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Als sich an der Mosel eine bizarre Eiswelt türmte

Pünderich. Peter Friesenhahn schmunzelt: Die Spuren des jüngsten Moselhochwassers hat er schnell beseitigt. 15 Zentimeter stand die braune Brühe im Erdgeschoss seines Hauses. Jetzt ist wieder alles trocken und er kann mit Hilfe seines Nachbarn wieder die schwere Haustür aus Eiche einhängen. "Die würde sich durch das Wasser ja verziehen", lacht der Pündericher, der mit seiner Frau nur einen Steinwurf von der Mosel entfernt in einem Fachwerkhaus wohnt. Hochwasser gehören für ihn zum Leben an der Mosel dazu. Das bringt ihn nicht aus dem Gleichgewicht.

Ein Ereignis aus dem Januar des Jahres 1997 war da schon ein anderes Kaliber. Friesenhahn hatte im Jahr zuvor seinen Beruf als Lehrer und Orchesterleiter an der Kreismusikschule Cochem-Zell an den Nagel gehängt und mit 44 Jahren einen neuen Lebensweg eingeschlagen. Er wollte - nachdem er eine Ausbildung zum Betriebswirt für Tourismus absolviert hatte -  als freischaffender Musiker, Autor und Filmenmacher seinen Lebensunterhalt bestreiten.

Früher hatte er bereits Super 8-Filme gedreht; jetzt nahm er eine Digital-Kamera in die Hand und legte los. Das Objekt seiner Begierde: die Mosel - von der Quelle bis zur Mündung. Wenn er heute über diese Zeit berichtet, glänzen seine Augen noch immer. Die Natur an seinem Fluss hat es ihm halt angetan. Und auch dem Hochwasser hat er während seiner Studienzeit bereits 1977 eine Hymne gewidmet.

Der Winter 1996/97 bringt mit Minusgraden auch Eis. Die Mosel friert zu und der Fluss ist eine große Freiluft-Sportfläche. Schlittenbahnen enden auf dem Eis; Kinder und Erwachsene schnüren ihre Schlittschuhe: es ist ein Wintermärchen. Peter Friesenhahn ist mit der Kamera dabei. Er dokumentiert das Naturschauspiel. "Sogar Tore standen auf dem Eis. Der Fährmann sägte rund um die Fähre mit einer Kettensäge Löcher ins Eis, um sie vor dem Eisdruck zu schützen. Am Ufer brannte ein Feuer, darüber hing ein Topf mit heißem Wein. Eine über 80 Jahre alte Frau mit Gehstock kam damals ans Ufer, schaute auf das Getümmel auf dem Eis und fragte: 'Nimmt mich jemand mit aufs Eis, ich will noch mal auf die andere Seite, weil, so was erlebe ich bestimmt nicht mehr'", erinnert sich Friesenhahn.

Doch das Glück war trügerisch, denn mit einsetzemdem Tauwetter und Regen brach die Eisdecke auf. Die Eisschollen stauten sich vor der Staustufe in St. Aldegund auf und es entstand eine bizarre, arktisch anmutende Landschaft. Durch Heben und Senken der Stau-Sektoren sollte das Eis gebrochen werden. Dass gleiche galt für Sprengungen aus einem Polizeihubschrauber. "Bei uns in Pünderich stieg die Mosel. Dann fing es an zu krachen und zu rauschen", beschreibt Friesenhahn, die gespenstische Geräuschatmosphäre.

Dass sich in Alf eine Katastrophe anbahnte, war ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. "Dann musste ich meine Frau zum Bahnhof nach Bullay fahren und als ich dort ankam, setzten sich die Eismassen in Bewegung und schossen mit lautem Donnern über das Stauwehr", so der Pündericher, der in einen Weinberg  oberhalb von Bullay fuhr, seine Kamera auspackte und das eisige Schauspiel aufnahm. Für Alf mit verheerenden Folgen, denn das in Bewegung gekommene Eis schoss mit viel Wasser in die Ortschaft. Ergebnis: überflutete und beschädigte Häuser. 2Es war sozusagen mein erster Naturfilm", versucht der Filmemacher eine Einordnung in seine folgenden Arbeiten. In denen spielt die Mosel und ihre Dörfer und Städte eine besondere Rolle. Zurzeit ist ein Buch über die Mosel in Arbeit.

Der Film von Peter Friesenhahn über den Eisgang im Januar 1997 ist im Internet abrufbar:

www.youtube.com/watch?v=yEdcNdcivgo

Weitere Informationen unter:                                
www.mosel-film.de

Foto: Pauly

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