Ein bisschen Spaß muss sein - auch mit 70 Jahren

Helmut Etschenberg, der Aachener Städteregionsrat und Ex-Prä

Menschen aus der Region. Helmut Etschenberg, der Aachener Städteregionsrat und Ex-Präsident der Zukunftsinitiative Eifel (ZIE), hat sein 70. Lebensjahr vollendet.

Helmut Etschenberg hatte 1963 im Alter von 15 Jahren seine Verwaltungsausbildung beim Kreis Aachen begonnen. Schon in jungen Jahren wurde der heutige Städteregionsrat persönlicher Referent von zwei Oberkreisdirektoren, mit erst 28 Jahren Kreissozialamtsleiter und mit 32 Stadtdirektor von Monschau.

1993 kehrte er zurück aus der Stadt- in die Kreisverwaltung, wurde Kreisdirektor und Sozialdezernent. Zweimal wurde Etschenberg in dieser Position vom Kreistag wiedergewählt. Im April 2009 wollte er nach 46 Berufsjahren eigentlich in Pension gehen, aber dann rief man ihn als Verwaltungschef und politisches Oberhaupt der neu gebildeten Städteregion, einem Zusammenschluss von Stadt und Kreis Aachen, den er selbst mit vorbereitet hatte.

Etschenberg sprang nach Rücksprache mit seiner Frau Anita anstelle des Baesweiler Bürgermeisters Dr. Willi Linkens ein: »Die Aufgabe macht mir jetzt richtig Freude.«

Naturerlebnisregion Nr. 1

Die Eifel sah der damalige Präsident der Zukunftsinitiative Eifel in einem Interview mit Sven Larres und Manfred Lang »auf dem Weg zur Naturerlebnisregion Nummer Eins in Mitteleuropa«. Nationalpark Eifel, Naturparks und Tourismus florierten auf hohem Niveau. Ravel-Route und Eifelsteig seien weltberühmt, Dauner Maare, Laacher See und Hohes Venn lockten zahlreiche Touristen an. Die Eifel sei »in«, »angesagt«, »sexy«.

Die heimische Wirtschaft sei gut aufgestellt – es gebe kaum Gründe abzuwandern. Ganz im Gegenteil: Auch junge Leute sollten zukünftig in der Eifel bleiben, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wo andere Urlaub machen.

Der jetzt 70-jährige Helmut Etschenberg hat einen starken Eifel-Bezug. Er ist zwar gebürtiger Aachener, lebt aber seit 35 Jahren in Konzen. Die Mutter kam aus Miescheid. Etschenberg und sein Bruder waren in den Ferien sehr oft bei der Großmutter auf dem Bauernhof in der Gemeinde Hellenthal. Die wirtschaftlichen Verhältnisse dort waren, wie auch zu Hause in der eigenen Familie in Aachen, nicht die besten, aber man entwickelte im ausbleibenden Überfluss ein Wertekostüm und lernte soziale Verantwortung, man hielt zusammen. Das hat sich bis heute gehalten. Helmut Etschenberg engagierte und engagiert sich »nebenbei« auch für soziale Projekte und Einrichtungen.

Etschenberg besuchte bei Ferienaufenthalten in der Eifel zeitweise die einklassige Volksschule in Miescheid, spielte und arbeitete mit den Dorfkindern nach den Kriegsjahren auf dem Feld und erfuhr den Reichtum des Landes gegenüber der Stadt bei Kartof-felernten und Hausschlachtungen, wenn er von dem Überfluss mit in die Dom- und Kaiserstadt Aachen nehmen konnte.

Bewachte Grenzen

Wenn der Bus dann auf der Ramscheider Höhe am Schlagbaum nach Belgien gestoppt und gefilzt wurde, erlebte der junge Helmut Etschenberg früh und nachdrücklich die territoriale Zerrissenheit der Eifel. Für ihn ist es noch heute ein ganz anderes Gefühl, über die unsichtbare grüne Grenze zu seinen Gefährten in der Zukunftsinitiative Eifel nach Eupen oder St. Vith zu fahren, wie für jüngere Zeitgenossen, die die scharf bewachten Grenzübergänge und Zollstreifen im deutsch-belgischen Grenzgebiet nie erlebten.

Bei seinen Besuchen bei Oma, Vettern und Cousinen im Hellenthaler Höhengebiet lernte Helmut Etschenberg auch die Schönheit der Eifeler Natur und die Faszination der Landschaft während der Jahreszeiten kennen und lieben. »Es ist auch dieser Zauber, der mich bis heute nicht losgelassen hat«, berichtete der Städteregionsrat. Eine Bindung an den Landstrich entstand, die ihn nebenbei auch davor bewahrt hat, einzustimmen, wenn irgendwo über die Eifel und die Eifeler hergehalten wurde.

»Wer die Eifel nach vorne bringen will, der muss schon einen langen Atem mitbringen«, erfuhr der 70-Jährige während seiner gesamten Laufbahn. Ihm sind auf dem Weg Arroganz und Geringschätzigkeit begegnet, aber auch viele Menschen, die gemeinsam für die Eifel eintreten. Insgeheim nahm er sich vor, das Image der Eifel solle sich ins Gegenteil verkehren, und er selbst wollte daran mitwirken.

Dass der Tourismus die entscheidende »Stellschraube« werden würde, ahnte er früh. Anfang der 1980er Jahre hob Helmut Etschenberg gemeinsam mit den Stadt- und Gemeindedirektorkollegen Armin Ahrendt (Bad Münstereifel) und Hans Henn (Blankenheim) von Monschau aus das »Euro Ferienland Eifel« aus der Taufe.

Der damalige Kölner Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes ermutigte die Troika, aus diesem »Nest«, dem »Euro Ferienland Eifel«, die Touristik-Agentur Eifel zunächst mit Sitz in Bad Münstereifel und später in Prüm zu entwickeln.

Helmut Etschenberg wurde ihr Vorsitzender, initiierte mit dem Bitburg-Prümer Landrat Roger Graef den länderübergreifenden Zusammenschluss der Agentur mit Rheinland-Pfalz und blieb bis vor zwei Jahren Chef des Agenturvorstands. Dann machte er den Platz auf der Brücke neben dem hochgelobten Tourismus-Lotsen Klaus Schäfer für Dürens Landrat und ZIE-Mitstreiter Wolfgang Spelthahn frei.

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