Stefan Pauly

Verdacht: Unfall feiger Mordversuch?

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Der Wagen des 54-jährigen Saarländers wurde völlig zerstört.  Der unfassbare Verdacht: Der Fahrer hat den Dacia möglicherweise mit Absicht in den Gegenverkehr gelenkt.  Der Fahrer sitzt in Untersuchungshaft.

Der Wagen des 54-jährigen Saarländers wurde völlig zerstört. Der unfassbare Verdacht: Der Fahrer hat den Dacia möglicherweise mit Absicht in den Gegenverkehr gelenkt. Der Fahrer sitzt in Untersuchungshaft.

Foto: privat

Ediger-Eller (zen). Es sah alles nach einem »normalen« Unfall aus. Doch die Ermittlungen der Polizei Cochem bringen einen anderen, erschreckenden Verdacht ans Tageslicht. Wollte ein 54-jähriger Saarländer gezielt Menschen töten, als er am 10. Oktober in Ediger-Eller in ein Auto raste? Ein Richter sieht dringenden Tatverdacht und erließ Haftbefehl.

Die Unfallstelle am Ortsausgang von Ediger gleicht einem Trümmerfeld. Ein blauer Dacia Sandero liegt mit abgetrenntem Dach und völlig zerstört am Fahrbahnrand, wenige Meter weiter steht ein Mercedes Sprinter mit schwerem Frontschaden, eingedrückter Front und zerstörter Windschutzscheibe. Die erheblichen Beschädigungen an den Fahrzeugen lassen erkennen, dass der Frontalzusammenstoß mit hoher Geschwindigkeit erfolgt sein muss. Zwei Menschen, ein Mann aus Mesenich (63) und ein Mann aus Dillingen (54), werden dabei schwer verletzt. Der verletzte Fahrer des Dacia aus Dillingen musste von der Feuerwehr mit der Rettungsschere aus dem zerstörten Wagen befreit werden. Als die Beamten der Polizei den Unfall aufnehmen, werden sie, so Informationen des WochenSpiegel, auf einen Revolver hingewiesen, der am zerstörten Wagen liegt. Die Beamten werden misstrauisch und überprüfen den Mann. Sie stellen fest, dass der 54-Jährige Saarländer gar keinen Führerschein hat. Auch finden sie im Wagen eine Digitalkamera. Als sie sich die zahlreichen Fotos auf dem Speicherstick anschauen gehen alle »Alarmlampen« an.

Haftbefehl: Verdacht des versuchten Mordes

Es waren Fotos, so Informationen des WochenSpiegel, von Waffen, Munition und historischen Uniformen. Im Laufe der Ermittlungen ergeben sich weitere Informationen zu dem Weg des Mannes. Unmittelbar vor dem genannten Verkehrsunfall sei der in Fahrtrichtung Cochem fahrende Pkw bereits mit mehreren Fahrzeugen und Fahrbahninseln in den Ortschaften St. Aldegund und Ediger-Eller kollidiert und anschließend geflüchtet. Der 54-jährige Fahrer aus Dillingen wurde mit einem Hubschrauber ins St. Elisabeth-Krankenhaus nach Neuwied geflogen und dort behandelt. Währenddessen liefen bei der Polizei in Cochem immer mehr Informationen über den Mann zusammen. Bei einer Hausdurchsuchung, mit Unterstützung durch Beamte der saarländischen Polizei, sollen im Haus des Mannes Langwaffen und Munition gefunden worden sein. Seinen Führerschein hatte der Mann, so Recherchen des WochenSpiegel, bereits Anfang des Jahres verloren. Grund: Trunkenheit im Straßenverkehr. Bis zum 13. März 2023 war es dem Mann nach Informationen unserer Zeitung untersagt, ein Fahrzeug zu führen. Freitag vergangener Woche wurde der Mann dann von Polizeibeamten vorläufig festgenommen. In einem Rollstuhl wurde er dem Koblenzer Haftrichter Gerald Michel vorgeführt. Dieser erließ vier Tage nach dem Unfall Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Es besteht dringender Tatverdacht das der 54-Jährige vor dem Crash bewusst auf die Gegenspur gefahren sei, um sich so umzubringen. Auf Anfrage des WochenSpiegel bestätigt die Staatsanwaltschaft Koblenz den Sachverhalt. »Wir führen ein Ermittlungsverfahren gegen einen 54-jährigen deutschen Staatsangehörigen wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und ebenfalls tateinheitlich begangenen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr«, so Oberstaatsanwalt Dr. Dietmar Moll. Zu den Waffenfunden wollte sich der Oberstaatsanwalt auf Anfrage des WochenSpiegel nicht äußern. Der 54-Jährige Tatverdächtige wurde mittlerweile ins Haftkrankenhaus Wittlich verlegt. Der verletzte Unfallfahrer des entgegenkommenden Wagens erläutert im Gespräch mit dem WochenSpiegel, dass er Verletzungen am Arm, Fuß und Hals erlitten habe und seit dem Unfall arbeitsunfähig sei. Der Unfall belaste ihn sehr. Insbesondere die Tatsache, dass er mitansehen musste, dass der entgegenkommende Fahrer trotz seiner Ausweichversuche immer wieder auf seine Seite gezogen sei. Bericht folgt!


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