Ausdrucksformen von Wut, Trauer, Einsamkeit, Liebe oder Freude. Körpersprache am Limit. "Nach einer Show bin ich zunächst einmal erschöpft, doch macht sich schnell eine behagliche Zufriedenheit breit." Der Flamenco ist ihr Lebenselement.

Das Bewegte im Leben

"Den Flamenco empfinde ich als einen sehr ehrlichen, aufrichtigen Tanz. Er kommt aus der Seele", so Le Guen. Je tiefer ein Mensch Gefühle wahrnehmen kann, umso mehr fühlt er sich als Mensch. Seit ungefähr einem Jahr lebt die arrivierte Tänzerin in Trier und stellt schnell fest, dass ihre Leidenschaft in der Stadt wenig Präsenz zeigt. "Deshalb freue ich mich sehr, mit unserem Spektakel 'Semblanzas' den Flamenco nach Trier bringen zu dürfen", sagt Sabrina Le Guen mit leuchtenden Augen. Der Flamenco ist mehr als eine Abfolge von rhythmischen Körperbewegungen nach der Musik. Er ist ein Lebensgefühl.

Flamencospecial in der Tufa

Die "Company Sabrina Le Guen" zeigt das Flamencospektakel "Semblanzas" am Mittwoch, 9. November, um 20 Uhr in der Tufa. Ensemble: Tanz: Sabrina Le Guen; Gesang: Caridad Vega; Gitarre: Cristobal Corbel; Percussion: Juan Manuel Cortés; Piano: Rafael Pradal

Hintergrund: UNESCO-Kulturerbe

Der Flamenco, seit 2010 immaterielles UNESCO-Kulturerbe, rührt von weniger freudigen Ursprungs her. Die andalusischen Roma, Gitanos genannt, äußerten ihren Unmut und ihr Leid bezüglich ihrer Unterdrückung und Verfolgung mithilfe dieser Kunst. Das geht zurück ins 15. Jahrhundert. Zuerst war der Gesang. Die Gitarrenklänge, der Tanz und weitere Instrumente kamen später unterstützend hinzu.

RP

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.