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Ein Leben zwischen Benzin und Diesel

Cochem. Paul und Christa Conradi haben fast ihr halbes Leben zwischen Diesel und Benzin verbracht. Mitte dieser Woche ist jetzt Schluss.

Fast 26 Jahre war die Shell-Tankstelle an der Cochemer Moselpromenade ihre zweite Heimat: Paul und Christa Conradi legen jetzt symbolisch die Zapfpistolen in andere Hände. "Am Heiligen Abend hatten wir etwas kürzer auf und am 1. Weihnachtstag geschlossen. Sonst waren wir von 7 bis 22 Uhr da", lacht das Ehepaar.

Hochwasser bedrohte Existenz

Begonnen hat alles am 2. August 1992. An diesem Tag erfüllte sich der Traum des gelernten Kfz-Mechanikers. Paul Conradi konnte die Shell-Tankstelle übernehmen und eine Zweiradwerkstatt mit einem Roller-Handel eröffnen. 16 Monate später hätte der Traum bereits platzen können. Das Jahrhunderthochwasser an Weihnachten 1993 zerstörte das Tankstellengebäude des Jungunternehmers. "Glücklicherweise hat die ,Shell‘ alles geregelt. Sonst wäre es das Ende gewesen", erzählt der Bücheler, der den Tankstellenbetrieb im Rohbau aufrecht erhielt. Die Hochwassererfahrung war prägend. "Heute können wir in rund zehn Stunden alles räumen und die Versorgungseinrichtungen sind auch sicher", sagt Conradi, dessen Blick in Hochwasserphasen aber immer mit Argwohn in Richtung Mosel ging.

Auf der Toilette eingesperrt

Conradi ist heute noch einer von zwei Einzelunternehmern des Konzerns, die in Deutschland tätig sind. Es hat sich viel geändert in den vergangenen Jahrzehnten. ",Shell‘ hat immer viel Wert auf seine Kraftstoffe gelegt. Der Anteil des Shops ist aber auch bei uns immer mehr gestiegen", erzählt der Pächter, der heute die Entwicklung vom Kfz-affinen Betreiber zum Kaufmann sieht. Zweimal wurde die Tankstelle überfallen. "Das kann überall passieren", so die lapidare Einschätzung. Ein "neues Kassensystem" stehe zudem für Sicherheit, denn Bargeld wandert direkt in einen Tresor. Eine etwas andere Geschichte bleibt Paul Conradi aber immer in Erinnerung. Ein Kunde musste auf die Toilette, kam aber nicht zurück und sein Auto blockierte die Zapfsäulen. "Plötzlich standen zwei Polizisten im Shop und fragten wen ich auf der Toilette gefangen halte? Der Mann hatte es geschafft den Schlüssel abzubrechen. Letztlich wurde er nach viel Lamento von einem Schlüsseldienst befreit", lacht Conradi heute noch.

26 Jahre Urlaub nachholen

Und was kommt jetzt? "Unsere Kinder haben wir an der Tankstelle groß werden sehen. Das soll uns mit unseren Enkeln nicht passieren. Am Anfang sind wir auch immer getrennt in Urlaub gefahren. Jetzt holen wir 26 Jahre verlorenen Urlaub nach", blicken die Conradis zufrieden zurück und mit Vorfreude auf "hoffentlich viele gemeinsame Jahre" voraus.

Foto: Pauly

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»Wo Bäume sind, da ist auch Regen«

