Stefan Pauly

Arbeitslosigkeit steigt

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Während der Sommerferien ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Cochem-Zell angestiegen.

Während der Sommerferien ist die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Cochem-Zell angestiegen.

Foto: Archiv

Cochem-Zell. Ende August weist die Statistik im Landkreis Cochem-Zell 1.304 arbeitslose Menschen aus - 53 mehr als im Juli und 160 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent. Im August 2021 lag sie bei 3,4 Prozent.

Ein verhältnismäßig geringer Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Sommerferien sei, so heißt es aus der auch für Cochem-Zell zuständigen Arbeitsagentur Koblenz-Mayen, ein bekanntes Phänomen und überwiegend auf jene jungen Leute zurückzuführen, die ihre Ausbildung beendet, aber noch keine Anschlussbeschäftigung gefunden haben oder auf den Beginn ihres Studiums warten. In diesem Jahr schlage sich aber auch der Zuzug von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine in den Zahlen nieder. Nach dem Wechsel der Zuständigkeit für diese Menschen Anfang Juni, standen die Jobcenter in den letzten Wochen unter enormem Druck, um die Betroffenen zeitnah zu erfassen. Nach den deutlichen Steigerungen in den letzten beiden Monaten - insgesamt waren es im Juni und Juli fast 280 Menschen - sind im August mit 36 Ukrainerinnen und Ukrainern nur noch relativ wenige Flüchtlinge zusätzlich in die Statistik eingeflossen.

Während Thomas Becker, der stellvertretende Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen, die Integrationschancen ukrainischer Flüchtlinge für relativ gut hält - sobald sie bürokratische Hürden überwunden und sich Sprachkenntnisse angeeignet haben -, sind andere Risikofaktoren, denen der Arbeitsmarkt auch in der Region derzeit ausgesetzt ist, für ihn kaum wägbar. "Es gibt derzeit so viele Unbekannte, dass eine seriöse Prognose für die nächsten Monate kaum möglich ist." Die Belastung der Weltwirtschaft durch den Ukrainekrieg, steigende Energiekosten, Lieferengpässe bei Rohstoffen, aber auch der bevorstehende Corona-Winter setzten den Unternehmen zu. "Wir können nur hoffen, dass der Arbeitsmarkt sich weiter robust zeigt - und dass die schlimmsten Szenarien nicht eintreten werden."

Noch verzeichnet die Arbeitsagentur jedenfalls ein Plus bei den gemeldeten offenen Stellen: 534 gibt es davon zum Monatsende im COC-Kreis, das sind 43 Stellenangebote mehr als vor einem Jahr. Kurz vor dem offiziellen Beginn der meisten Ausbildungsverhältnisse Anfang September gelten von ursprünglich 280 Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Landkreis noch 34 als unversorgt. Demgegenüber stehen 143 unbesetzte Ausbildungsplätze. Gemeldet wurden seit Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober des letzten Jahres 544 Stellen für Nachwuchskräfte. "Obwohl Jugendliche, die eine Ausbildung beginnen wollen, in einer recht komfortablen Situation sind, weil es seit Jahren mehr Stellen als Bewerberinnen und Bewerber gibt, fällt es einigen von ihnen nicht leicht, ihren Traumjob zu finden", erklärt Becker und ergänzt: "Das große Problem ist die Orientierung. Die Arbeitswelt ist ja nicht nur so vielfältig wie noch nie, sie unterliegt außerdem einem rasanten Wandel." Wer eine tragfähige Entscheidung für seine berufliche Zukunft treffen wolle, komme ohne qualifizierte Beratung kaum klar. Die gebe es - kostenlos und neutral - bei der Berufsberatung der Arbeitsagenturen. "Auch wer schon Ideen für die Zeit nach der Schule hat, kann von einem Gespräch profitieren, in dem er oder sie die eigenen Vorstellungen mit dem abgleichen kann, was Expertinnen und Experten über Berufe und ihre Zukunftsaussichten wissen. Für alle, die gar keinen Plan haben, wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll, ist eine Berufsberatung unerlässlich." Das gelte auch für diejenigen, die am liebsten noch in diesem Jahr mit der Ausbildung starten würden. "Solange es noch offene Stellen gibt und der Stoff der Berufsschule nachholbar ist, vermitteln wir weiter. Lieber ein bisschen später einsteigen und in der Schule Gas geben als ein ganzes Jahr zu verlieren."

Termine bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur können auch kurzfristig unter der Hotline: 02 61 / 40 54 44 vereinbart werden. 

www.arbeitsagentur.de