Sportstadt Trier: Wie lange noch?

Abstiege und fehlendes Geld bei den erfolgreichen Clubs

Stadt Trier. Miezen und Basketballer nur noch zweitklassig, die Eintracht derzeit zwar stark, aber weiterhin nur in der vierten Liga – und die Dolphins als amtierender Europapokalsieger ebenfalls nicht auf Rosen gebettet: Quo vadis, Sportstadt Trier? Der WochenSpiegel analysiert die Lage bei den heimischen Top-Klubs.

Stell' dir vor – du bist amtierender Europapokalsieger und hast mehr wirtschaftliche Schwierigkeiten als zuvor. Was im Profifußball etwa undenkbar ist, weil dann der Zustrom an Fernsehgeldern und Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Sponsoring riesengroß wäre, bedeutet für die Trierer Rollstuhlbasketballer blanke Realität. "Als jetzt einziger Trierer Erstbundesligist drücken uns noch mehr diese finanziellen Sorgen als zuvor. Etliche Sponsoren haben sich überraschenderweise gerade in diesem Jahr trotz der großen sportlichen Erfolge zurück gezogen", berichtet Otmar Passiwan, Vorsitzender des RSC Rollis Trier, dem Mutterverein der Dolphins.

Auch Miezen fehlt Geld

Einen Rückgang an Sponsoringleistungen verzeichnen auch die Handballerinnen der DJK/MJC, die nach 15 Jahren Erstklassigkeit nun eine Etage tiefer ran müssen – und in den ersten beiden Pflichtspielen prompt turmhohe Niederlagen kassierten. Der Vorstandsvorsitzende Jürgen Brech zeigt sich enttäuscht vom Verhalten einiger Partner, die sich nach dem Abstieg zurückgezogen haben, ist aber nicht müde zu betonen, dass sich Handball in der ältesten Stadt Deutschlands lohnt: "Die Mannschaft und wir werden alles Mögliche tun, um potentielle Sponsoren zu überzeugen. Die Miezen sind eine Marke, nicht nur auf dem Spielfeld."

Gladiators können weiterhin auf Partner setzen

Zumindest vorerst ist auch die Erstklassigkeit bei den heimischen Basketballern passé. Nach der TBB-Pleite geht man als Gladiators mit neuem Namen, frischen Ideen und verändertem  Personal in die neue Runde der "ProA", wie das Unterhaus bei den Korbjägern heißt. Neu ist auch der Manager: Michael Lang kann immerhin vermelden, dass "alle großen Partner der vergangenen Jahre zurück gekehrt sind und wir damit eine sehr solide Basis zum Neustart haben." Was weitere Sponsoren betrifft, so sei man derzeit noch in guten Gesprächen.

Eintraucht braucht mehr Geld

Immerhin knapp 2000 Fans zählte die Eintracht am Freitagabend in der Fußball-Regionalliga Südwest gegen den 1. FC Kaiserslautern II (Endstand: 1:1). Das Team von Trainer Peter Rubeck ist nach starkem Start als Fünfter in der erweiterten Spitzengruppe zu finden. Die Zuschauer honorieren den Aufschwung, wie SVE-Geschäftsführer Jens Schug zu berichten weiß: "Wir haben bislang unseren Zuschauerschnitt im Vergleich zum vergangenen Jahr steigern können." Doch auch er sagt: "Es wird immer Geld gebraucht." Um dauerhaft mit Klubs wie dem 1. FC Saarbrücken, der SV 07 Elversberg oder Waldhof Mannheim mitzuhalten, müsste die Eintracht ihren Etat noch steigern.

Masse an Firmen fehlt

Die Masse an potenten, Sport begeisterten Firmen fehlt in der Region. Der Finanzplatz Luxemburg interessiert sich in aller Regel nicht für die Unterstützung der hiesigen Spitzenklubs. Was tun, um mit entsprechenden finanziellen Mitteln weiterhin Sport auf hohem Niveau gewährleisten zu können oder wie im Falle von Gladiators, Miezen und Eintracht nochmal eine Liga höher zu spielen?

Neues Geld muss her

Ein Ansatz, neue Quellen anzubohren, wäre etwa, sich unter dem Label "Sportstadt Trier" zu vermarkten und hier alle Topklubs zu integrieren. Diese Idee regte Marc Kowalinski von der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports Anfang März bei einer Veranstaltung von Industrie- und Handels-, sowie Handwerkskammer an und erntete dafür viel Applaus. Gut ein halbes Jahr später ist noch nichts Nennenswertes in dieser Richtung passiert… Einige halten die Idee für nicht umsetzbar. Mut macht immerhin die Einschätzung von Gladiators-Manager Lang: "Zumindest in   anderen Städten hat es schon perfekt funktioniert. Wenn das eine neutrale Person übernimmt, die sich der Herausforderung stellt und man sich in gemeinsamen Gesprächen unterhält, wüsste ich nicht, warum es nicht machbar sein sollte. "

AA

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