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Omas Hintern

Manni kallt platt. Die Rechtschreibreform hat den meisten Menschen schwer zu schaffen gemacht, die es noch anders gelernt hatten. Ich kann mich da nicht ausnehmen. Kam bei uns zu Hause erschwerend dazu, dass Eifeler Platt unsere Muttersprache war - und die von Vater, Großeltern und Geschwistern auch.

Selbst in der Lokalredaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“ in Euskirchen, in der ich 15 Jahre gearbeitet habe, war der rheinische Dialekt die Amtssprache. An der Journalistenuni Dortmund kursierte seinerzeit ein Führer zu den besten Praktikumsstellen in NRW. Da hieß es über die Eifel-Ausgabe des Stadt-Anzeiger: „Hervorragende Ausbildungsredaktion, aber ACHTUNG: Sprachprobleme!“

Lange Rede kurzer Sinn: Konferenzsprache war Platt, geschrieben wurde in Hochdeutsch. An die Mischung habe ich mich seither gehalten. Was die Rechtschreibreform vor 15 Jahren anbetraf, so habe ich von einem alten Eifeler Native-Speaker einen erstklassigen Rat bekommen, wie Groß- und Kleinschreibung funktioniert.

Er sagte zu mir: „Datt öss em Prinzip janz eenfach – alles, watt de ahnpacke kanns, witt jrueß jeschrevve unn alles, watt de net ahnpacke kanns, witt kleen jeschrevve.“ Dann gab er mir einen Übungssatz: „Unsere Oma sitzt hinterm Ofen“.

Habe ich so gelöst: „Unsere“ kann man nicht anfassen, wird also klein geschrieben. „Oma“ kann man anfassen, wird groß geschrieben, „Sitz“ mithin auch. „Hintern“ kann man ebenfalls anfassen (allerdings Vorsicht je nachdem, um wessen Hintern es sich handelt!), wird also auch großgeschrieben.

Und „Ofen“ kannst du nicht anfassen, jedenfalls im Winter nicht, wenn er befeuert wird, also „heeß jestauch öss“. „ofen“ wird also logischerweise auch klein geschrieben. Das ergibt unter dem Strich folgende Schreibweise des erwähnten Übungssatzes: „unsere Oma Sitz Hintern ofen“.

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