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Erste Hochwasser-Bilanz in der Grafschaft

Gemeinde zahlt Soforthilfe für Opfer

Gemeinde Grafschaft. Das Unwetter vom 4. Juni und die Regenfälle an den Tagen zuvor haben in der Gemeinde Grafschaft eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Mehr als 120 Haushalte sind stark betroffen, einzelne Familien stehen vor dem Nichts und fürchten um ihre Existenz.

„Täglich treffen weitere Schadensmeldungen von Betroffenen ein. Auch die Schäden im öffentlichen Bereich werden nach und nach offensichtlich. Beziffern können wir das ganze Ausmaß noch nicht abschließend. Es geht aber deutlich in die Millionen, so viel ist klar“, erklärt Bürgermeister Achim Juchem

Nachdem die ersten Aufräumarbeiten erfolgt sind, wird nun das dramatische Ausmaß der Starkregenereignisse deutlich. Besonders schwere Schäden ziehen sich hauptsächlich über die Orte Nierendorf, Birresdorf, Leimersdorf, Niederich, Oeverich, Ringen, Eckendorf und Gelsdorf. Viele Menschen dort haben harte finanzielle Verluste erlitten und können wohl teilweise nicht auf die Regulierung durch ihre Versicherungen hoffen.

Gemeinde zahlt Soforthilfe aus

In seiner Sondersitzung vom 9. Juni hat der Gemeinderat einen Betrag in Höhe von 200 Euro als Soforthilfe für Bekleidung und Dinge des täglichen Bedarfs für die Betroffenen beschlossen – dies unabhängig von einer Versicherung gegen Elementarschäden. Am Freitag, 10. Juni und am darauffolgenden Samstag waren Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung mit dem jeweiligen Ortsvorsteher oder einem Ortsbeiratsmitglied unterwegs, um die Geldbeträge auszuzahlen. Wer nicht zu Hause angetroffen wurde, hat die Möglichkeit, sich zwecks Abstimmung mit Andreas Schneider bei der Gemeindeverwaltung in Verbindung zu setzen (Tel. 0 26 41 / 80 07 – 44 oder andreas.schneider@gemeinde-grafschaft.de).

Weiterhin beraten und entscheiden die Gemeindegremien in ihren anstehenden Sitzungen über die Vergabe der Gelder, die auf den Spendenkonten der Gemeinde eingehen. Hierfür ist es dringend erforderlich, dass die Betroffenen den erlittenen Hausratschaden auf den bereits verteilten Antragsvordrucken melden. Diese stehen auch auf der Homepage der Gemeinde zur Verfügung und sind im Bürgerbüro erhältlich. Die Gemeinde betont dabei, dass bei Hausratschäden Betroffene ohne Elementarschadenversicherung berücksichtigt werden. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Architekten Manfred Dünker aus Grafschaft-Ringen und Hans Hoppe aus Sinzig derzeit im Auftrag der Gemeinde zur Begutachtung von Gebäudeschäden in den Ortsbezirken im Einsatz sind.

Bautrockner verteilt

Die Gemeinde setzt alles daran, die betroffenen Familien zu unterstützen. So wurden in den vergangenen Tagen fast 270 Bautrockner verteilt, die durch eine Initiative der Grafschafter Bauunternehmung Kunkel sowie des Deutschen Rotes Kreuzes zur Verfügung stehen. Bei Bedarf können weitere Geräte beim Bauhof der Gemeinde unter Tel. 0 26 41 / 8 00 22 angefragt werden. 

Die Wassermassen vom 4. Juni haben in der Grafschaft neben Häusern, Grundstücken und Autos auch zahlreiche Straßen, Wege und Brücken in Mitleidenschaft genommen oder gänzlich zerstört. Auch diese Schäden sollen laut Bürgermeister Juchem so schnell wie möglich behoben werden. „Wir sind bereits in Gesprächen mit dem Land. Hier laufen zum Beispiel schon die Abstimmungen, wie die L 79 zwischen Leimersdorf und Birresdorf sowie die zerstörte Brücke wieder hergestellt werden können. Es wird jedoch noch Monate dauern bis alle Schäden beseitigt sein werden. Hierfür bitte ich die Bürgerinnen und Bürger um Verständnis“, so Juchem. Gleichzeitig appelliert die Gemeinde an alle Verkehrsteilnehmer, die ausgeschilderten Umleitungen zu nutzen, auch wenn dies mit zeitlichem Mehraufwand verbunden ist. 

Neben der Schadensbekämpfung wird auch die Errichtung weiterer Schutzmaßnahmen in nächster Zeit höchste Priorität bei den Gemeindegremien haben. Indes betont Bürgermeister Juchem, dass die vorhandenen Rückhaltebecken allesamt gehalten haben. „Entgegen einiger Panikmeldungen, die in den sozialen Medien kursierten, haben alle Becken – auch das neue Becken in Nierendorf – den Wassermassen Stand gehalten. Sie haben aber leider für diese unerwarteten Wassermengen irgendwann nicht mehr ausgereicht. Einen Deichbruch hat es aber an keiner Stelle gegeben“, versichert der Gemeinde-Chef.

In einem gesonderten Grußwort hat Bürgermeister Juchem allen Helfern und Einsatzkräften für deren großartiges Engagement gedankt. Gleichzeit verbindet Juchem mit diesem Dank die Hoffnung, dass die Hilfs- und Spendenbereitschaft für die betroffenen rund 300 Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht abreißt. Helfer werden gebeten, sich mit ihren Angeboten an die jeweiligen Ortsvorsteher oder an die Gemeindeverwaltung zu wenden (Edgar Schwanz, Tel. 0 26 41 / 80 07 30 oder edgar.schwanz@gemeinde-grafschaft.de).

Spenden werden weiter erbeten

Zudem hat die Gemeinde Grafschaft für die Betroffenen Spendenkonten eingerichtet. Bürgermeister Juchem bittet alle Bürgerinnen und Bürger um ihre Unterstützung für die Opfer des Unwetters. Alle Spenden kommen ohne Abzüge den Betroffenen zugute. Spenden können unter dem Stichwort „Hochwasser“ auf folgende Gemeindekonten eingezahlt werden:

Raiffeisenbank Grafschaft-Wachtberg eG
IBAN: DE43 5776 2265 1000 100028, BIC: GENODED1GRO

oder

Kreissparkasse Ahrweiler IBAN: DE38 5775 1310 0000 2573 86, BIC: MALADE51AHR

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Kommentar von Herr Janke
Der Beitrag ist lesenswert und entsprich der Wahrheit. Dennoch befürchtet die Mehrzahl der "Überschwemmungsopfer" das keine zukunftsträchtige Lösung zur Hochwassersicherung kurzfristig durch die Gemeinde und dem Land RP in Kraft tritt. Es ist vielen Gemeindenvertretern noch nicht klar geworden, was sie mit einer "Verzögerungstaktik" bewirken. Meine Frage: Müssen erst Todesfälle durch die Flut zu beklagen sein, bevor die Gemeinde / das BL Rheinland-Pfalz reagiert? Es gibt numal Probleme, die der Mensch recht kurzfristig lösen muss und nicht nur aussitzt. - Ich bedanke mich bei den Lesern für das gezeigte Interesse.
gez. F. Janke