Von wegen "Null Bock" - Wittlich wählt Jugendparlament

Jugendliche mischen sich aktiv ein
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Null Bock auf gar nichts? Das mag für viele gelten - für jene, die sich in Jugendparlamenten engagieren, gilt es nicht. Sie üben Verantwortung, Diskussion, Entscheidungsfindung, schlicht: Demokratie. In Wittlich wird am 31. Mai das dritte Jugendparlament gewählt. Zwanzig junge Frauen und Männer stellen sich zur Wahl für das 15-köpfige Gremium. Annette Reingard und Malte Warnholtz sind Wiederholungstäter: Sie möchten es noch einmal wissen. Und das, obwohl beide enttäuscht sind ob der Unzuverlässigkeit mancher Kollegen. »Oft hat man nur mit drei oder vier Leuten bei den internen Sitzungen gesessen«, erinnert sich Malte, »da kann man nicht produktiv arbeiten.« Das finden beide schade, denn: Eigentlich waren doch genau diese Leute angetreten, um für die Jugend in Wittlich etwas zu bewegen! Wenn allerdings alle mit angepackt haben, sei »alles super« gewesen. Vorgenommen hat sich die 17-jährige Schülerin Annette, falls sie wiedergewählt wird, die erfolgreichen Aktionen aus dem zweiten JuPa weiterzuführen. Der BWLer Malte hat sich nichts vorgenommen, er arbeitet anders. »Ich denke, dass man im JuPa gemeinsam nach Ideen suchen sollte und nicht schon fertige Projekte anderen aufzwingen sollte. Ich will einfach durch Wittlich gehen und gucken, welche Ideen für Projekte mich anspringen.« Diese Herangehensweise dürfte Hans »Flutsch« Floter gefallen. Der Leiter des Hauses der Jugend HdJ hat über zweieinhalb Jahrzehnte der städtischen Jugendarbeit seinen Stempel aufgedrückt und  hautnah Entstehung und Arbeit des JuPas begleitet. »Ich war ein Stück weit Mittelsmann und Schnittstelle gegenüber der Stadt«, beschreibt er seine Funktion. Im Alltag tauchen rechtliche Fragen auf, Fragen nach Zuständigkeiten, Namen und Ansprechpartnern für konkrete Aktionen. Floter unterstützte, sprach Mut zu, knüpfte Kontakte. Ansonsten hielt Floter sich zurück: Das JuPa sollte seinen Job möglichst autonom machen. Kleiner Dienstweg Es arbeitete sich gut auf dem kleinen Dienstweg. Die JuPa-Treffen fanden stets im HdJ statt. Man kannte sich. »Im JuPa haben die Jugendlichen die Möglichkeit, eigene Themen zu setzen und eigene Lösungsvorschläge für Problemstellungen einzubringen«, sagt Floter. Dass dies oft mit der Erwachsenenwelt kollidiere, liege in der Natur der Sache. Es sei das Spannende an Jugendarbeit. Die Ära Flutsch-Floter geht im Sommer zu Ende: Er verlässt das HdJ. Seit einem Jahr ist Johannes Schmidt Jugendkoordinator der Stadt und damit auch Schnittstelle zum JuPa. Auch er betrachtet als Herzstück der Jugendarbeit das Haus der Jugend: Anlaufstelle für junge Leute, gute Konzerte, Tri-Ball-Contest, Fußballturnier... »Dabei gilt es, immer wieder die Angebotspalette zu überprüfen«, sagt er. Im Hinterkopf möchte er die Jugend- und Bürgerhäuser in den Ortsteilen behalten. Oft sei er Teilnehmer der inoffiziellen JuPa-Sitzungen im HdJ. Schmidt: »Hier entstehen dann auch die Ideen für Projekte und Veranstaltungen oder Beteiligungen des JuPas. Ein Erfolg des letzten JuPas war sicherlich die Veranstaltung `House of Rock´.«  Damit hatten die Jugendlichen ein Zeichen gesetzt für Integration - 160 Besucher fanden zueinander bei Punkrock. Der Erlös dieses Konzerts wird in Kürze dem Mehrgenerationenhaus übergeben. Der Name eines Menschen verrät viel über dessen Herkunft.  Die Frage, warum die Namensliste des noch amtierenden zweiten JuPas von der Buntheit der nächsten Generation Wittlicher kündet, während die aktuelle Kandidatenliste Wittlicher Namen enthält, kann Schmidt nicht beantworten.  »Die Ansprache von potenziellen Kandidaten/innen fand meist auf der persönlichen Ebene statt«, sagt er. Die Jugendlichen sprachen Menschen im eigenen Umfeld an. »Ich denke, dass dadurch eine gute Mischung entstanden ist.« pug, Foto: P.Geisbüsch  Die Kandidatenliste:    Basokur Tunahan, Danziger Straße 81, 28.03.1998, Schüler Becker Justus, Trierer Landstr. 23a, 20.11.1999, Schüler Bonenberger Jannis, Steinsweg 9, 25.06.1999, Schüler Ebertz Tom, Lieserstr. 22, 28.01.1999, Schüler Feldges Joshua, Geschw.-Scholl-Str. 3, 12.05.1999, Schüler Heck Marius, Pleiner Weg 15, 20.11.2000, Schüler von den Hoff Moritz, Kalkturmstr. 51b, 31.10.1998, Schüler Hosp Vincent, Bergweilerweg 14, 21.09.2001, Schüler Illigen Jara, Himmeroder Str. 20, 30.11.2001, Schülerin Melchior Dana, Koblenzer Str. 51, 04.04.2000, Schülerin  Michels Lucienne, Auf'm Geifen 13c,, 24.03.2002, Schülerin  Molitor Anna, Friedrichstr. 17, 12.06.1995, Azubi VVR eG Molitor Mona, Friedrichstr. 17, 27.06.1997, Abiturientin Reingard Annette, Auf dem Büschelchen 44, 28.05.1998, Schülerin Sünnen Antoine, Richard-Wagner-Str. 21, 25.08.2000, Schüler Waibel Julian, Richard-Wagner-Str. 2, 12.12.2000, Schüler Warnholtz Malte, Auf dem Büschelchen 14, 24.07.1993, Student Waxweiler Tim, Trierer Landstr. 41, 06.04.1996, Azubi Kfz.-Mechaniker Weigelt Jan-Ruben, Auf dem Büschelchen 33, 31.08.1996, Schüler Weinand Justus, Kalkturmstr. 63a, 05.01.2000, Schüler