Sybille Schönhofen bil

Die Zeichen stehen auf "Weitermachen wie bisher"

Bitburg. Dreimal Sieg, einmal Niederlage. Landrat Joachim Streit wird mit fast 90 Prozent Zustimmung im Amt bestätigt, Patrick Schnieder (CDU) holt bei der Bundestagswahl wieder das Direktmandat und Joachim Kandels bleibt Bitburgs Bürgermeister. Er musste allerdings bangen. Fast die Hälfte der Wähler hätte künftig lieber seinen Herausforderer Ralf Olk im Rathaus gesehen.

51,9 Prozent der Bitburger haben Joachim Kandels ihre Stimme gegeben. Nur eine hauchdünne Mehrheit hat entschieden, dass er Bürgermeister bleibt. Für seinen Herausforderer Ralf Olk haben 48,1 Prozent der Wähler gestimmt. Nur 141 Stimmen haben ihm bei einer Wahlbeteiligung von 68,3 Prozent gefehlt. Gegenüber 2009 hat Kandels stark an Zuspruch eingebüßt. Damals machte er das Rennen in einer Stichwahl gegen Rudolf Rinnen mit 61 Prozent.


Nach seiner Wiederwahl sagt er: »Von mir ist eine Last gefallen.« Aber es sei »ein freudloser Sieg ohne Genugtuung«. Warum das Ergebnis nicht deutlicher für ihn ausfiel, kann er sich noch nicht erklären. Er werde nun in die Analyse gehen und sehen, ob er Konsequenzen ziehe. In welcher Hinsicht lässt er offen. »Es muss weitergehen für unsere Stadt. Ich biete allen Fraktionen eine Zusammenarbeit an«, auch denen, die ihn nicht unterstützt haben, betont Kandels. »Es geht mir um die Sache, wie wir uns für die Stadt in den nächsten acht Jahren aufstellen und dafür gemeinsam eine Linie finden«, sagt er. Im Fokus stehe für ihn nun, wie es mit der frei werdenden Housing weitergeht. Vordringlich seien auch der Bau der neuen Kita und die Feuerwehrbedarfsplanung, das Parkhauskonzept sowie das Thema Verkehr.   

Trotz Niederlage: Ralf Olk bereut nichts

Für den 52-jährigen Ralf Olk ist die Wahl eine bittere Niederlage. »Ich bereue nichts«, stellt er aber klar. »Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, und die Begegnungen mit den Bürgern wollte ich nicht missen.« Besonders beeindruckt habe ihn, dass er die intensivsten  politischen Gespräche im Wahlkampf ausgerechnet mit jungen Leuten geführt habe - entgegen des Vorurteils, Jugendliche seien desinteressiert. Rückblickend habe er sich nichts vorzuwerfen, sinniert er über die Gründe für die verlorene Wahl.  »Ich würde nichts Wesentliches anders machen.« Auch die Liste Streit und die SPD-Fraktion, die ihm ihre Unterstützung zugesichert hatten, hätten ihre  Zusage »voll umfänglich« eingehalten.

Den Vorwurf,  der seitens Kandels und seiner Unterstützer laut wurde, Olk habe einen unfairen Wahlkampf geführt, kann er nicht nachvollziehen. Es klingt noch der Wahlkampf nach, wenn er mahnt: »Bitburg muss sich darüber klar werden, dass sich die Welt um uns herum rasant dreht und wir nicht so tun dürfen, als bräuchten wir nur die Vergangenheit fortzuschreiben und dann ist gut. Bitburg muss weiter denken und sich nicht nur von Projekt zu Projekt hangeln und Missstände beseitigen.«
Was er nun vorhat? »Ich weiß es nicht«, lautet die knappe Antwort. So oder so habe er sich verändern wollen. Zum Jahresende hat Olk die Geschäftsführung im Jugendhotel Youtel gekündigt.  

Ob er politisch weitermache, könne er noch nicht beantworten. »Ich kann den Bitburgern nur zurufen, besucht die Stadtratssitzungen, macht euch selbst ein Bild, um die politische Arbeit in Bitburg beurteilen zu können.«  Der Stadt und den Bürgern wünsche er eine gute Zukunft und für deren Gestaltung dem Bürgermeister eine gute Hand.
Bei der Landratswahl hingegen ergab sich ein glasklares Bild. Joachim Streit, der als einziger Kandidat antrat,  wurde mit 88,4 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 71,1 Prozent im Amt bestätigt. Dass es mehr würde als 2009, als er mit 75 Prozent gewählt wurde, hatte er gehofft.

Nach der Halbzeit den Wandel bis zum Ende mitgestalten

»Es ist super, unglaublich schön. Fast 90 Prozent. Besser geht nicht«, freut sich Streit.  Sein Plan für die Amtsfortführung: »Weitermachen wie bisher.« Es ist Halbzeit bei allen großen Projekten, die unter seiner Führung in den zurückliegenden Jahren angegangen worden sind. Dazu gehören der  Schulausbau, die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet und der Zukunftscheck Dorf, die »größte Bürgerbewegung im Kreis, vielleicht sogar im ganzen Land« nach Streits Worten. Die regionale Energiewende, Sicherung der hausärztlichen Versorgung, Ausbau von Pflege und Kitas und ein neues ÖPNV-Konzept stehen außerdem auf der Agenda des Landrats. »Ich freue mich, dass ich das weiter begleiten darf«, so Streit.


Statt wie für Streit rauf, ging es für Patrick Schnieder runter. Als Direktkandidat der CDU gewinnt er den Wahlkreis deutlich mit 51,2 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 77 Prozent. Allerdings hatte er 2013 noch einen Stimmenanteil von 56   Prozent. Schnieder: »Im Wahlkreis haben wir trotz Verlusten immerhin das viertbeste Ergebnis der CDU bundesweit erzielt. Mit meinem Erststimmenergebnis bin ich sehr zufrieden.« bil

 

Kurzkommentar

Ralf Olk hat alles auf eine Karte gesetzt und ... verloren.  Zehntausende aus der Privatschatulle und der Job adé. Das zu riskieren ist mutig. Egal, ob man zu den 48,1 Prozent gehört, die ihn wollten, oder zur anderen Hälfte -  es ist beeindruckend, wenn Menschen so viel wagen, um ihren Traum wahr zu machen. bil

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