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Der Wunsch nach Dauerbetrieb

Die Überführung von fünf Rheingold-Waggons am Samstag und am Dienstag weckt die Hoffnung, dass künftig wieder regelmäßig Züge auf der Strecke der Eifelquerbahn fahren werden.
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Am vergangenen Samstag rollten die ersten drei Rheingold-Waggons, angetrieben von zwei Loks, über die Eifelquerbahn.

Am vergangenen Samstag rollten die ersten drei Rheingold-Waggons, angetrieben von zwei Loks, über die Eifelquerbahn.

Foto: Eifelquerbahn e.V.

Gerolstein/Daun. Insgesamt fünf Wagen des berühmten Rheingolds sind am Woche sind am Samstag und am Dienstag von Gerolstein nach Kaisersesch und dann weiter nach Andernach überführt worden, um einer Spezialwerkstatt zugeführt zu werden. Nicht nur für Eisenbahnenthusiasten waren das bedeutsamer Tage, sondern für alle Bahnreisenden. Denn erstmals nach mehr als neun Jahren ohne Betrieb passierten wieder Züge die Strecke der Eifelquerbahn. Die Kämpfer für die Reaktivierung der Eifelquerbahn sehen in den Fahrten den Wegweiser für die Zukunft – vor allem mit Blick auf die Kyllbrücke bei Pelm. »Seit sieben Jahren hieß es, hier wird nie wieder ein Zug fahren können. Es war daher ein wahrhaft besonderer Moment, als wir mit den beiden Loks die Brücke in Richtung Gerolstein überquert haben«, sagt Jens Wießner, Vorsitzender des Eifelquerbahn-Vereins. Jahrelang hatte ein Gutachten des TÜV Bestand, das die Unbefahrbarkeit der Brücke attestierte. »Im Gegensatz zum Gutachten des TÜV aus dem Jahr 2014 hatten die Gutachter der DB bei der Neubewertung vor wenigen Wochen alle benötigten Brückenunterlagen zur Verfügung, womit eine objektive Beurteilung des Bauwerkszustands möglich war«, erklärt Wießner. Und der habe sich laut dem neuen Gutachten als deutlich besser entpuppt als zuvor angenommen. Es beinhalte nicht nur, dass die Brücke im Rahmen der Überführungsfahrten sogar mit 30 anstatt der erlaubten zehn Stundenkilometern befahren werden darf. Auch schwerer Materialtransport sei nach einer Sanierung der beiden Stahlpfeiler möglich, so Wießner Hierfür werden rund 100.000 Euro veranschlagt.
Das nährt die Hoffnung, dass die Strecke möglicherweise in Kürze nicht nur zur Bergung der Triebwagen der Deutschen Bahn, die im Bahnhof Gerolstein seit der Hochwasserkatastrophe festhängen, genutzt wird. Seit dem 14. Juli 2021 ist die Vulkaneifel auf der Schiene nicht mehr zu erreichen – mit Folgen für die Berufspendler und den Tourismus, aber ebenso für den Wiederaufbau der Eifelstrecke. Wießner ist überzeugt, dass die Eifelquerbahn kurzfristig sowohl für den Material- und Maschinentransport zum Wiederaufbau der Eifelstrecke als auch zur touristischen Erschließung der Region genutzt werden kann. Für eine dauerhafte Reaktivierung sprachen sich auf die Politiker aus, die auf Einladung des Eifelquerbahnvereins am Samstag zum Zwischenstopp des Zuges im Bahnhof Daun gekommen waren. »Wir brauchen die Reaktivierung jetzt. Das ist, was die Gleiswege angeht, unsere einzige Verbindung zur Außenwelt«, sagte die Landtagsabgeordnete Astrid Schmitt (SPD). Die Landtagsabgeordnete Lea Heidbreder (Grüne) sieht die Chance, nachhaltig die Infrastruktur in der Vulkaneifel zu stärken. Dazu seien heute die Entscheidungen für die Mobilität von morgen zu treffen. Stephan Pauly, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Mosel, verwies darauf, dass die Eifelquerbahn die letzte Verbindung in Rheinland-Pfalz zwischen der Eifelstrecke und der linken Rheinschiene sei. Landrätin Julia Gieseking verspricht sich von einer Reaktivierung, dass Züge generell wieder fahren können und so die »Lebensader« langsam wieder zu pulsieren beginnt. Einig war man sich, dass in diesem Jahr wieder Züge auf der Eifelquerbahn fahren müssen. Hoffnung schürt, dass der Landtag beschlossen hat, in 2022 rund zehn Millionen für stillgelegte Bahnstrecken in Rheinland-Pfalz zur Verfügung zu stellen.