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Alkohol, Amphetamin, Arbeit

Viele Beschäftigte haben ein Suchtproblem, das auch ihren Arbeitsplatz gefährdet – das zeigt der aktuelle DAK-Gesundheitsreport. Zur Prävention geben Suchtberatungsstellen Hilfe.
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Süchte am Arbeitsplatz sind ein großes Problem

Süchte am Arbeitsplatz sind ein großes Problem

Nach der repräsentativen Studie (DAK-Gesundheitsreport) ist jeder fünfte Arbeitnehmer in Rheinland-Pfalz zigarettenabhängig, jeder Zehnte trinkt übermäßig Alkohol. Probleme, die nicht nur das Privatleben belasten, sondern auch Folgen für die Arbeitswelt haben. Das zeigt sich am Krankenstand: Laut DAK-Gesundheitsreport 2019 »Sucht 4.0« haben betroffene Erwerbstätige doppelt so viele Fehltage (8 Prozent) im Job als Nicht-Süchtige. Ferner sind sie häufig unkonzentrierter oder kommen zu spät.

Gefährliches Gaming

Neben den klassischen Süchten wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit untersucht der DAK-Report erstmals das Thema Computerspielsucht in der Arbeitswelt. Ergebnis: Rund 120.000 rheinland-pfälzische Erwerbstätige zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten, 18.000 erfüllen die Kriterien einer Computerspielsucht. Gaming gesellt sich somit zur traditionellen Spielsucht hinzu, die beispielsweise das Spielen in Casinos oder an Spielautomaten betrifft.
Auch im Kreis Bernkastel-Wittlich sind solche Süchte nicht unbekannt: »15 Prozent sind spielsüchtig oder haben eine internetbezogene Störung,« teilt Helga Thiel, Leiterin des Fachdienstes Suchtberatung des Caritaverbands Mosel-Eifel-Hunsrück mit. Die Caritas zählte für 2018 rund 74 Personen aus dem Landkreis, die sich mit einer spiel- oder internetbezogenen Erkrankung an sie gewendet haben. Eine Sucht nach Videopielen wirkt sich negativ auf den Alltag aus, wie der DAK-Report zeigt: Jeder Dritte (34,1 Prozent) ist häufig unkonzentriert. Fast jeder Zweite (47 Prozent) spielt während der Arbeitszeit.

Qualmen während der Arbeit  

Aber nicht nur Spielsüchtige vernachlässigen ihren Job. Jeder zweite Raucher konsumiert Tabak während der Arbeitszeit, also außerhalb seiner Arbeitspausen.
Obwohl Raucher mit 356.000 Personen die größte Gruppe der Süchtigen in Rheinland-Pfalz bilden, scheint der Tabakkonsum ein Laster zu sein, das weniger ernstgenommen wird. Zumindest meldete sich 2018 laut Caritas aus Bernkastel-Wittlich niemand bei ihnen, der allein wegen seines Zigarettenkonsums Beratung suchte. Anders sieht es bei Alkohol und Drogen aus.  

Jeden Tag berauscht

7.000 Erwerbstätige im Bundesland gelten als alkoholabhängig. Die Gruppe derer, die süchtig nach berauschenden Substanzen sind, wendete sich am häufigsten an die Caritas: »Im Jahr 2018 haben sich insgesamt 493 Menschen aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich mit einem Anliegen im Bereich der Suchtberatung an uns gewandt. Circa 40 Prozent konsumieren hauptsächlich Alkohol, 35 Prozent illegale berauschende Substanzen wie Amphetamine und 5 Prozent leiden an anderen Süchten«, so Helga Thiel. Der Alkohol spielt auch im DAK-Report eine große Rolle: Demnach sind mehr als die Hälfte der Fehltage bei Suchtproblemen in Rheinland-Pfalz auf Alkohol zurückzuführen (58 Prozent).

Kein Alltag mehr möglich

Die verheerenden Auswirkungen von Alkohol und Drogen sind Helga Thiel bestens bekannt, denn sie spiegeln sich auch im Kreis wider: Alkoholkranke Menschen könnten langfristig nur einen Teil ihrer Arbeitsleistung erbringen, erläutert sie. Betriebs- und Wegeunfälle seien bis zu 30 Prozent auf Spirituosen zurückzuführen. Alkohol- und andere Suchtkranke würden der Arbeit öfters fern bleiben und sich 2,5mal häufiger krankmelden. »Es sind in der Regel Menschen, die Stress, Ängste und Sorgen mit Hilfe von Suchtmitteln zu bewältigen versuchen. Oft entsteht durch ihr Verhalten eine Belastung für die Menschen selbst, für ihre Familien, aber auch für ihre Kollegen und Personalverantwortliche am Arbeitsplatz.«

Reden und zuhören

Damit Karriere und Privatleben nicht an der Sucht zerbrechen, ist es wichtig, dass sich Betroffene Hilfe suchen und Kollegen den Mut finden, Probleme anzusprechen. Im Rahmen der Prävention bietet die Caritas Seminare für Unternehmen an. Sie unterstützt die Entwicklung der Betriebsvereinbarung »Keine Suchtmittel am Arbeitsplatz« und berät im Einzelfall. »Ziel ist es, die Arbeitskraft und den Arbeitsplatz der Mitarbeiter zu erhalten«, erklärt die Fachdienstleiterin der Suchtberatung. »Ein frühes Ansprechen von Problemen erspart manche langwierige Behandlung. Unsere Arbeit ist besonders wichtig, weil die Suchtberatung maßgeblich dazu beiträgt, die Verelendung von Suchtkranken zu verhindern.« (ju/red).


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