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Verlangere

Manni kallt platt. Wer sich sehnlich nach Hause zurückwünscht, also Heimweh hat, was in der Eifel fast so schlimm ist wie Zahnweh („Zankpengk“), der „hätt et Verlangere“. Der Mensch verlangt im Wortsinn nicht etwas, alles in ihm verlangt danach, er hat Sehnsucht.

Verliebte haben „et Verlangere“, wenn sie getrennt sind, das Phänomen ist so stark, dass es auch Haustiere befällt, die „et Verlangere“ nach Herrchen oder Frauchen „kreije“ und oft für Tage die Nahrungsaufnahme verweigern, wenn eine/r von beiden das Haus (für immer) verlassen hat.

Ein anderes, ähnlich klingendes altes Wort, „verlange“, hat eine völlig andere Bedeutung. „Et soll mich ens verlange, watt der Dreckes säht“ heißt es in einem Eifeler Liebeslied, in dem das Mädchen zu gerne gewusst hätte, was der geliebte Heinrich wohl dazu sagen wird, dass sie ein Auge auf ihn geworfen hat.

Bei unerwiderter Liebe wird man leicht „verkiert“ (wörtlich „verkehrt“ für übellaunig) oder bekommt eben „et Verlangere“, dann im Sinne von „Liebeskummer“. Ist das Liebeswerben hingegen von Erfolg gekrönt, „vermaache sich“ die zwei – das übersetzt der Eifeldichter Fritz Koenn mit „sich kurzweilig beschäftigen“.

Kinder darf man nicht „vertüttele“ (verzärteln, verhätscheln, verwöhnen), sonst werden sie am Ende „vernengt“ oder „verdräht“ (durchtrieben), „verschmeulich“ (leicht beleidigt) oder auch gerne „verschnupp“ (wählerisch beim Essen).

Kinder muss man „verwahre“ (beaufsichtigen) und „verteere“ (versorgen), man darf sie seit 1969 selbst in der Schule nicht mehr „verwammesse“, verkamesöle“ oder „vertubbacke“ (verprügeln), sonst sind sie nachher „verkiert“ (übellaunig), „vermolästiert“ (übel zugerichtet) oder sogar „verschengeliert“ (entstellt) an Leib und Seele.

„E hatt Woerd“ darf allerdings „jekallt were“, damit die „Puute“ wissen, „watt mangs öss“. Ein hartes Wort darf gesagt werden, damit die „Pänz“ wissen, was Sache ist.

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