Was wird aus dem Psychosozialen Krisendienst?

Stadt Trier. Der vom Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier geförderte kostenlose und anonyme Psychosoziale Krisendienst wird in seiner bisherigen Form zum 31. Dezember 2020 eingestellt. Was die Kreisverwaltung auf unsere Fragen antwortet und die Stadt Trier plant lesen Sie im Folgenden.

Wieso wird - gerade in der durch die Corona-Pandemie geprägten Zeit - ein seit 2009 bewährter Krisendienst, der in 2019 noch knapp 700 Fälle (676) an Krisenhilfe an Wochenenden und Feiertagen geleistet hat, geschlossen? Was kostet Stadt und Kreis die kommunale Finanzierung des Angebots pro Jahr?

Stadt und Kreis haben die Arbeit des Krisendienstes jeweils mit 19.000 Euro pro Jahr gefördert.Zu den Zahlen: Die regionale Inanspruchnahme des Krisendienstes war zuletzt - anders als in den Anfangsjahren - nicht sehr hoch. Von 676 Anrufen im Jahr 2019 kamen 84 Anrufe aus dem Landkreis und 144 aus der Stadt Trier. Wie viele Anruferinnen und Anrufer dies tatsächlich waren, ist dabei noch offen, weil es auch „Daueranrufer“ gab. Die Anliegen, um die es ging, waren überwiegend nicht die eigentlichen psychosozialen Krisen, für die der Dienst gegründet wurde. Oft ging es beispielsweise um Einsamkeit, Verlustängste und ähnliche Themen. Die 84 Anrufe aus dem Landkreis rechtfertigen aus Sicht des Kreises nicht mehr die Förderung von 19.000 Euro (Kreisanteil) beziehungsweise insgesamt 38.000 Euro (Kreis und Stadt). Unsere Perspektive als Kommune ist es, dass ein Angebot für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort vorhanden ist und weiterentwickelt wird. Die zur Verfügung gestellten Gelder sollten für die Betroffenen vor Ort zielführend eingesetzt werden.

Ist der Krisendienst nicht auch als niederschwelliges Angebot angedacht gewesen für Menschen, die anonyme Hilfe suchen – und gerade jetzt in einsamen Corona-Zeiten - einen neutralen Ansprechpartner zum Reden beispielsweise über Ängste brauchen und eben nicht gleich zum Arzt gehen wollen?

Der psychosoziale Krisendienst hat lange Zeit eine Lücke in der lokalen Versorgung geschlossen, in dem er in der Tat niedrigschwellig an Wochenenden Menschen in psychosozialen Krisen Hilfe zukommen lassen konnte. Zusammen mit der Stadt Trier haben wir uns jedoch darauf verständigt, das Versorgungsangebot in eine professionelle Richtung weiterentwickeln zu wollen. Ein Grund dafür ist, dass man Psychosozialen Krisen nicht in allen Fällen mit ehrenamtlichen Strukturen begegnen kann. Dies kann nur funktionieren, wenn die Ehrenamtlichen ihre eigenen Grenzen erkennen und wissen, wann Klienten in die hauptamtlichen Strukturen der Akutversorgung überführt werden müssen. Hierin liegt ein Risiko für das Personal, den Träger und natürlich die betroffenen Klienten. Die Gefahr, dass eine Situation falsch eingeschätzt wird, ist vorhanden und dies kann Folgen haben. Beide Kommunen (Kreis und Stadt) vertreten deswegen die Auffassung, dass das Hilfsangebot in die Hauptamtlichkeit überführt werden muss.

Welches niederschwellige Folgeangebot besteht für die Menschen in der Region ab dem 1. Januar 2021? Wird es noch ein gemeinsames Angebot von Stadt und Kreis geben? Wo ist es angesiedelt? Wer organisiert das? Was kostet das pro Jahr? Wer finanziert das?

