Jutta Kruft

Für den Wald der Zukunft

Daun. In Traubeneiche-Erntebeständen werden Eicheln für die Begründung des "Zukunftswaldes" gesammelt.
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Mittels Laubbläser werden zunächst die Blätter von den Netzen geblasen.

Mittels Laubbläser werden zunächst die Blätter von den Netzen geblasen.

Foto: Veit Meyer

Mancher Waldbesucher im Staatswald Kippscheid des Forstamtes Daun mag sich in den letzten Wochen über Netze gewundert haben, die dort unter Eichenbäumen auf dem Waldboden ausgebreitet waren. In diesen Tagen herrscht dort nun rege Betriebsamkeit, denn die Netze, gefüllt mit Blättern, Zweigen und - vor allem - mit Eicheln, werden von Mitarbeitern eines Forstunternehmens zusammengelegt und geleert.

Eicheln aus anerkannten Erntebeständen

"Hier werden im Auftrag einer Baumschule Eicheln in einem Erntebestand gesammelt, um wertvolles Saatgut für die Begründung von Eichenwäldern zu gewinnen," erläutert der Funktionsförster für Waldklimamanagement im Forstamt Daun, Veit Meyer. Er hat die Maßnahme mit der Baumschule organisiert und begleitet nun die Sammelaktivitäten und die Verladung des Saatgutes. "Mittels Laubbläser wird das Laub von den Netzen entfernt, damit anschließend die Eicheln in Säcken abgefüllt werden können, die wir am Abend verwiegen. Für die Eicheln erhält das Forstamt einen Erlös, der am Ende hoffentlich einige Tausend Euro ergeben wird."

Wachsende Nachfrage kaum zu decken

Der Leiter des Forstamtes Daun, Horst Womelsdorf, ergänzt: "Bei dieser Maßnahme steht aber nicht die Geldeinnahme für das Land, sondern zuallererst die Gewinnung von hochwertigem Traubeneichensaatgut für den Aufbau unseres "Zukunftswaldes" im Vordergrund." Im Klimawandel, so der Forstamtsleiter, sei die Traubeneiche besonders begehrt, da einerseits riesige Kahlflächen nach Käferbefall wiederbewaldet werden müssen, andererseits die Traubeneiche diejenige heimische Baumart darstelle, die mit den sich ändernden Umweltbedingungen am besten zurechtkäme. Die Traubeneiche ist mit zehn Prozent Anteil an den Gemeinde- und Staatswaldflächen des Forstamtes Daun nach der Rotbuche die zweitwichtigste Laubholzart. Horst Womelsdorf wünschte sich, dass die Eiche schon heute einen noch höheren Anteil an der Waldfläche seines Forstamtes hätte. Schließlich stelle die Traubeneiche, so der Forstamtsleiter, vergleichsweise geringe Ansprüche an die Wasserversorgung, vertrage höhere Temperaturen als die meisten anderen Laubhölzer und könne auch noch auf flachgründigen, nährstoffärmeren Standorten überleben. "Und auf diese Zähigkeit und Überlebensfähigkeit unserer Waldbäume wird es wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten entscheidend ankommen, wenn wir bei fortschreitendem Klimawandel froh sein werden, überhaupt noch einen Wald in Deutschland erhalten zu können. Der Wald der Zukunft wird wohl in erster Linie Schutz- und Erholungsfunktionen gewährleisten müssen. Dennoch wird auch nachhaltig produziertes Eichenholz, das als Bau-, Möbel- und Brennholz verwertet werden kann, nachgefragt bleiben," so der Forstamtsleiter. "Mit der Abgabe unserer Eicheln an die Forstsamen- und Forstpflanzenbetriebe leisten wir einen kleinen Beitrag, die hohe Nachfrage nach dem Saatgut dieser begehrten Baumart zu decken und andere Waldbesitzer mit jungen Traubeneichen zu versorgen."


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