Visionär: Trierer Christ und Mystiker Hieronymus Jaegen

Stadt Trier. Anlässlich des Todestages des Trierer Christen, Unternehmers, Politikers und Mystikers Hironymus Jaegen haben Mitglieder des nach ihm benannten Bundes kürzlich in seiner Grabeskirche St. Paulus in Trier einen Gottesdienst gefeiert. Der Messe stand der Trierer Weihbischof Dr. Helmut Dieser vor. Bei der anschließenden Mitgliederversammlung des Bundes hielt der Weihbischof zudem einen Vortrag zum Thema: "Ein Blick auf Hieronymus Jaegen im Jahr des Glaubens, 50 Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils".

Jaegen sei ein Visionär gewesen, der als Laie evangelisierend gewirkt und dessen Christsein seinen Platz mitten in der Welt gefunden habe, erklärte Weihbischof Dieser. Mit seinem christlichen Leben als Laie sei Jaegen seiner Zeit weit voraus gewesen und habe das vorweg genommen, was im Zweiten Vatikanischen Konzil zur großen Leitidee geworden sei: "Nicht nur der Klerus, sondern alle Christen haben teil an Sendung und Auftrag der gesamten Kirche." Ein besonderes Verdienst Jaegens sei es gewesen, die zu seiner Zeit vorhandene geistliche Literatur, die für Laien schwer zugänglich gewesen sei, durch seine Anleitungen für das Frömmigkeitsleben eines Laien in der Welt ergänzt zu haben. "Es erstaunt bis heute, mit welcher Gewissheit und Kraft Jaegen davon Zeugnis ablegt hat, dass der Laie mit seinem in der Welt gelebten Leben in geistlichen Dingen hinter dem Kleriker in keiner Weise zurückstecken muss", sagte Dieser.

In der heutigen Zeit, wo viele Menschen geistlich entwurzelt seien und aus vielfältigen Sinnangeboten wählen könnten, müsse die Kirche so authentisch wie möglich auftreten. Hier sei das Selbstverständnis von Laien, wie es Jaegen verstand, aktueller denn je: "Die getauften und gefirmten Laien haben ihren Anteil am Apostolat der Kirche nicht durch Beauftragung oder Delegation durch den Klerus, sondern von Christus selbst", folgerte Dieser.

Bei der Mitgliederversammlung des Hironymus Jaegen Bundes fanden zudem Vorstandswahlen statt: Der amtierende Vorstand, Bruno Sonnen, Chefredakteur der Wochenzeitung Paulinus des Bistums Trier, wurde einstimmig für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Stellvertretender Vorsitzende ist Prof. Dr. Bernhard Schneider, Schriftführerin Helga Kratz-Markert, Beisitzer sind Pfarrer Hans Wilhelm Ehlen und Pfarrer i.R. Heinz Brubach.

Hieronymus Jaegen (1841-1919), ein studierter Maschinenbauer, war ab 1890 Direktor der Trierer Volksbank und Abgeordneter des preußischen Landtags. Als engagierter Laienchrist gestaltete er das katholische Leben in Trier mit und wurde als Mystiker bekannt. Seine Erfahrungen eines tief entfalteten geistlichen Lebens als Laie fasste er in zwei geistlichen Publikationen zusammen: "Der Kampf um die Krone" (1883) und "Das mystische Gnadenleben" (1911). Jaegen verstarb am 26. Januar 1919 in Trier. Der Hieronymus-Jaegen-Bund, der zur Zeit 61 Mitglieder zählt, fördert seit 1948 mit Unterstützung des Bistums Trier die Verehrung Hieronymus Jaegens, sowie  seinen seit 1941 anhängigen Seligsprechungsprozess, die Verbreitung von Literatur von und über Jaegen und die die wissenschaftliche Erforschung seines Lebens und Wirkens. Weitere Informationen gibt es beim Hieronymus Jaegen Bund, Pfarramt Liebfrauen, Liebfrauenstraße 2, 54290 Trier. Tel. 0651-170790, E-Mail: christa.weber@liebfrauen-trier.de.

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