Sarah Stieren

Tierschützer schlagen Alarm

Das Eifeltierheim Altrich platzt aus allen Nähten: zu viele Babykatzen. Leiter Rainer Kordel ist sicher: Die Region steht vor einem großen Katzen-Problem.
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Volle Zimmer, unzählige kranke Kätzchen und eine Situation, die sich in den nächsten Jahren laut Rainer Kordel, Leiter des Eifeltierheims in Altrich, zu verschlimmern droht. "Dass wir kein Geld haben, ist nichts Neues. Auch nicht, dass wir um jeden Euro kämpfen müssen und dank unserer Spender gerade so die Kurve bekommen. Aber was dieses Jahr an Tieren zu uns kommt, hat eine neue Dimension erreicht," erklärt der Tierheimleiter. "Wir haben bereits jetzt 10.000 Euro mehr an Arztkosten im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen Ausgaben für Spezialfutter oder Müllentsorgung. Das Geld rinnt mir durch die Hände." Babykatzen-Boom Zusätzlich zu den Geldsorgen plagt das Tierheim ein enormes Platzproblem: "In diesem Jahr hatten wir bereits 260 Katzen hier, derzeit etwa 90, darunter 37 Babykatzen - 36 Kleine sind schon vermittelt. Zum Vergleich: Sonst sind es ca. zwölf Babykatzen im Jahr. Viele Tiere sind krank. Sie haben Infekte, wollen nicht fressen, müssen behandelt werden. Das kostet viel Geld und bedeutet einen enormen Aufwand." Außer Kordel gehören noch eine Mitarbeiterin und eine Auszubildende zum Eifeltierheim-Team. Ehrenamtliche unterstützen zusätzlich. "Trotzdem reicht es gerade nur so für das Nötigste. Auch der Platz fehlt, die medizinische Versorgung stößt an Grenzen, da wir die Katzen früher in die Zimmer setzen müssen. So können sie sich bei anderen Tieren anstecken." Aufnahmestopp: Nichts geht mehr Schuld an der Situation sind laut Kordel mehrere Faktoren, die vor allem die Nachbar-Stadt Bitburg und das Umland betreffen. "Die Vereine rund um Bitburg haben nicht die Kapazitäten, um die Tiere so zu versorgen, wie es nötig wäre. Zudem ist ein Verein dort weggebrochen. Deshalb hat auch der Förderverein Eifeltierheim hier in Wittlich alle Hände voll zu tun. Fast alle Tiere landen bei uns".Aufgrund der Situation hat das Tierheim Aufnahmestopp erklärt. Kordel: "50 bis 60 Tiere stehen auf der Warteliste, da wir derzeit nur die Notfälle aufnehmen, die sonst sterben würden." Von den Katzen in Not könne das Tierheim derzeit etwa 40 Prozent aufnehmen, bedauert der Tierheimleiter. "Der Rest verendet auf den Höfen. Wissen Sie, wie schlimm das ist -zu sagen, wir können niemanden aufnehmen und genau zu wissen: Katze, du wirst leider sterben." Kordel ist mit seinem Latein am Ende. Er kritisiert, dass immer weniger Menschen ihre Tiere kastrieren lassen, die sich dann teilweise unkontrolliert vermehren.Und die Situation werde sich weiter verschlimmern: "Spätestens in zwei Jahren haben wir und vor allem die Region Bitburg ein Katzen-Problem, das nicht mehr in den Griff zu bekommen ist." Um die "Katzenschwemme" zu vermeiden, sei es nötig, dass sofort Kastrationsaktionen stattfinden. Außerdem brauche die Nachbarstadt dringend ein eigenes Tierheim. "Es betrifft ja nicht nur Katzenhalter. Was ist mit denjenigen, die ein Tier finden? Oder es läuft ihnen zu. Die Menschen brauchen einen Ansprechpartner. Tierschutz geht uns alle an! Die Tiere müssen irgendwo versorgt werden." Dass das Eifeltierheim an seiner Aufnahmegrenze angekommen ist, steht außer Frage. Vor Ort konnten wir uns selbst ein Bild machen: Babykatzen in Kaninchenboxen, verschnupft, mit laufenden Näschen und entzündeten Augen - trotz des großen Engagements der Mitarbeiter. Wie schlimm ist das Problem? Ist das Problem in der Region dauernd akut oder nur eine Momentaufnahme des Sommers, die sich bald relativiert? Hat Kordel mit seiner Forderung nach einem Tierheim Recht? Wir recherchieren und suchen einen Ansprechpartner für den Bitburger Raum. Aber wer ist für das Thema Tierschutz zuständig? Wir versuchen es zunächst bei der Stadt. Die Antwort auf unsere Anfrage kommt prompt: In Bitburg Stadt und in den Stadtteilen gab es demnach im Jahr 2018 erst sieben Fundkatzen. "Von Katzenschwemme kann keine Rede sein." Katzen in Not: grenzwertige Zustände Laut der Stadt Bitburg hat die Region kein Katzenproblem. Der Altricher Tierheimleiter Rainer Kordel sieht das anders: "Dass so wenig Katzen gemeldet werden liegt daran, dass die Menschen direkt ins Tierheim