Auf High Heels zum Dreh

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Zum Greifen nah ist für Yvonne Lamberty der »Nick« für den besten Weihnachtssong 2015. Die junge Frau ist in Salmrohr aufgewachsen. Für die Dreharbeiten des SWR reist sie aus ihrer Wahlheimat Hamburg an.    »Hier duftet alles nach Kindheit«, sagt Yvonne, als sie dem Team der Landesschau die Wendelinuskapelle am Ortsrand zeigt. Rasch, bevor die Sonne hinter den Wolken verschwindet, werden hier die Außenaufnahmen des Vier-Minuten-Beitrags gedreht: die zweite Station heute Nachmittag, nach dem elterlichen Wohnzimmer, dem Friseursalon ihrer Tante und Cousine und dem Parkschlösschen in Traben-Trarbach. Ein strammes Programm für Yvonne Lamberty, die Sängerin, die sich bisher mit ihren Gemälden, den lichtdurchfluteten Yandalas, den Lebensunterhalt verdient. Vielleicht wird jetzt alles anders. Als eine von drei Kandidaten der Endrunde könnte sie doch noch Karriere auf der Bühne machen, von der sie als Kind geträumt und an die ihre Familie immer geglaubt hat.

Strammes Programm

Zum Beispiel Oma Lotte Lamberty, die 91-jährige Powerfrau: »Ich wusste, dass Yvonne irgendwann an der Reihe ist«, lacht sie überglücklich über den Besuch der strahlenden Enkelin. Es ist der erste Heimaturlaub für 2015, ganz und gar untypisch. Die 24-Jährige (»in dem Business sind doch alle 24, oder«?) liebt ihre Heimat sehr (»es gibt keine schöneren Wälder«) und die Familie sowieso (»wie habe ich euch alle vermisst«). Allein das Schuhwerk ließe vermuten, dass Yvonne vergessen hat, wie es in der Natur Salmrohrs aussieht. Doch sie beherrscht das Kunststück, elegant auf high heels die matschig-feuchten Stufen hinauf zur Kapelle zu schreiten. Wie aus dem Ei gepellt steht sie im schmeichelnden Licht des sonnigen Dezembertages vor der Kamera. Im Hintergrund ländliche Idylle einschließlich einiger Muhs und Mähs von den nahen Weiden.

 Ländliche Idylle

Ja, sie hat schon früh gesungen, im Gospelchor der Kurfürst-Balduin-Realschule begonnen und dort bald die Soli zugeteilt bekommen. Die Aufnahme des Songs »Light up the world« allerdings, mit dem sie jetzt in der Endausscheidung steht, hat der Mann ihrer besten Freundin eingeschickt. Einfach mal so. Die Freundin Daniela Deutsch ist beim Dreh dabei. »Ihr hab ich zu Realschulzeiten auf der Toilette mal heimlich etwas vorgesungen. Sie nahm mich daraufhin mit in den Gospelchor«, sagt Yvonne. Klappe zu, die Außenaufnahmen sind im Sack. Weiter geht es mit dem gesamten Equipement zum Friseursalon Lamberty. In der ersten Etage lebt die Großmutter. Die Wiedersehensfreude ist groß, bei Yvonne, Tante Lilo Mergen, Cousine Michaela Mergen und deren Baby, dessen Gebrabbel den Hintergund erfüllt.

Nahtoderfahrung

Tränen der Rührung fließen bei Yvonne und bei der Oma, die bis im vergangenen Jahr in der Bütt stand und ihre Reden auswendig hielt (»Ehrensache«). »Die Bühnenfreiheit hab ich von dir«, sagt Yvonne und herzt die Großmutter ein ums andere Mal. Im Salon hängt eines der Yandalas, auf die sie ein Patent hat: Mandalas mit einem hellen Lichtpunkt in der Mitte, aus dem heraus blütenartig Ornamente in geometrischer Harmonie erwachsen. Ein solches Licht sah die junge Frau bei einer Nahtod-Erfahrung in der frühen Kindheit. Sie beschreibt es als beglückend, vertraut und kraftvoll (»wie Nachhause kommen«).   Yvonne sieht Töne und Zahlen, sie hört Farben, und Wochentage erlebt sie dreidimensional. Mediziner nennen dieses neurologische Phänomen graphemische und musikalische Synästhesie. So hat sie auch zu »Light up the world« ein Yandala gemalt; es ziert das Cover der CD. www.yandala.de  pug

EXTRA  

Zum Weihnachtskonzert reist Yvonne Lamberty am 20. Dezember nach Kaiserslautern. Es wird live im SWR1 Radio und als Stream auf swr1.de/rp übertragen.   Hier kann gevotet werden, Telefon 0180 / 379 71 11.   Das filmische Porträt war am Montag in der SWR-Landesschau. Auch die Konkurrenten - Jens Gilles und The Rosevalley Sisters - wurden porträtiert. Ein »Best of« des gesamten Wettbewerbs sendet das SWR-Fernsehen am 21. Dezember, 18.45 Uhr.   Fotos: P. Geisbüsch


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