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Die Angst vor leeren Zapfsäulen

Preise an die 1,60 Euro für den Liter Benzin sind momentan nichts Besonderes. Geschlossene Zapfsäulen finden Autofahrer ebenfalls vor. Grund ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.
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Mancherorts kann es zur Zeit zu Engpässen bei Diesel und Benzin kommen. Angst vor leeren Tanks ist aber nicht angebracht. Foto: Woltmann

Mancherorts kann es zur Zeit zu Engpässen bei Diesel und Benzin kommen. Angst vor leeren Tanks ist aber nicht angebracht. Foto: Woltmann

Hat man in den vergangenen Tagen die Zeitungen aufgeschlagen, den Fernseher angestellt oder die Nachrichten im Radio verfolgt, dominierte ein Thema immer wieder die Berichterstattung: das Tanken. Nicht nur, dass die Preise momentan immer weiter in die Höhe schießen, hier und da ist auch immer wieder von Tankstellen die Rede, denen der Sprit ausgegangen sei. »Dabei handelt es sich um ein vereinzeltes Problem«, erklärt Herbert W. Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV). »Wir haben unsere Mitglieder befragt und die Rückmeldung bekommen, dass es bisher keine Probleme bei ihnen gab.«

Zusammenspiel verschiedener Umstände

Der Grund für die aktuelle Problematik ist ein Zusammenspiel verschiedener Umstände. »Das Problem begann Anfang September mit dem Vorfall in der Raffinerie nahe Ingolstadt«, so Rabl. Am 1. September explodierte eine Bayernoil-Raffinerie im Landkreis Pfaffenhofen. Sie gehört zu rund einem Dutzend Raffinerien in Deutschland. Durch den Vorfall kam es zu Engpässen in der Versorgung mit verschiedenen Produkten. Hinzu kommt laut Rabl die außenpolitische Lage. Die Sanktionen gegen den Iran, einen der wichtigsten Erdöl-Lieferanten der Welt, trieben die Preise des Erdöls in die Höhe. Das bekomme auch der Autofahrer hierzulande zu spüren. Das größte Problem stelle aber momentan das Niedrigwasser in Rhein, Main und Donau dar. »Die Lieferkette ist zur Zeit stark ausgedünnt«, sagt Rabl. Die Tanker könnten nur 20 bis 30 Prozent der Ladung transportieren. Das merke man in den circa 100 Zwischenlagern deutschlandweit. Diese werden teilweise nicht mehr gefüllt. Das wiederum wirke sich auf die nachfolgende Lieferkette, die Tanklaster, aus. Rabl berichtet, dass deshalb momentan auch Tanklaster aus der Region Hamburg immer öfter nach Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder auch Baden-Württemberg beordert werden.

Lieferkette muss neu organisiert werden

Die Auswirkungen der Transportschwierigkeiten merke man vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, den östlichen Bundesländern und Baden-Württemberg. »Es herrscht aber kein Mangel an Treibstoff«, versichert Rabl: »Die strategischen Reserven, die die Bundesregierung vor Kurzem freigegeben hat, könnten Deutschland bei normalen Umsätzen für drei Monate versorgen«, erläutert der Pressesprecher des TIV. »Das Problem ist jedoch, dass die Reserven sich nicht dort befinden, wo momentan das Problem herrscht«, meint Rabl. Daher entspanne die Freigabe der Reserven die Liefersituation nicht. »Die Lieferkette muss stellenweise komplett neu organisiert werden. Das treibt die Preise in die Höhe.« Eine schnelle Entspannung der Lage sieht Rabl nicht. Bis Weihnachten sollten die Autofahrer daher noch mit erhöhten Preisen rechnen. Erst wenn der Wasserweg wieder durchgehend zur Verfügung stehe, könne sich die Situation erholen. Autofahrer sollten sich lieber erst mal noch auf weiter steigende Preise gefasst machen, so Rabl.  

Lage im Landkreis entspannt

Im Landkreis Vulkaneifel scheint die Lage unterdessen nicht sonderlich angespannt zu sein. Zwar sind die Preise innerhalb der letzten Wochen deutlich gestiegen, geschlossene Zapfsäulen sind aber eher die Ausnahme.  Otto Spodat betreibt in Stadtkyll eine freie Tankstelle. Er berichtet: »Wir hatten nur eingeschränkt Probleme. Wir werden von unserem Händler gut beliefert und hatten nur einmal für ein paar Stunden keinen Diesel. Das war aber eher ein Dispositionsfehler. Seitdem gibt es einen täglichen Abgleich der Bestände.« Auch Anastasia Rahn, Inhaberin einer Dauner Tankstelle, bestätigt, dass es bei ihr aktuell keine Engpässe gibt. »Bei uns gab es bisher keine Schwierigkeiten und wir haben keine Lieferprobleme«, so Rahn. Sie wurde durch den Konzern, zu dem ihre Tankstelle gehört, zwar über das Niedrigwasser aufgeklärt, zu Engpässen führte das Niedrigwasser bisher bei ihr jedoch nicht.

Info:

Von der Raffinerie zum Konsumenten
  • In Deutschland gibt es zwölf Erdölraffinerien, die den Ausgangsstoff Erdöl unter anderem zu Diesel, Kerosin oder Benzin  verarbeiten.
  • Die fertigen Produkte aus den Raffinerien werden mit Binnenschiffen zu den Tanklagern transportiert, wo die Stoffe zwischengelagert werden.
  • Von den Lagern aus werden die Produkte per Lastwagen und Bahn zu den Endabnehmern befördert.