Johannes Mager

Wie die Eifel zur Krimilandschaft wurde

Hillesheim/Daun. Auf Spurensuche mit Autor und Verleger Ralf Kramp und "Tatort Eifel"-Festivalleiter Heinz-Peter Hoffmann.
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Krimiautor und Verleger Ralf Kramp (l.) und »Tatort Eifel«-Festivalleiter Heinz-Peter Hoffmann haben am Ruf der Eifel als Krimilandschaft großen Anteil.

Krimiautor und Verleger Ralf Kramp (l.) und »Tatort Eifel«-Festivalleiter Heinz-Peter Hoffmann haben am Ruf der Eifel als Krimilandschaft großen Anteil.

Foto: Johannes Mager

Wenn zwei Menschen die Anatomie der Krimilandschaft Eifel bestens kennen, sind es der Krimiautor und Inhaber des Hillesheimer Verlags KBV Ralf Kramp und der »Tatort Eifel«-Festivalleiter Heinz-Peter Hoffmann. Für den WochenSpiegel haben sich den Weg der Eifel zum Krimi-Hotspot der Republik und der Wiege deutscher Regionalkrimis skizziert. Der Reigen der Krimifestivals in der Vulkaneifel startete 1999 mit der »Kriminale«, eine Veranstaltung der Krimiautoren-Vereinigung »Syndikat«, die stets woanders Station macht. Weit über 100 Autoren waren damals gekommen. »Kriminalen gab es schon, aber fast nur im Großstadtbereich«, erinnert sich Ralf Kramp.

»Wir wollten in das Metier Kriminale gar nicht einsteigen. Dann auf sind wir auf das Thema ‚Buch – Drehbuch – Film‘ gestoßen. Wir wollten genau in diese Verknüpfung rein«, sagt Hoffmann. Ziel war es also, Autoren und Filmschaffende zusammenzubringen – und zudem das breite Publikum anzusprechen. »Wir haben damit damals – vielleicht auch unbewusst – eine Veranstaltungsnische in Deutschland gefunden«, sagt Hoffmann heute. Der Weg, den die Macher dann bestritten, war zunächst ein steiniger und er führte auch in die Sendeanstalten. Hier müssten Hoffmann und Krimiautor Jacques Berndorf alias Michale Preute viel Überzeugungsarbeit leisten. Eine direkte Finanzierungszusage erhielten sie vom damaligen Ministerpräsidenten Kurz Beck mit den Worten: »Macht mal, wir helfen euch.«

Produzenten treffen Autoren

Doch Hoffmann, der damals Pressesprecher der Kreisverwaltung war, und sein Team merkten, dass die Filmbranche eine völlig andere Welt ist und die Verwaltung sich daran verheben würde. »Also haben wir uns Fachleute aus der Filmbranche dazu geholt. Zunächst Bettina Buchler, heute Julia Röskau. Sie haben das Fachprogramm ins Leben gerufen. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal von ‚Tatort Eifel‘. Denn ein Krimifestival mit Lesungen und ähnlichem kann im Prinzip jeder Touristiker, der 20.000 Euro zur Verfügung hat, auf die Beine stellen, indem Autoren einkauft«, so Hoffmann. Sowohl Nachwuchsautoren als auch Programmchefs wissen das Festival zu schätzen. Beim Fachprogramm sitzen die Entscheider der Krimiszene zusammen. »In den Sendeanstalten bekommen Nachwuchsautoren keine Termine bei den Produzenten. Aber hier können Produzenten den Schreiben nicht aus dem Weg gehen«, verdeutlicht Hoffmann schmunzelnd: »Dass es so funktioniert, wie er es heute tut, hatten wir damals nicht geahnt.« Zeitgleich nahmen damals die Eifelkrimis Berndorf Fahrt auf. »Ich spreche von Auflagen in Millionenhöhe. Eifekrimis waren in Deutschland überall präsent. Auf Bahnhöfen, auf Flughäfen – überall, wo man durch die Gänge schlich, waren die ersten Büchern, die auf den Tischen lagen, Eifelkrimis«, erinnert Hoffmann sich: »Bessere Werbung für die Eifel hätten auch die Touristiker nicht machen können.«

Eine Infrastruktur entsteht

Im Laufe der Jahre baute sich eine Infrastruktur auf. Es entstand die Krimilandschaft rund um Hillesheim mit Führungen und Wanderwegen, das deutsche Krimiarchiv und das Krimicafé von Ralf und Monika Kramp, das »Krimihotel« in Hillesheim und mehr. »Schon in den Neunzigern kamen Leute aus dem Bayrischen Wald und dem Ruhrgebiet in Monikas Buchhandlung und sagten, sie wollten mal gucken, ob es hier wirklich so aussieht, wie in den Krimis beschrieben«, erinnert sich Ralf Kramp.


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