Skatehalle: Darum lehnte das Projekt X Jensens Ultimatum ab

Stadt Trier. Die Trierer Skater sagen grundlos ihren Umzug in die neue Halle in Euren ab und OB Jensen ist ob seines großen Engagements in der Sache zutiefst betroffen... Diese Meldung der Stadt sorgte vergangene Woche für Kopfschütteln. Warf sie doch ein denkbar schlechtes Licht auf die Macher des »Projekt X«, die der Öffentlichkeit damit als undankbar und konfus präsentiert wurden. Jensen habe sie mit einem Ultimatum ohne Verhandlungsspielraum zu einer für sie zweifelhaften Entscheidung drängen wollen, sagen die Skater. Um noch vor seinem Urlaub den Bauantrag vom Tisch zu haben...

"Wir hatten das Gefühl, wir sollen jetzt einfach durchgewunken werden", berichtet Alex Schmitz, Vorsitzender des Skatevereins.

"Projekt X" ist mehr als nur "die Skater"

Das "Projekt X" betreibt seit 2009 unter dem Dach des Palais-Verein ein Jugendsport- und Kulturzentrum in der Ex-Edeka-Halle in der Aachener Straße. Der "Zuppermarket" hat sich zum Domizil für eine bunt gemischte Nutzergruppe gemausert. Nicht nur Skater und BMX-Biker nutzen die Halle. Hier finden mittlerweile kulturelle Veranstaltungen statt und auch für Schulsport und Geburtstagsfeiern bietet sie Raum. Doch das städtische Gelände soll verkauft werden, die Halle einer Wohnbebauung weichen. Zwei Jahren suchte man händeringend nach einer Alternative.

Rsikio, dass Zielgruppe das neue Domizil nicht annimmt

Dafür wurde ein Katalog von 20 Hallen erstellt - intensive Arbeit auch für Jensen. Die Halle der SWT habe aber nicht zu den Favoriten der Skater gezählt, berichtet Schmitz. Axel Reichertz, Initiator des "Projekt X", habe diese Lösung von Anfang an als zu teuer und nicht ideal kritisiert. "Wir haben trotzdem beim Konzept mitgemacht, weil wir uns sehr gefreut haben, dass die Angelegenheit zur Chefsache gemacht wurde. Das hat uns sehr motiviert", sagt Schmitz. Doch es sei auch schnell klar gewesen, dass dafür enorme Investitionen und hohe Betriebskosten auf den Verein zukommen würden. Und ein weiteres großes Risiko: dass die Zielgruppe das neue Domizil nicht annimmt.

"Projekt X" sollte 1400-Quadratmeter-Halle mieten

Jensen hatte im September 2013 die Veronika- und Herbert-Reh-Stiftung für einen bedeutenden finanziellen Beitrag zu den Umbaukosten von insgesamt 650.000 Euro gewonnen. Geplant war, dass das "Projekt X" die 1400-Quadratmeter-Halle für weniger als 2 Euro pro Quadratmeter mietet. Zur Konzipierung der Halle gab es immer wieder Gespräche unter allen Beteiligten. Ihnen allen für ihr Engagement und ihren Zeitaufwand zu danken, ist Schmitz wichtig.

Konzept ohne Absprache geändert, Ultimatum gesetzt

Doch das ursprüngliche Konzept sei nun "über Nacht" geändert worden, sagt Schmitz. Diese "abgespeckte Version" sei wenig ausgefeilt gewesen. Sie sah eine Trennwand zum Feuerschutz vor - und damit nur noch zwei Fünftel der Halle für die Skater, der Rest sollte als Lagerfläche für die Stadtwerke genutzt werden. Für Aufenthaltsräume, Umkleiden, Toiletten, etc. sollten Container in die Halle gestellt werden. Und die neuen Planungen sollten strikt durchgestezt werden, berichtet Schmitz. Jensens Zwei-Tages-Ultimatum habe ihnen keinerlei Handlungs- und Verhandlungsspielraum gelassen.

Skater sagen ab, Jensen reagiert beleidigt

"Es gab ein lange Sitzung des Vereins, bei der viele Zweifel laut wurden.  Schließlich haben wir entschieden, wir sagen 'Nein' zum Weg von Herrn Jensen." Daraufhin habe Jensen beleidigt reagiert - "tief betroffen" heißt es in der Pressemitteilung der Stadt - und habe flux eine Pressekonferenz einberufen und das Thema in die Öffentlichkeit gebracht. "Mein Engagement für dieses Projekt ist damit beendet", sagte Jensen klipp und klar.