Beide Kommunen möchten eine Professionalisierung des Angebots der psychosozialen Beratung (s.o.). Die Stadt Trier favorisiert die Beauftragung eines freien Trägers (s. unten »Was plant die Stadt«.). Für den Landkreis liegt die Lösung in einem stärkeren Zusammenwirken und der Einbindung der lokalen Akteure der Akutversorgung, der Eingliederungshilfe und der Beratungslandschaft. Hier gibt es gut funktionierende Netzwerke, in denen die Krankenhäuser, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, die Leistungserbringer der Eingliederungshilfe, aber auch der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes und andere sehr engagiert zusammenarbeiten. Lokale Lösungen sollten in diesem Netzwerk entwickelt und aufgebaut werden. Betrachtet man die Zahl der Anruferinnen und Anrufer aus dem Landkreis und deren Anliegen, so wird es innerhalb der vorhandenen Strukturen gute lokale Lösungen geben. Dies ist auch der Weg, den der Psychiatriebeirat für Stadt und Landkreis (in dem übrigens auch Betroffene und deren Angehörige vertreten sind) einvernehmlich mitträgt.

Beinhaltet dieses Angebot auch eine Anlaufstelle für persönliche Gespräche in den Räumen des neuen Krisendienstes sowie die Möglichkeit zur persönlichen Kontaktaufnahme in Krisen- und Notsituationen wie bislang?

Der Krisendienst hat auch bisher überwiegend telefonisch gearbeitet. Wer in einer heftigen Krise oder Notsituation in den Randzeiten in sehr dringenden Fällen einen Ansprechpartner und Hilfe in Präsenzform benötigt, dem raten wir sich an ein Krankenhaus zu wenden.

Sie haben bereits jetzt online angekündigt, dass über Weihnachten und Silvester das Angebot des Psychosozialen Krisendienstes halbiert wird auf die Zeiten von 12 bis 18 Uhr, statt bislang von 12 bis 24 Uhr. Was empfehlen Sie Menschen, die sich in den Abendstunden in einer Krisensituation befinden? An welchen Anbieter sollen sie sich an den genannten Tagen wenden? Gibt es eine Krisen-Hotline?

Krisen treten nicht primär in den Randzeiten auf und kündigen sich oft an. Sofern sich Betroffene am Wochenende oder in den Abendstunden in einer akuten psychosozialen Krisen- oder Notsituation befinden und dringend Hilfe benötigen, sollten sie sich direkt an professionelle Stellen wenden und gegebenenfalls auch ärztliche Hilfe unter den bekannten Erreichbarkeiten in Anspruch nehmen (s.o.).

Was passiert mit den ehrenamtlichen Helfern, die seit Jahren das Angebot des Psychosozialen Krisendienstes mittragen? Werden die ehrenamtlichen Helfer von einem neuen Anbieter übernommen? Wenn ja, wie viele?

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen haben sich stark eingebracht, wofür wir ihnen sehr dankbar sind. Wenn sie sich weiterhin engagieren möchten, wird es im Rahmen der etablierten Netzwerke neue Aufgaben für sie geben.

Das plant die Stadt Trier

Die Stadt Trier wird für ihre Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig einen Krisendienst anbieten, sogar mit erweitertem Umfang. Ein Krisentelefon wird ab 1. Januar 2021, an Werktagen von 17 Uhr bis 9 Uhr am Folgetag und ganztägig am Wochenende und an Feiertagen besetzt sein. Für die Beratung steht dort ein multiprofessionelles Team zur Verfügung. Die Stadt bietet damit nach wie vor ein niedrigschwelliges, langfristiges telefonisches Beratungsangebot für Menschen in psychischen Krisensituation oder mit psychischer Erkrankung an, dieses Angebot deckt einen wesentlichen weiteren Zeitrahmen ab als der bisherige Dienst. Zukünftig wird jeweils die Postleitzahl abgefragt, um die Anrufe regional zuordnen zu können. Als Träger wird der »Caritas Krisendienst Südhessen« beauftragt werden. Um eine Weitervermittlung der Strukturen vor Ort sicher zu stellen wird es eine enge Kooperation zwischen der städtischen Koordination Gemeindepsychiatrie und dem »Caritas Krisendienst Südhessen« geben.

Hintergrund

Der Psychosoziale Krisendienst bietet Menschen in Notsituationen Hilfe und Beratung und wird durchgeführt von sogenannten »Tandems«, die aus je einer Fachkraft aus dem sozial-psychiatrischen Bereich und einem Studierenden der Psychologie/Psychotherapie bestehen.

Infos: www.hdg-trier.de / Telefon 0651/715517

(FIN)

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