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Forstämter warnen vor herabfallenden Ästen

An vielen Wanderwegen besteht Gefahr durch Astabbruch an Bäumen mit Dürreschäden / Zahlreiche Buchen mit Totästen / Wald nach heftigen Regenfällen, bei Wind und Gewittern meiden.
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Alt-Buchen mit Trockenästen in der Krone.

Alt-Buchen mit Trockenästen in der Krone.

Alte Buchen fällen oder den Wald sperren – vor dieser Entscheidung stehen derzeit viele Forstleute. Der Grund: Zahlreiche Bäume haben tote Kronenäste oder sind völlig abgestorben. Von ihnen geht akute Gefahr durch Astabbruch aus. Davon betroffen sind vor allem alte Buchen. Fichtenäste brechen in der Regel am Stamm und fallen dort zu Boden, Buchenäste können überall brechen – oft auch große, breit verzweigte Äste. Sie sind um einiges schwerer und größer als Äste von Nadelbäumen. Außerdem kann man es kaum erkennen, wenn über der unten noch dicht belaubten Krone ein bereits abgestorbener Ast hängt, der beim nächsten Windstoß herabstürzen kann. „Wann ein toter Ast fällt, kann niemand vorhersagen. Was wir aber sagen können: Trockenes Holz bricht unvermittelt. Viele Buchen haben in der oberen Krone gar keine Blätter mehr, manche sind schon tot. Das bedeutet: Wer in den Wald geht, muss mit Astbruch-Gefahr rechnen“, sagt Sebastian Metz, Leiter des Forstreviers Pelm. Deshalb rät er: „Meiden Sie den Wald nach heftigen Regenfällen, bei Wind und Gewittern. Dann können sich die toten Äste in den Kronen lösen. Die Gefahr, von einem herabstürzenden Ast getroffen zu werden, steigt.“ Aus Sicherheitsgründen: Bäume an oft besuchten Plätzen werden gefällt Den Wald dauerhaft und großflächig zu sperren, dass wäre keine Lösung. „Wir alle brauchen ihn zur Erholung. Wald tut vielen Menschen einfach gut. Wir Forstleute wollen den Wald erhalten – natürlich auch für Waldbesuchende. Aber es ist Vorsicht geboten! Man muss im Wald immer damit rechnen, dass ein Ast bricht, aber momentan ist die Gefahr höher, da viel mehr Bäume Dürreschäden haben.“, so Klaus Zeipert, Technischer Produktionsleiter im Forstamt Gerolstein. Deshalb markieren Mitarbeiter der Forstämter derzeit alle Bäume, von denen eine Gefahr für Waldbesuchende ausgehen könnte. Ein diagonaler Strich bedeutet: Dieser Baum wird gefällt. „Das können wir natürlich nicht überall machen, sonst wären es einfach zu viele Bäume. Wir beschränken uns auf Erholungseinrichtungen, wie Spielplätze, Kapellen und Sportmöglichkeiten sowie Hütten und Hauptwanderwege – also alle Orte, an denen sich viele Menschen eine längere Zeit aufhalten“, erläutert Michael Hoppe, Leiter des Forstreviers Dreis-Brück, das besonders von den Trockenschäden betroffen ist. Allein in diesem Revier müssen schon jetzt mehr als 100 Alt-Buchen gefällt werden. Wie viele es werden, ist ungewiss. Sicherheit geht vor Wirtschaftlichkeit Wenn die gefährlichen Buchen nicht gefällt werden, müssten viele Einrichtungen und Erholungsorte im Wald gesperrt werden. „Unter dem Strich kostet das meist richtig viel Geld, aber die Sicherheit geht vor“, so Hoppe weiter. Wirtschaftlich gesehen ist dieser Holzeinschlag momentan kaum einträglich, da der Markt für Buchenholz im Keller ist. Auch Holzernte wird zunehmend gefährlich Die Gefahr geht vor allem von alten Buchen aus, weil sie unter den Hitze- und Dürrejahren 2018 – 2020 besonders gelitten haben. „Wir hoffen jetzt, dass die waldfreundlichere Witterung des laufenden Jahres den Bäumen ein wenig Erholung bringt“, betont Sebastian Metz: „Wenn wir die Bäume jetzt nicht fällen, kann es später zu gefährlich sein. Dann ist es für die Forstwirtinnen und Forstwirte über Jahre zu gefährlich, in bestimmten Waldteilen Fällungs- und Pflegemaßnahmen durchführen zu können.“ Dies heißt aber auch: Heimisches Holz kann bis auf Weiteres nicht geerntet werden. Hier müssen Waldbesitzende und Forstleute stets zwischen Naturschutz, Holznutzung und Arbeitssicherheit abwägen. Totholz im Wald ist sehr wichtig für die Artenvielfalt. Es bietet Lebensraum und Nahrung für unzählige Lebewesen. Andererseits geht davon aber auch eine Gefahr aus. Klimakrise tötet Bäume Ihm tut es in der Seele weh, wenn er über 100 Jahre alte Buchen sieht, die in Ihrem Leben schon Vieles erlebt haben und die nun so extrem unter dem Klimastress leiden. Sebastian Metz erklärt: „Natürlich ernten wir Bäume, damit daraus Möbel, Papier und andere Produkte entstehen können. Viele Bäume wären aber ohne die Trockenheit noch länger im Wald belassen worden. Sie hätten dann noch mehr Kohlenstoffdioxid gespeichert, das sie für ihr Wachstum benötigen. Wenn Bäume wachsen, schützt das das Klima. Erst wenn sie verrotten oder verbrennen, wird das CO2 freigesetzt. Aber dann wachsen schon längst junge Bäume in den entstandenen Lücken“. Hintergrund: Buchensterben -        Die Buche ist die häufigste Baumart in Rheinland-Pfalz, ihr Anteil beträgt rund 22 Prozent (bundesweit: 15 Prozent). Unter den für lange Zeit herrschenden Verhältnissen eines atlantischen Klimas mit ausreichenden Niederschlägen in der Vegetationszeit sind Buchenwälder von Natur aus die flächendeckend prägenden Waldgesellschaften in unserem Land gewesen. Im Zuge des Klimawandels zeichnen sich hier Veränderungen ab. -        Buchen reagieren genau wie andere Laubbäume auf Hitze und Dürre, indem sie ihre Blätter abwerfen – so verdunsten sie weniger Wasser. Im Folgejahr sind ihre Blätter oft kleiner, damit sie vorsorglich für eine geringere Kronenoberfläche sorgen und weniger Wasser verdunsten. Die Bäume brauchen allerdings die Blätter zum Wachsen (Fotosynthese). Leiden die Bäume lange Zeit unter Trockenheit, sterben sie ab, wobei gerade die Buche als Baumart des atlantischen Klimas durch den Klimawandel besonders betroffen ist – einem toten Baum hilft dann auch kein Regen mehr. -        Wenn Bäume schwach sind, sind sie anfälliger für Krankheiten. Bestimmte Käfer und Pilze können Äste oder gar den Stamm befallen. Alte Buchen leiden besonders, da sie sich nicht mehr so gut an sich verändernde Verhältnisse anpassen können wie jüngere Bäume. -        In alten Buchenwäldern, die noch ein geschlossenes Kronendach aufweisen, findet im Staatswald von Rheinland-Pfalz derzeit keine planmäßige Holzernte statt.


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