Was wird nun aus der Skatehalle?

Doch was wird nun aus der Skatehalle? Kann das "Projekt X" in der Aachener Straße bleiben? Eine weitere Verlängerung der provisorischen Nutzung werde es nicht geben, gab Jensen unmissverständlich zu verstehen. "In der Stadtratssitzung zur Nutzungsänderung wurde 2011 beschlossen, dass eine neue Bebauung kommt, aber die Umsetzung erst, wenn es eine 'nahtlose Alternative' für uns gibt", kontert Schmitz. Doch Jensen sei ja in einer Machtposition. "Wenn er will, wird er Nein sagen." Die Skater suchen also weiter nach Kooperationspartnern und Alternativen. (cn/Foto: FF)

Links zum Thema:

Hier gibt es einen preisgekrönten Film über die Trierer Skaterszene: agenda2012.net

Hier bloggt der "Zuppermarket": projekt-x-trier.blogspot.de

Facebook-Seite der Skatehalle

 

Die Pressemitteilung der Stadt:

Umzug der Skatehalle überraschend abgesagt

Jensen: Entscheidung der Betreiber "unverständlich und nicht absehbar"

Der Umzug der Skatehalle "Projekt X" in eine nicht mehr genutzte Halle der Stadtwerke in der Eurener Straße kommt voraussichtlich nicht zustande. Die Vertreter der Skater haben am Donnerstag gegenüber Oberbürgermeister Klaus Jensen überraschend ihren Rückzug von dem Projekt erklärt, obwohl die Planungen bereits so weit fortgeschritten waren, dass kommende Woche seitens der Stadtwerke der Bauantrag für die Umgestaltung der Immobilie gestellt werden sollte.

 Aufgrund seines starken persönlichen Engagements bei der Standortsuche und Finanzierung zeigte sich OB Jensen über die Absage der Betreiber tief betroffen: "Diese Entscheidung war nicht absehbar und ist für mich nicht verständlich." Es habe im Vorfeld viele Gespräche mit allen Beteiligten gegeben, bei denen seitens der Vertreter des Jugendzentrums nie grundsätzliche Bedenken gegen den Umzug geäußert worden seien.

Jensen war es im September 2013 gelungen, die Veronika- und Herbert-Reh-Stiftung für einen bedeutenden finanziellen Beitrag zu den Umbaukosten von insgesamt 650.000 Euro zu gewinnen. Die frühere Busdepothalle in der Eurener Straße verfüge über eine sehr gute Busanbindung und einen Parkplatz, so SWT-Vorstand Arndt Müller. Die angebotene Nutzfläche von zunächst 1400 Quadratmetern liege deutlich über der vom Projekt X genannten Mindestanforderung von 600 Quadratmetern. "Geplant war, die Halle zu einem Preis von weniger als zwei Euro pro Quadratmeter an das Projekt X zu vermieten, das heißt, wir verzichten auf eine Verdienstmöglichkeit, um dieses für die Stadt wichtige Jugendangebot zu fördern." Erweiterungsmöglichkeiten in der Halle und auf einer Freifläche seien gegeben.

"Wir haben nach zweijähriger intensiver Suche nach einer geeigneten Halle eine gute Lösung gefunden und den Skatern bei der Gestaltung und Konzeption freie Hand zugesichert. Mehr können wir nicht anbieten. Mein Engagement für dieses Projekt ist damit beendet", betonte Jensen, der nicht nachvollziehen kann, warum die nicht näher begründeten Bedenken erst zu einem so späten Zeitpunkt geäußert wurden. Zugleich zeigte sich Jensen für weitere Gespräche offen, sollten die Hallenbetreiber um Axel Reichertz ihre Entscheidung noch ändern: "Ich wäre glücklich, wenn die Skater doch noch auf unser Angebot eingehen würden."

Das "Projekt X" betreibt seit 2009 unter dem Dach des Palais e.V. ein Jugendsport- und Kulturzentrum in einem ehemaligen Supermarkt in der Aachener Straße. Die Nutzung stand stets unter dem Vorbehalt der Stadt als Eigentümerin, das Grundstück mittelfristig zum Zweck des Wohnungsbaus zu veräußern, um den angespannten Trierer Wohnungsmarkt zu entlasten. Der Skatehalle werde nun nicht von heute auf morgen gekündigt, erklärte Jensen, doch sehe er jetzt keine Möglichkeit mehr für eine nochmalige Verlängerung der provisorischen Nutzung.

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