Konzen. Bruder Theo Call ist auf Besuch in der Konzener Heimat. Der Rotary Club Monschau-Nordeifel unterstützt den Weißen Missionar bei einer Baumpflanz-Aktion in Tansania.Konzen/Kabanga (Fö). Er baut Kirchen, Tische und Bänke für Schulen, er ist Schreiner, Schlosser, Automechaniker, Lehr-meister, Bau-Unternehmer und kümmert sich um Albinos, Behinderte und Flüchtlinge. In Tansania gaben sie ihm den Titel »Hokwa«, was in der Landessprache Kisuaheli so viel wie »starker Mann« bedeutet. Bruder Theo Call strotzt vor Tatendrang – und das, obwohl er kürzlich den 80. Geburtstag gefeiert hat. Fünf Monate verbringt der Missionar der »Weißen Väter« in Konzen, nur alle fünf Jahren macht er Urlaub. »Das ist kein Urlaub, er sammelt Spenden für sein neuestes Projekt«, unterstreicht Martin Krings, Vorsitzender des Fördervereins »Bruder Theo Call«.Der gebürtige Konzener besuchte den Rotary Club Monschau-Nordeifel. Eine Wasserturbine errichtet der Geistliche mit handwerklichem Geschick. »Wenn Strom da ist, kommen die Menschen von alleine«, so Bruder Theo Call. Als er einst nach Kabanga kam, lebten dort 2.000 Menschen. Durch eine stark verbesserte Infrastruktur, die auf seinen Tatendrang zurückgeht, hat sich der Ort auf 15.000 Bewohner vergrößert. Bis Ende 2019 wird es noch dauern, bis das Wasser eines kleinen Baches samt großem Wasserfall eine Turbine andrehen kann, die 130 Kilowatt Strom produziert. »Unser Priesterseminar lebt davon, das Krankenhaus mit 160 Betten auch, ebenso die Schwestern jenseits des Flusses«, verdeutlicht der Missionar.Alles wird von Hand gemacht140.000 Euro hat das Projekt bislang gekostet. »Davon haben wir einen Berg abgetragen, eine Straße gebaut und große Teile der Rohrleitung gelegt«, erklärt Theo Call. Weitere 100.000 Euro benötigt er jedoch noch. »Die Hälfte trägt Misereor, die andere wir. Wir brauchen dringend weitere Förderer«, appellierte Martin Krings. Etwa 30 Arbeiter beschäftigt Theo Call, schließlich muss fast alles mit der Hand gemacht werden – Gräben ziehen oder Rohre verlegen, Bretter sägen oder dicke Felsbrocken zu Kieselsteinen verarbeiten.Aktuell sind seine Bauarbeiter, die rund 2 Euro pro Tag verdienen, dabei, die Fundamente für die Staumauer in der Böschung vorzubereiten. Br. Theo hat den Fluss über einen langen Zeitraum beobachtet und gemessen, wie viel Wasser transportiert wird. »Bei der letzten Messung waren es 3.000 Liter pro Sekunde.« Bei den Arbeiten ging ein Generator kaputt, der jedoch von der Firma Wasserkraft Volk AG kostenlos ersetzt wurde. »Es braucht alles seine Zeit, aber ich bin guter Dinge, im nächsten Jahr fertig zu werden«, erklärt der Weiße Missionar.Ein Hektar voller BäumeDie Rotarier der Eifeler besuchte Theo Call wegen eines anderen Projekts, Der Präsident der gemeinnützigen Organisation, Ian Riseley, hat gefordert, dass jeder Rotarier symbolisch einen Baum pflanzen solle. Diesem Wunsch kamen nun die Rotarier aus Nordeifel und Aachen nach. 175 Bäume werden Bruder Theo Call gestiftet. »Bäume ziehen den Regen an«, unterstreicht der 80-Jährige die Bedeutung der Aktion. 30000 Bäume hat er schon gepflanzt auf einer Freifläche hinter dem Stausee seiner Heimat. Seither ist genügend Wasser vorhanden, um die geplante Turbine antreiben zu können.Die nun gestifteten Bäume werden auf einer etwa einen Hektar großen Freifläche angepflanzt. »Langsam entsteht auch bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für nachhaltigen Naturschutz«, erklärt Bruder Theo Call und gerät direkt ins Grübeln. Naturschützer haben sein Turbinen-Projekt ein Jahr lang lahmgelegt, »weil angeblich Frösche in die Rohrleitungen kriechen und dort verenden. Dabei ist das Wasser derart versschmutzt, dass kein Frosch dort überleben würde.« Und wenn Bruder Theo Call dann in seine Konzener Heimat kommt, merkt er, dass manche Probleme hüben wie drüben sehr ähnlich sind...Besuch beim FördervereinIn die Gaststätte »Achim & Elke« sind am Donnerstag, 19. April, um 18.30 Uhr alle Mitglieder, Freunde und Gönner des Fördervereins Bruder Theo Call geladen. Der Weiße Missionar wird selbst vor Ort sein und auch anderen Interessierten über seine Arbeit berichten. Kontakt, Mitglieds- und Spendenmöglichkeit im Netz unter www.krings-martin.de/foerdervereinBruder Theo Call ist auf Besuch in der Konzener Heimat. Der Rotary Club Monschau-Nordeifel unterstützt den Weißen Missionar bei einer Baumpflanz-Aktion in Tansania.Konzen/Kabanga (Fö). Er baut Kirchen, Tische und Bänke für Schulen, er ist…

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