Stephanie Baumann

Mehr Leben - weniger Lärm

Kreis. Irgendjemand mäht immer. Kaum sitzt man mit einem Kaffee auf der Terrasse, die Sonne im Gesicht, setzt in der Nachbarschaft das sonore Brummen ein – zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, allerdings deutlich nerviger …

Bild: Stephanie Baumann

Und während die einen glauben, ihrem Rasen etwas Gutes zu tun, fragen sich andere, ob es wirklich nötig ist, ausgerechnet jetzt die Idylle zu schreddern.
Dabei ist die Sache gar nicht so eindeutig geregelt, wie viele denken. Zwar gilt grundsätzlich: Werktags darf gemäht werden, sonntags nicht. Doch darüber hinaus wird es schnell kleinteilig, weil Kommunen Ruhezeiten unterschiedlich festlegen. Leisere Geräte dürfen zudem länger laufen als laute. Und irgendwo findet sich immer eine Grauzone – oder jemand, der sie großzügig auslegt.

Massiver Eingriff ins Ökosystem

Was oft übersehen wird: Der Rasenmäher ist nicht nur ein Lärmfaktor, sondern auch ein massiver Eingriff ins kleine Ökosystem Garten. Wo eben noch Bienen, Käfer und Schmetterlinge unterwegs waren, bleibt kurzgeschorene Monotonie, die im Sommer zudem viel Wasser benötigt. Blühpflanzen verschwinden, Rückzugsorte für Insekten gleich mit. Der perfekt gepflegte Rasen ist ökologisch gesehen vor allem eins: artenarm.

Die Idee: Einfach mal wachsen lassen

Genau hier setzt die Initiative »Mähfreier Mai« der Gartenakademie Rheinland-Pfalz und der Deutschen Gartenbaugesellschaft (DGG) an. Die Idee: einfach wachsen lassen. Weniger Lärm, mehr Leben – und vielleicht auch etwas mehr Gelassenheit am Gartenzaun.
Bereits zum sechsten Mal sind Gartenbesitzer bundesweit dazu aufgerufen, ihre Rasenflächen im Mai möglichst selten oder gar nicht zu mähen. Stattdessen sollen Gräser und Wildpflanzen wachsen dürfen und so neuen Lebensraum für Insekten schaffen.


Wettbewerb "Jede Blüte zählt"

Das Prinzip ist einfach: Weniger mähen bedeutet mehr Blüten. Studien zeigen, dass sich das Nahrungsangebot für Bestäuber dadurch deutlich erhöhen kann. Schon ein Monat mit längeren Mähintervallen reicht aus, damit sich Gänseblümchen, Klee und andere Wildpflanzen wieder ausbreiten.
Ganz ohne Pflege geht es dennoch nicht: Empfohlen wird, seltener zu mähen, Teilflächen stehen zu lassen und Schnittgut zu entfernen. Wer möchte, kann gezielt kleine »wilde Ecken« im Garten zulassen – Rückzugsorte für Tiere inklusive.
Ergänzt wird die Aktion in diesem Jahr durch den Wettbewerb »Jede Blüte zählt«. Dabei sind Teilnehmende eingeladen, ab Ende Mai auf einer kleinen Fläche die Blüten in ihrem Garten zu erfassen und zu dokumentieren. Weitere Informationen gibt es online bei der Gartenakademie Rheinland-Pfalz.
Und selbst wer den ökologischen Gedanken beiseitelässt: Ein Blick in die örtlichen Ruhezeiten schadet nicht – für ein entspanntes Miteinander am Gartenzaun.

Info

  • Großer Flächenanteil: In vielen Gärten nimmt Rasen mehr als die Hälfte der Fläche ein – bietet jedoch kaum ökologische Vielfalt.
  • Rückgang von Wildpflanzen: Blühende Wiesen verschwinden zunehmend aus der Landschaft.
  • Weniger Nahrung: Mit den Pflanzen schwindet auch das Nahrungsangebot für Bienen, Schmetterlinge und
    andere Insekten.
  • Unverzichtbare Helfer: Insekten sichern Bestäubung, stabilisieren Ökosysteme und dienen vielen Tieren als Nahrungsquelle.
  • Mehr Vielfalt vor der Haustüre: Seltener mähen kann Rasenflächen in artenreiche Kräuterwiesen verwandeln und die Biodiversität fördern.
  • Info: www.gartenakademie.rlp.de