Weniger Würstchen? Nicht bei uns!

Anfang der vergangenen Woche ging ein Aufschrei durchs Land: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte rotes Fleisch, Wurst und Schinken ins Visier genommen. Und, regelmäßig genossen, zum Risiko für Darmkrebs erklärt.
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Erst gehts den Autos, jetzt den Würsten an den Kragen: Die Meldung der WHO traf die Deutschen bis ins Mark. Zumindest die deutschen Männer, denn die essen laut Max-Rubner-Institut fast doppelt so viel Fleisch und Wurst wie die Frauen. In Deutschland ist die Wurst mehr als ein Nahrungsmittel, ist Kulturgut, ist identitätsstiftend mit Produkten wie Schwarzwälder Schinken, Hunsrücker Schwenkbraten, Lyoner oder dem Säubrenner Stägken. Wir wollten wissen, ob die Menschen im Landkreis jetzt ihren Fleisch- und Wurstkonsum drosseln. Nein, sagen unisono alle vom WochenSpiegel befragten Metzger und Fleischer. »Die Leute machen gar nicht so viel Welle deswegen«, weiß eine erfahrene Fleischerei-Fachverkäuferin. Sie erinnert sich noch genau an »ein paar Wochen `Rinderwahn` seinerzeit«.

Die Menge zählt

Diese Erfahrung teilt Andreas Haep aus Wittlich: »Skandale um Fleisch gibt es immer wieder.« Aber ganz gleichgültig, was man im Übermaß zu sich nehme, sagt er, alles sei irgendwann ungesund. Er esse seine eigene Wurst, die Frau und die Kinder auch, und eine bessere Empfehlung könne es wohl kaum geben. Keine Einbußen verzeichnet auch Georg Boesen aus Piesport. Eher im Gegenteil, berichtet er. Er vermutet die Ursache dafür in der hohen Qualität seiner Ware. »Vielleicht ja, weil wir selbst schlachten.« Ebenfalls entspannt bleibt Karl-Josef Pütz aus Osann-Monzel. Die Kunden hätten ihr Konsumverhalten nicht spürbar verändert. »Wenn man das alles beachtet, dann darf man auch keine Luft mehr holen.« Sein Binsfelder Kollege Andreas Mittler hält die aktuelle Studie eh für »...Blödsinn. Ich möchte mich von niemandem missionieren lassen, auch nicht von der WHO.«

Bewusstes Essen

Die Kundschaft lebe heute ohnehin sehr bewusst und kaufe bewusst, gibt Matthias Bungert Auskunft. Jedenfalls jene, die ins Fleischer-Fachgeschäft kommen, und esse bewusst - auch bewusst ausgewogen. Er jedenfalls stellt keine Zurückhaltung fest. »Wir können zum jetzigen Zeitpunkt keine sinkenden Umsätze im Bereich der Fleisch- und Wursttheke bemerken«, so Bungert. Die Mitarbeiter berichteten nur von sehr wenigen Fragen und Kommentaren an der Verkaufstheke. Und wenn, fielen diese größtenteils positiv aus. pug / Foto: Archiv