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Ein "Createur des Genusses"

Kail. Hubertus Vallendar (54) ist nicht nur Brennereibesitzer, er brennt auch förmlich für seinen Beruf. Der "Createur des Genusses" gehört zu den weltweit besten Destillateuren. Zahlreiche Auszeichnungen belegen die Qualität seiner Produkte, die er seiner Leidenschaft zurechnet. Mit einem Williams-Brand begründete er seine Ausnahmestellung. In seiner Brennerei in Kail produziert er zurzeit 64 verschiedene Edelbrände.

Der Erfolg beim Brennen ist für Hubertus Vallendar zum einen Handwerk und zum anderen 100 Prozent Sensorik. Geschmack und Geruch entscheiden über Erfolg und Misserfolg. "Das ist die Basis von allem", sagt der Brenner, der als Quereinsteiger zu einem der besten seiner Zunft avancierte. Zunächst absolvierte Vallendar nämlich eine Schreinerlehre im Kloster Ebernach, die er als Bester in Rheinland-Pfalz abschloss. Im Kloster Ebernach half er auch schon in der Brennerei aus, denn der Superior Maximilian und sein ebenfalls brennender Vater waren befreundet. "Das war mir aber zu langweilig. Mich faszinierte die Physik und nach dem Fachabitur habe ich noch eine kaufmännische Ausbildung drauf gesattelt. Anschließend habe ich Brennerei-Anlagen gebaut und vertrieben. Zuerst an der Mosel und später in der ganzen Welt", erzählt der 54-Jährige. Zwei Drittel des Jahres war er unterwegs und das war ihm irgendwann zuviel.

Von der Mosel in den Eifelort

Sein Faible für den Bau von Brennerei-Anlagen brachte ihn dann ganz zur Produktion von Hochprozentigem. "Ich musste brennen, um zu sehen, ob es funktioniert", so der Perfektionist, der 1987 in Pommern seine erste eigene Brennerei eröffnete. Elf Jahre und zwei Jahrhundert-Hochwasser später zog es den Moselaner nach Kail. Hier steht heute eine lichtdurchflutete Brennerei mit einer einladenden Destithek. Eine Entscheidung, die er nicht bereut hat. Vallendar fühlt sich wohl im kleinen Eifelort und sein Schwärmen von der "tollen Nachbarschaft" ist alles andere als ein Lippenbekenntnis. Das gehört sicher auch zu den Geheimnissen seines weltweiten Erfolgs.

Regional und global

Er, der auf der ganzen Welt gearbeitet hat und der neben seinen eigenen Produkten auch Brände und Rezepturen für andere entwickelt, schafft in Kail den Spagat zwischen Regionalität und Globalität. Ein Beispiel: Vallendar führt gerne den Roten Weinbergpfirsich und den Winninger Winzer Reinhard Löwenstein an. Beide stehen für die Kulturlandschaft Mosel, die, so Vallendar, "erfrischend, authentisch und geschichtlich geprägt" ist. Dass er im Moment mit Vietnamesischem Pfeffer experimentiert ist die andere Seite. "Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig", spricht aus ihm wieder der Perfektionist. Für Vallendar ist der Reifegrad des Obstes, der die Weichheit eines Brandes bestimmt, entscheidend. Bei der Destillation, für das er als Ausgangsprodukt nur das Mus verwendet, seien nur noch "Korrekturen" möglich. Dass ihm das Zusammenspiel aller Produktionsfaktoren sehr gut gelingt, wird ihm seit Jahren mit vielen internationalen Auszeichnungen bestätigt. "Ich habe den ,World Spirits Award' in allen drei Kategorien gewonnen. Das hat noch keiner geschafft", ist Vallendar stolz auf seine Edelbrände. Der jüngste Erfolg ist allerdings für ihn noch wertvoller. Sein Sohn Mario hat im August eine Lehre als Brenner und Destillateur begonnen. "Als er mir seinen Wunsch eröffnet hat, war ich total überrascht und es war für mich, als ob Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen würden", freut er sich über die mögliche Nachfolge in der Familie.

Fotos: privat / Pauly

www.vallendar.de

 

 

 

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