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Gute Perspektiven für Arbeitnehmer

Stadt Trier. Noch nie gab es so viele sozialversicherungspflichtige Jobs. Das Ergebnis sind gute Perspektiven für Arbeitnehmer, doch neue Herausforderungen für Arbeitgeber – vor allem in der Region.

Was allgemein als frohe Botschaft gilt, dürfte den Arbeitgebern der Region Trier zunehmend Sorgenfalten auf die Stirn legen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr bei nur 3,7 Prozent, pro Monat gab es im Schnitt mehr als 4.800 offene Stellen. Sogenannte Vakanzen sind, wie Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Trier, und Dirk Hannowsky, Geschäftsführer der Agentur, bei ihrer Jahrespressekonferenz anhand der Statistik erläuterten, immer schwerer zu besetzen.

"Unternehmen müssen sich gut aufstellen"

Es gab 2017 mit knapp 173.000 Stellen bereits rekordverdächtig viele sozialversicherungspflichtige Jobs, sogar über 2.500 mehr als im bereits starken Vorjahr, aber der Bedarf an Arbeitskräften ist in vielen Branchen immer noch nicht gedeckt. Daran ändert auch die saisonal übliche kleine Winterdelle nichts, die sich vor allem in der Gastronomie und in den Baugewerken bemerkbar macht. "Wir haben eindeutig einen Bewerbermarkt", sagt Wilhelmi, "das heißt, die Unternehmen müssen sich gut aufstellen und attraktivere Angebote machen."

Die Betriebe der Region konkurrieren im Süden und Westen mit Luxemburg, im Norden und Osten mit dem Köln-Bonner Raum. Dabei stellt sich die Lage in den verschiedenen Landkreisen der Region und in Trier unterschiedlich dar. In Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg gab es mit jeweils drei Prozent im Jahresdurchschnitt die niedrigste Arbeitslosenquote, Tendenz weiter zurückgehend. Auch in der Stadt Trier, die mit 5,1 Prozent die höchste Quote im Jahresdurchschnitt aufwies, wurde ein Rückgang um 0,6 Prozent verzeichnet.

Lohnniveau an Wettbewerbssituation anpassen

An diese Wettbewerbssituation müsse zum Beispiel das Lohnniveau angepasst werden. "Zwar gibt es bei vielen auch den Wunsch nach einer guten Work-Life-Balance, und die wird durch tägliches Pendeln und Staus beeinträchtigt", räumt Wilhelmi ein, "aber dennoch muss am Ende das Einkommen stimmen." Darüber hinaus werde die jahrelang von Arbeitgebern gern praktizierte Befristung von Beschäftigungsverhältnissen nun zum Auslaufmodell. "Damit tun sich die Firmen keinen Gefallen. Der Markt regelt das zugunsten der Arbeitnehmer, welche immer mehr Auswahl an unbefristeten Anstellungen haben."

Beratungsschwerpunkte haben sich geändert

So haben sich die Beratungsschwerpunkte der Arbeitsagentur verändert. Wilhelmi und Hannowsky verweisen auf den kostenfreien Arbeitgeber-Service, der stärker in Anspruch genommen werden könne. "Wir unterstützen mit unseren Programmen finanziell und in Sachen Weiterbildung. Denn es wird immer klarer: Auch Menschen mit Beschäftigungshemmnissen werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht." Gemeint seien da zum Beispiel Ältere, Frauen nach mehrjähriger Familienphase jenseits des Erwerbslebens oder Jugendliche, Migranten, Langzeitarbeitslose und Gehandicapte, die – noch – nicht passgenau oder ausreichend qualifiziert sind. "Darin stecken echte Potenziale." Doch wie die regelmäßigen Besuche der Arbeitsagentur-Vertreter vor Ort in den Betrieben zeigten, werden die Chancen unterschätzt. "Mein Appell lautet also, sich auf alternative Besetzungsstrategien einzulassen."

Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt greift

Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt fange im Übrigen an zu greifen. Der Höchststand der gemeldeten Arbeitslosen ausländischer Herkunft sei im Januar 2017 mit mehr als 2.700 Personen, davon rund 1.000 aus Asylherkunftsländern, erreicht gewesen. Im Dezember waren es in der gesamten Region Trier nur noch rund 750 Betroffene mit Asylgrund. "Ihre Zuwanderung stagniert, nun werden sie in entsprechenden Kursen fit gemacht für die hiesigen Unternehmen." Es gebe in der Region vorbildlich engagierte Betriebe, die Kooperationen miteinander schließen und Kammern sowie Arbeitsagentur fordern, um mit den Geflüchteten einen Teil des Arbeits- und Fachkräftebedarfs zu decken.

So sieht es in Stadt und Kreis aus

Stadt Trier

Während die Arbeitslosenquote im Dezember 2016 bei 5,5 Prozent lag, betrug sie im Dezember 2017 nur noch 4,6 Prozent (ein Plus von 0,2 Prozent gegenüber November 2017). Der Rückgang der Arbeitslosigkeit betrifft in der Stadt Trier vor allem den Bereich des SGB II und die sogenannten Unterbeschäftigten. Hierunter fallen zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch jene Personen, die an einer Arbeitsförderungsmaßnahme teilnehmen oder kurzfristig erkrankt sind und somit nicht im Sinne des Sozialgesetzbuches als arbeitslos gelten.

Kreis Trier-Saarburg

Entgegen dem Trend in der Stadt Trier und den benachbarten Landkreisen ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Trier-Saarburg auch im Dezember nochmals leicht gesunken. 2.182 Arbeitslose waren im Dezember registriert, 25 weniger als im November. Verglichen mit dem Vorjahr waren es 366 Arbeitslose weniger. Die Arbeitslosenquote stagnierte gegenüber dem Vormonat bei 2,7 Prozent, 0,5 Prozent weniger als im Vergleichsmonat 2016.Dieser Rückgang im Vergleich zum Vormonat ist auf den Bereich des SGB II zurückzuführen.

Eifelkreis Bitburg-Prüm

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm lag die Erwerbslosenquote im Dezember 2017 unverändert im Vergleich zum November bei 2,6 Prozent (gilt als Vollbeschäftigung) und umfasste 1351 Personen. Dem gegenüber standen knapp 28.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (30. Juni 2017). Besonders stark rückläufig war die Zahl der Arbeitslosen ausländischer Herkunft mit einem Minus von 20,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresdezember. Seit Jahresbeginn 2017 wurden 2271 neue offene Jobs gemeldet, allein im Dezember kamen 180 neue Arbeitsstellen hinzu.

Kreis Bernkastel-Wittlich

Im Kreis Bernkastel-Wittlich macht sich auf Grund der zahlreichen Gastronomiebetriebe die saisonale Schwankung besonders stark bemerkbar. Die Arbeitslosenquote im Dezember 2017 lag mit 3,3 Prozent um 0,2 Prozentpunkte höher als im November 2017. Im Vergleich zum Dezember 2016 ergibt sich jedoch eine Verbesserung um 0,5 Prozentpunkte. Mit 40.042 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (30. Juni 2017) gegenüber 2037 Arbeitslosen (Dezember 2017) und mit seit Jahresbeginn 3593 neu geschaffenen offenen Stellen ist der positive Arbeitsmarkttrend deutlich erkennbar.

AKO

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