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Von der Lieser nach Rio

Physiotherapeut Patric Reuter aus Wittlich betreut Paralympics-Schützen der Deutschen Nationalmannschaft in Rio
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Schon die flatternde Olympia-Flagge im Garten zeigt, dass hier ein absoluter Fan der Spiele wohnt. Doch Patric Reuter ist nicht nur Fan – er packt gerade seine Koffer, denn am 31. August wird er selbst nach Rio fliegen. Viele kennen Reuter durch seine Arbeit als Leitenden Physiotherapeuten im Wittlicher Krankenhaus, aber er ist auch Trainer und Physiotherapeut der deutschen Athleten im Sportschießen bei den Paralympics. Damit geht für den 48jährigen aus Lieser ein Jugendtraum in Erfüllung.   Sportlich war er schon immer und Olympia-Übertragungen faszinierten Patric Reuter bereits als Kind. Seine Sportart sollte das Sportschießen werden. Als 16jähriger zeigte er Talent beim Weihnachtsschießen des örtlichen Schützenvereins und bald wurde Peter Botzet, damaliger Landestrainer im Rheinischen Schützenbund, auf ihn aufmerksam.

Mit 17 Jahren on top

Regelmäßiges Training brachte Reuter schnell in die Bezirks- und Landesauswahlen. Mit 17 Jahren in der Auswahl zur Nationalmannschaft und mit 18 in Ausscheidungswettkämpfen für Europa- und Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Spiele. Doch die Athletenförderung im Sportschießen steckte damals noch in den Kinderschuhen. „Profischützen müssen in hohem Umfang Zeit für Konditions- und Techniktraining investieren“, so Reuter, „ich musste mich entscheiden: bleibt es ein Hobby oder wird der Profisport mein Beruf?“ Viel Geld ist in diesem Sport nicht zu verdienen. So entschied er sich für eine Berufsausbildung zum Industriemechaniker.

Wende im Leben

Wenn die Freizeit es zuließ, nahm er weiterhin erfolgreich an Wettkämpfen und auch an den Ausscheidungskämpfen für die Spiele in Barcelona 1992 und Atlanta 1996 teil. Und doch sollte es beide Male nicht gelingen, bei Olympia dabei zu sein. Ein befreundeter Arzt für Orthopädie brachte eine Wende in den Lebenslauf. Auf dessen Anregung hin begann Reuter mit 26 Jahren eine zweite Berufsausbildung, die seiner Liebe zum Sport näher lag, als der bisherige Beruf. Er wurde Physiotherapeut. Drei Ausbildungsjahre, anschließende Prüfungen und stetige Fortbildungen prägten ihn enorm, wurden doch in der gleichen Zeit seine zwei Kinder geboren und die Hausrenovierung lief.

Frau stärkte ihn

"Ohne die Unterstützung und Rückenstärkung durch meine Frau, hätte ich das alles nicht geschafft“, resümiert er heute. „Es sind für mich Schlüsselerfahrungen geworden, Werte die ich auch unseren Kindern versuche weiter zu geben: man kann seine Träume erfüllen - mit starkem Willen und Selbstdisziplin.“ 1998 begann er als Physiotherapeut im Wittlicher St. Elisabeth Krankenhaus zu arbeiten. In der Freizeit nahm er weiterhin als Sportler oder begleitender Physiotherapeut an nationalen und internationalen Wettkämpfen teil und hielt so den Bezug zur Nationalmannschaft.

Trainerschein

Es war schwer möglich, neben dem Beruf, den aufwendigen Trainingsumfang zu leisten, der für den Anschluss an die nationale und internationale Spitze notwendig gewesen wäre. Daher legte er 2004 die Prüfung für den Trainerschein des DSB ab und arbeitet seitdem in der Kaderförderung mit. Technik, Taktik, Konditionstraining, mentale Betreuung; da ist Teamwork gefragt. Als Sportler, Physiotherapeut und Trainer vereinigt er heute wertvolle Erfahrung und Wissen in sich – sicher auch ein Grund, warum ihn Bundestrainer Rudolf Krenn 2014 fragte, ob er die Nationalmannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) betreuen wolle. Dies hieß eine nochmals höhere Belastung, die die Familie mittragen müsste – auch hier erhielt er die volle Unterstützung seiner Familie; Reuter sagte zu.

Kadermaßnahmen

In den vergangenen beiden Jahren "kniete er sich voll hinein: Neben der Leitung der Physiotherapieabteilung begleitete er monatliche Kadermaßnahmen für die behinderten und nichtbehinderten Athleten in den Sportarten Pistolen- und Gewehrschießen. Im Januar 2016 wurde er vom Bundestrainer für die Betreuung des olympischen und paralympischen Teams vorgeschlagen und am 30. Juli fiel auf der Nominierungssitzung des DOSB und des DBS in Berlin die Entscheidung, die Patric Reuter dann auch schriftlich mitgeteilt wurde: er ist als Trainer und Physiotherapeut bei den Paralympics in Rio mit dabei! Das deutsche Team ist mit insgesamt 280 Athleten und Betreuern vor Ort, darunter nur 17 Physiotherapeuten. „Das ist der Höhepunkt meiner bisherigen beruflichen und sportlichen Laufbahn“, strahlt Reuter.              Foto: FF