kommen. Das heißt nicht, dass es das Problem nicht gibt." Auf unsere Anfrage teilt die Stadt Bitburg mit, dass der Tierschutz in die Zuständigkeit des Eifelkreises falle und Bitburg eher mit dem Tierheim in Trier-Zewen arbeite als mit Altrich. Wir kontaktieren die Kreisverwaltung. Die Antwort der Behörde: Für Fundtiere seien generell die Stadt- und Verbandsgemeinden zuständig, ebenso für die herrenlosen Katzen. Wir wenden uns also an die Verbandsgemeinde Bitburg Land und zeitgleich an das Tierheim in Zewen, das vom "Tierschutzverein Trier und Umgebung" betrieben wird. Mitarbeiterin Jana Grever bestätigt uns Kordels Schilderung. Aus dem Raum Bitburg kämen viele Anrufe. "Wer zuständig ist, haben die noch nicht geklärt. Jeder schiebt es dem anderen zu", erklärt sie und ist sicher: "Ein Tierheim in Bitburg wäre enorm wichtig." Im Rahmen unserer Recherche sprechen wir auch mit mehreren Tierschützern und Vereinen, darunter Silvia Schmitt vom Förderverein Eifeltierheim. Sie stimmt Rainer Kordel zu: "Das Gebiet um Bitburg ist riesig und der Bedarf nicht gedeckt. Sie können sich nicht vorstellen, wie groß das Elend dort ist." Tierschützer mahnen: zu viele Tiere, aber kein Platz Auch Adelheid Telkes aus Plütscheid und Mechthild Pütz aus Bitburg kennen das Problem: Telkes ist Vorsitzende des Vereins Tierfreunde Südeifel, Pütz Schatzmeisterin. Sie engagieren sich gemeinsam mit 170 Vereinsmitgliedern ehrenamtlich in der Region, führen u.a. Fang- und Kastrationsaktionen durch. In den letzten Jahren habe sich die Situation verschlimmert, sagt Mechthild Pütz. Die "Tierhilfe Eifelkreis" gebe es nicht mehr, dafür aber immer mehr Tiere in Not. "Die Leute müssen Verantwortung übernehmen. Sie vergessen, dass jede Katze bis zu drei Mal im Jahr tragen kann. Außerdem werden die Kater oft einfach nicht kastriert." Telkes ergänzt: "Ich habe am Tag bis zu 20 Anrufe. Wir geben unser Bestes, aber es ist wirklich viel." Auch Michèle Woltz von der Stiftung Atlantis mit Sitz in Idesheim stellt fest: "Die Zustände in der Region sind grenzwertig. Die Tierschutzvereine werden immer weniger, die Tiere dafür mehr. Allein auf dem Gnadenhof haben wir 40 bis 50 Katzen, viele andere bei den Pflegestellen." Ein weiterer Tierschutzverein ist "Tiere in Not". Vorsitzende Eveline Maus erklärt uns, dass das Problem nicht nur auf Katzen zutreffe, bei denen es jetzt schon hart an der Grenze sei: "Auch bei Hunden werden wir in den nächsten Jahren Zustände bekommen wie in Süd- und Osteuropa." Tierheim für die Region Bitburg: Was sagen die Zuständigen? Kurz vor Redaktionsschluss erreicht uns auch die Rückmeldung der Verbandsgemeinde und wir sind - zumindest was die Zuständigkeit betrifft - schlauer: Denn für Fundtiere im Umland ist die VG zuständig. Sie hat in der Vergangenheit rund 15 herrenlose Katzen pro Jahr verbucht und erwartet diese Zahl auch für 2018. Für die Errichtung eines Tierheims hingegen wäre der Eifelkreis zuständig. Die Antwort der örtlichen Kreisverwaltung auf unsere Frage, ob es Planungen dazu gibt, ist ebenso kurz wie eindeutig: "Nein". Nützliche InformationenEifeltierheim Altrich Das Eifeltierheim Altrich sucht ehrenamtliche Helfer, die bei der Arbeit vor Ort unterstützen. Kontakt: Tel: 06571 9552121 ; @ www.eifeltierheim-altrich.de Spendenkonto: VVR, Konto: 80 059 73 | BLZ: 587 609 54, IBAN: DE 72 587 609 54 000 800 59 73 | BIC: GENODED1WTL Tierfreunde Südeifel Telefon: +49 (0) 160 / 208 55 45 www.eifel-tierfreund.de Spendenkonto: Kreissparkasse Bitburg-Prüm                                    
IBAN: DE60 5865 0030 0008 0502 05              
BIC: MALADE51BIT                                                       
Stiftung Atlantis www.mensch-tier-umwelt.com Tel: 0049 (0)6506 9122595 IBAN: DE62 5855 0130 0000 4969 68 BIC: TRISDE 55 Tiere in Not http://s.tiere-in-not-ev.de/ Tel. 06597 / 3135 Tierheim Trier-Zewen www.tierheimtrier.de Telefon: (0651) 86 156 Spendenkonto: Sparkasse Trier
BLZ: 585 501 30
Spendenkonto: 155 200
IBAN: DE91 5855 0130 0000 1552 00
SWIFT-BIC.: TRISDE55 Förderverein Eifeltierheim (Wittlich)
www.foerderverein-eifeltierheim.de Kastration: Tel.: 01 79 / 1 14 78 76 Tiervermittlung: Tel.: 0 65 71 / 2 95 43 Spendenkonto: DE33 5875 1230 0032 1295 20
BIC: MALADE51BKS
Sparkasse Mittelmosel Fotos: Sarah Stieren


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