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Historischer Fund dokumentiert Leben in der NS-Zeit

Kreis Euskirchen. Seltene Bilder: Dem Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz wurde bisher unveröffentlichtes Bildmaterial von Euskirchen in der NS-Zeit zugespielt.

»Wenn bei uns ein Greis stirbt, dann verbrennt eine ganze Bibliothek« ist eines der bekanntesten Zitate des großen alten Mannes der Republik Mali, des Muslims Amadou Hampaté Bâ. Dieses Zitat gilt nicht unbedingt für moderne Länder mit vielen Universitäten und unzähligen Archiven. Wenn es aber um brisante Themen und Fotodokumente aus dem Dritten Reich geht, dann könnte der Nachlass eines Verstorbenen doch von Interesse sein. Dies erfuhr der Euskirchener Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz, bereits, als er vor zwei Jahren mit den bis dahin unbekannten Aufzeichnungen des Gauleiters Josef Grohé in die Öffentlichkeit ging.

Historische Bedeutung

Vor wenigen Tagen erhielt Hans-Dieter Arntz von dem Kölner Dipl. Ing. Andreas Fassl das Fotoarchiv seines Großvaters, Dr. Erwin Fassl (1892–1941), der in der Zeit von 1931 bis 1937 Kreisleiter von Euskirchen war. Im Euskirchener Stadtarchiv befindet sich die Kopie einer Urkunde vom 12. November 1937, die Dr. Erwin Fassl als Ehrenbürger ausweist. Wenn auch die politische Funktion des Hals-Nasen- und Ohrenarztes, der in der Hochstraße eine florierende Praxis hatte, durch seinen Karrieresprung zum geschäftsführenden Kurator der Universität Köln ein Ende fand, so sind die und Bilder des begeisterten Hobby-Fotografen von historischer Bedeutung. Sie dokumentieren das Alltagsleben der Euskirchener, das sichtbar vom Zeitgeist des Nationalsozialismus infiziert war.

Einzigartige Sammlung

Etwa 200 Fotos beinhalten zum Beispiel die Hochstraße oder das damalige Straßenbild mit obligatorischen Beflaggung, die Aufmärsche der jeweiligen NS-Formationen, Karnevalsumzüge, Persönlichkeiten oder Wahlen bzw. Abstimmungen. Ein historisch besonders bedeutsames Foto dokumentiert die Ansammlung vor dem damals noch jüdischen »Eifelkaufhaus Herz/Tietz« anlässlich des »Boykott-Tages« am 1. April 1933. Derartiges findet man heutzutage in keinem Archiv der Altkreise Euskirchen und Schleiden.

Hans-Dieter Arntz weiß heute noch nicht, in welcher Form er das erhaltene Fotomaterial der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte, da zurzeit mehrere Projekte laufen.

Bücher verröfentlicht

Nach längerer Pause und dem Wechsel von seinem bisherigen Herausgeber in Aachen zum renommierten Regionalia Verlag in Rheinbach erscheinen nun Ende September 2017 zwei seiner neuen Bücher: die 7. aktualisierte Auflage des Standardwerkes »Ordensburg Vogelsang 1934-1945« in komplett neuer Gestaltung und zum anderen das umfangreiche Sachbuch: »Verfolgung, Holocaust und dann die große Stille.«

Hans-Dieter Arntz

Seit etwa vier Jahrzehnten publiziert der in Euskirchen-Rheder lebende Sozialwissenschaftler zum Thema Judentum, Nationalsozialismus, Ordensburg Vogelsang und Kriegsende 1944/45 in der Eifel. Auch durch seine Homepage erfährt man von seiner systematischem Archivarbeit und besonders von seinen „investigativen Recherchen". Letzteres konzentriert sich auf ganz spezielle Begegnungen und Interviews mit Zeitzeugen und deren Hinterbliebenen. Dass durch diese persönlichen Kontakte oft die Vernichtung von Dokumenten, Urkunden und Fotoalben verhindert werden konnte, bereichert heute die Regionalhistorie des Kreises Euskirchen.

@ Mehr dazu im Netz:   

www.hans-dieter-arntz.de

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