Einzigartig wie der Mensch

Wochenspiegel Special: Abschied

Trierweiler. Grabmale müssen nicht von der Stange sein. Der Steinmetz und Steinbildhauer Henning Wirtz vereint in seinen Unikaten persönliche Geschichten, Ästhetik, Komposition und Handwerk.

Stirbt ein geliebter Mensch, beginnt für die Angehörigen ein schwieriger Weg. Viele begegnen auf ihm Henning Wirtz. An diesem Morgen meldet sich eine Mutter bei ihm: Drei Jahre lang hat ihr Weg gedauert seit dem Tod ihres Kindes, schreibt sie in ihrer Email an den Steinmetz, bis sie jetzt soweit ist, einen Grabstein in Auftrag zu geben. "Ein Grabstein hat etwas Endgültiges. Er manifestiert das Unumkehrbare", Henning Wirtz erlebt diesen langen Prozess häufig, besonders bei Eltern, die ihr Kind verloren haben. Aus dem gesamten Bundesgebiet, Österreich und der Schweiz wenden sich Eltern an ihn. Ihre Suche nach einem Grabstein, der Lebendigkeit und Individualität verkörpert und nicht bloß kalten Stein, führt sie zu ihm.

"Ich fühle mich emotional verbunden"

In Gesprächen und dem gemeinsamen Weg von der Entwurfszeichnung bis zum fertigen Stein entsteht ein Vertrauensverhältnis. "Ich fühle mich emotional verbunden, während ich die Geschichte der Menschen im Stein sichtbar werden lasse", erzählt Wirtz. Weniger ist in der Gestaltung für ihn mehr. "Ein kleines Detail kann eine große Geschichte beinhalten. Das ist wie in der Musik. In einer Note kann sich ein Universum von Gefühlen ausdrücken." Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. SymbolkraftHenning Wirtz spielt Blues-Harp, - seit 2012 in der Trierer Band "Gravedigger Jones". Ein Zufall, dass die Band ausgerechnet "Totengräber" im Namen trägt.

Die Kraft der Symbole

"Symbolik ist für mich sehr wichtig", erklärt er seinen Stil. In der Formgebung liege eine Aussage über den Verstorbenen, deren Bedeutung die Angehörigen lesen können. Henning Wirtz formt Skulpturen, in denen er Erinnerungen, Gefühle und Gedanken komprimiert, und die eigentlich erst durch die Schrift Grabsteine werden. Dass er ausschließlich heimische Gesteinsarten wie Sandstein, Kalkstein oder Basaltstein verwendet, hat auch wieder etwas mit Symbolik zu tun: Sie stehen für Heimat. Aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke durch die Vermeidung langer Transportwege spielt dabei eine Rolle. Den Stein bearbeiten Wirtz und seine sechs Mitarbeiter ausschließlich mit Hammer und Meißel, Maschinen kommen nicht zum Einsatz. Hier ist alles reine Handarbeit.

Gefragter Mann in der Denkmalpflege

Wirtz hat das traditionelle Steinmetzhandwerk gelernt und ist ein gefragter Mann in der Denkmalpflege, die auch noch immer den größten Teil seiner Arbeit ausmacht. Er und seine Mitarbeiter restaurieren Wegekreuze, denkmalgeschützte Häuser, Burgen und Schlösser. Der Trierer Dom und die Liebfrauenkirche waren darunter. Stolz ist er darauf, dass er 2007 die Mariensäule restaurieren durfte. Dass er begonnen hat, auch Grabsteine zu gestalten, habe sich aus Nachfragen ergeben, erzählt er. Die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer empfindet er als Bereicherung für seine Lebenseinstellung. "Was ich mache, ist auch Trauerbegleitung. Die Menschen öffnen sich und geben Gefühle und Gedanken preis. Das berührt mich und das macht es auch aus."

Sybille Schönhofen

 

Zur Person

Steinmetz- und Steinbildhauermeister mit Auszeichnungen

Beruflicher Werdegang

  • 1989 - 1992 Ausbildung zum Verwaltungsangestellten
  • Zivildienst
  • 1994 Neustart mit Ausbildung zum Steinmetz-Steinbildhauer. Gesellenjahre u.a. in der Münster-Bauhütte in Ulm
  • 2001 Gründung des eigenen Betriebs in Trier
  • 2019 Umzug der Werkstatt nach Trierweiler

Auszeichnungen

  • Denkmalpflegepreis der Handwerkskammer Trier
  • Qualitätsmeister des rheinland-pfälzischen Handwerks
  • Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege

Kontakt

Werkstatt: Bischofstraße 3, Trierweiler

Büro: 0651/ 9664131

info@henning-wirtz.de

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