Claudia Neumann

Überraschende Rückkehr einer gestohlenen Bibel von 1527

Bernkastel-Kues. Wertvolles Buch kehrt nach mehr als 34 Jahren  in das St. Nikolaus-Hospital zurück

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Titelblatt der 1527 bei Johannes Petreius in Nürnberg gedruckten Bibel

Titelblatt der 1527 bei Johannes Petreius in Nürnberg gedruckten Bibel

Foto: St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift, Bernkastel-Kues

Es grenzt schon an ein kleines Wunder, dass nach über 34 Jahren eine wertvolle Bibel aus dem Jahr 1527 Ihren Weg zurück in das St. Nikolaus-Hospital/ Cusanusstift in Bernkastel-Kues gefunden hat.

 

Damals im Jahr 1988 wurde bei einer Inventarisierung festgestellt, dass sich die Bibel nicht mehr an ihrem Platz in der altehrwürdigen Hospitalbibliothek befand. Kein Wunder, gab es bis 1980 im Unterschied zu den Cusanus-Handschriften für die wertvollen Drucke noch keine abschließbaren Schränke im Bibliotheksraum und auch keine Fachkraft, die sich um die Kunstschätze des Hospitals kümmerte. Mit Gabriele Neusius wurde 1994 die erste hauptamtliche Bibliothekarin im Cusanusstift angestellt. Entsprechend liegt die Vermutung nahe, dass der Druck von einem unbekannten Täter entwendet wurde und vermutlich in einer Privatsammlung verschwand.

 

Kurz vor Weihnachten 2022 wurde die Bibel auf der Internetseite eines niederländischen Antiquariats in der Nähe von Rotterdam zum Verkauf angeboten. Der Antiquar hatte sie von einem Kollegen erworben, der sie wiederum von einem Privatsammler übernommen hatte.

 

Dass es sich bei der Bibel zweifelsfrei um das Exemplar aus dem Hospital handelte, beweisen eine alte Inventarisierungsnummer auf dem Titelblatt aus der Zeit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ein Besitzeintrag, aus dem hervorgeht, dass sich die Heilige Schrift einstmals im Besitz eines Stephanus Noll befand. Nach einem Blick in die Chronik des Hospitals wurde schnell klar, dass es sich beim besagten Stephan Noll aus Monreal um einen ehemaligen Pastor von Müden an der Mosel handelte, der 1645 - kurz vor seinem Tod - für wenige Monate als Rektor im Hospital tätig war und seine Bücher dem Cusanusstift vermachte.

 

Dem Verhandlungsgeschick des aktuellen Rektors Leo Hofmann und dem großzügigen Entgegenkommen des niederländischen Antiquars ist es zu verdanken, dass die 1527 bei Johannes Petreius in Nürnberg gedruckte Bibel nun wieder ihren angestammten Platz in der Hospitalsbibliothek einnehmen kann.

 

Damit ist die Fahndung nach verschwundenen Buchschätzen der Bibliothek aber noch nicht beendet. Gesucht wird weiterhin ein 1509 in Straßburg gedrucktes Predigtwerk des französischen Theologen Johannes Gerson (1363-1429). Im St. Nikolaus-Hospital/ Cusanusstift ist man jedoch zuversichtlich, dass auch dieser Frühdruck eines Tages wieder auftauchen wird.


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