Thomas Förster

Intakte Natur ist unsere Lebensgrundlage

Kermeter. »Ich bringe den Regen mit - in diesen Tagen ein gutes Omen.« Glaubt zumindest NRW-Umweltminister Oliver Krischer, der den Nationalpark Eifel besuchte.
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Kermeter (Fö). »Ohne eine intakte Natur, ohne ein wildes und lebendiges Nordrhein-Westfalen, sind unsere Lebensgrundlagen gefährdet«, sagte Umweltminister Oliver Krischer zum Start seiner Informationsreise zum Zustand der biologischen Vielfalt im Nationalpark Eifel. Denn auch in Nordrhein-Westfalen lassen sich der Artenschwund und der Verlust an biologischer Vielfalt bereits seit Jahren an Zahlen ablesen: So stehen etwa 45 Prozent der beobachteten Arten in Nordrhein-Westfalen auf der »Roten Liste« – sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben.

Im Nationalpark Eifel hingegen wird für Artenreichtum gearbeitet: »11000 verschiedene Tiere, Pflanzen und Pilzarten sind hier nachgewiesen«, verkündet Dr. Michael Röös. Leiter der Nationalparkverwaltung stolz. Jede vierte von ihnen steht auf der »Roten Liste«. Während sich der Buntspecht in den sterbenden Fichten vermehrt und der Wendehals dort ein neues Zuhause findet, was für unsere Region überraschend ist, kämpft der Feuersalamander auch im geschützten Lebensraum ums Überleben. »Amphibien habe es schwer«, weiß Dr. Röös. Die Wildkatze sei nur durch den Straßenverkehr gefährdet mahnt Röös, lobt die »grüne Brücke« über der Autobahn A1 nahe Mechernich und nutzt den prominenten Besuch des gebürtigen Heimbachers, um für ein Herzensanliegen zu werben: »Die Kermeter-Hochstraße muss für den Individualverkehr gesperrt werden, um unsere Ziele im Nationalpark noch besser verfolgen zu können.« Krischer, der Umwelt- und Verkehrsminister ist, will auch mehr Gäste per ÖPNV in den Nationalpark Eifel holen, weiß aber, dass es schwer wird, eine Landstraße vollends für Autos oder Motorräder zu sperren.

Oliver Krischer hat nicht umsonst den Nationalpark Eifel als Start seiner Mottowochen »Wildes NRW« ausgewählt. »Das, was Sie leisten, ist eines unserer Vorzeigeprojekte« lobt Krischer. »Den Artenreichtum zu bewahren und sie zu schützen ist eine existentielle Aufgabe. Der Nationalpark Eifel als größtes Gebiet zur Entwicklung wilder Wälder in Nordrhein-Westfalen zeigt dabei, wie uns dies gelingen kann. Er ist eine ökologische Erfolgsstory.« Und Dr. Michael Röös ergänzt: »Wir freuen uns besonders, dass unter den vielen Artenfunden in unserem Schutzgebiet zunehmend auch Zeigerarten für alte Wälder auftreten, wie 2021 der Urwaldzeiger-Pilz `Ästiger Stachelbart´«.

Rund 80 Prozent der Lebensräume im Tiefland sind in einem ungünstigen Erhaltungszustand, allen voran Moore, Grünland- und Gewässerlebensräume sowie Eichen- und Auenwälder. Und bei den Fließgewässern in Nordrhein-Westfalen sind aktuell nur 8,8 Prozent in einem sehr guten oder guten ökologischen Zustand. Die Landesregierung will daher der Biodiversitätskrise entgegenwirken und hat dazu im Koalitionsvertrag umfangreiche Vorhaben vereinbart. »Deshalb müssen wir größere Kraftanstrengungen unternehmen, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Intakte Lebensräume sind die Basis dafür und der Nationalpark Eifel zeigt eindrucksvoll, welchen Er-folg ein ambitionierter Natur- und Artenschutz erreichen kann. Daran wollen wir anknüpfen«, so Krischer.

Die Ursachen des Artensterbens und des Verlusts an biologischer Vielfalt sind häufig menschengemacht: Neben den Folgen des Klimawan-dels gehören hierzu unter anderem eine zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Zerstörung und Zerschneidung natur-naher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. Das weiß man auch im Nationalpark Eifel: »Von jedem Parkplatz, jeder Baumaßnahme geht eine Gefahr aus, etwa invasive Pflanzen einzuschleppen, die das Ökosystem hier belasten«, so Dr. Röös.

Gegen Lärm und für Barrierefreiheit

100.000 Gäste am Wilden Weg jährlich zeigen, dass das barrierefreie Angebot ebenfalls eine Erfolgsgeschichte ist. »Wir sind eine Vorbildregion für Naturerleben«, unterstreicht Michael Lammertz, Fachgebietsleiter Kommunikation und Naturerleben im Nationalpark Eifel beim Besuch von NRW-Umweltminister Oliver Krischer. 15 Prozent der Besucher am Kermeter sind gehandicapt. »Wir wollen alle Menschen ansprechen - und das gelingt.«

Zwar sei man in Corona-Zeiten teilweise überrannt worden, doch eine gezielte Besucherlenkung zeige nunmehr ihre Wirkung. So habe man auf www.nationalpark-eifel.de ein Wanderportal mit 65 Touren eingerichtet, um den Gästen ein möglichst breites Angebot jenseits der Hotspots zu bieten.

Dr. Michael Röös lockte Krischer, der zugleich Verkehrsminister ist, aber auch an die Kermeter-Hochstraße. »Das Lärmdisplay, dass mit ihrer Hilfe installiert wurde, ist ein Erfolg. Wir konnten die Lärmbelästigung gerade durch einige wenige Motorradfahrer um fünf Dezibel senken«, so der Leiter der Nationalparkverwaltung. Und dennoch gebe es Interessenskonflikte, denn Mensch und Tier suche im Nationalpark Eifel vor allem eines - Ruhe und Erholung. »Ganz Tirol ist für Vekehrsmittel gesperrt, die einen Geräuschpegel von mehr als 94 dB verursachen«, weiß Lammertz, erwähnt aber auch, dass das lauteste jemals gemessene Verkehrsmittel auf dem Kermeter ein Pkw war. Ein Ansatz, den man auch für den Nationalpark Eifel verfolgen solle - und Oliver Krischer will das im Ministerium prüfen. Einer Streckensperrung erteilt Krischer, dessen Geburtsort auf der Nationalpark-Karte zu sehen ist, eine Absage. »Das ist gerichtlich oft nicht haltbar und verlagert das Problem nur.«