

Manchmal liegen Bodenschätze nicht unter der Erde, sondern in Bücherregalen. Günter Nießen, Vorsitzender des Fördervereins Bergbaumuseum Mechernich, machte diese Erfahrung ausgerechnet an jenem Tag, an dem ihm bereits Bruno Grobelny die historische Figur der »Schwarzen Barbara« für das Museum überlassen hatte. Die zweite Station seiner kleinen bergbauhistorischen Schatzreise führte ihn nach Voißel – zu Nina und Dr. Ralph Metternich.
Die beiden haben dort ein außergewöhnliches Haus mitsamt einer noch außergewöhnlicheren Hinterlassenschaft übernommen. Es gehörte zuvor dem inzwischen verstorbenen Juristen Hans-Henning Ottermann. Mit dem Haus blieb eine mehrere tausend Bände umfassende Bibliothek erhalten: Kunstbände und deutsche Literatur, darunter ältere und wertvolle Ausgaben, Heimatliteratur – und ein bemerkenswerter Bestand zur Geschichte von Bergbau, Hüttenwesen und Industrie.
Gerade dieser Teil ließ Günter Nießen aufhorchen. Seine Herkunft erklärt sich vermutlich aus der Familiengeschichte der früheren Hauseigentümer: Ottermanns Vater Walter war nach Angaben der Familie Direktor im Metallhüttenwesen des Ruhrgebiets. Bücher zur Montangeschichte, berg- und hüttenmännische Fachliteratur und andere Zeugnisse dieser Arbeitswelt fanden deshalb über Jahrzehnte Eingang in die Privatbibliothek.
Besonders ins Auge fallen großformatige, aufwendig gefertigte Bildtafeln, von denen Nina Metternich und Günter Nießen einige auf Ottermanns früherem Schreibtisch ausbreiteten. Sie zeigen historische Trachten und Uniformen von Berg- und Hüttenleuten aus verschiedenen Regionen des deutschen Sprachraums. Es sind nicht bloß dekorative Bilder: Kleidung, Farben, Abzeichen und Ausstattung erzählen von Rang, Tätigkeit, Herkunft und einer jahrhundertealten bergmännischen Standeskultur.
Nina und Dr. Ralph Metternich wollten diesen Teil des Nachlasses deshalb nicht einfach auseinanderreißen oder irgendwo verschwinden lassen. Sie übergaben dem Förderverein des Bergbaumuseums eine Auswahl der bergbau- und montanhistorisch bedeutsamen Bücher, Bildwerke und Dokumente als Dauerleihgabe.
Damit bleiben die Stücke Eigentum der Familie, werden aber künftig dort bewahrt und wissenschaftlich beziehungsweise heimatgeschichtlich erschlossen.
Für Günter Nießen beginnt damit zunächst die Arbeit. Gemeinsam mit den ehrenamtlichen Mitstreitern des Bergbaumuseums will er die Dauerleihgabe Stück für Stück sichten, bestimmen, ordnen und archivieren.
Was sich für die Präsentation eignet, soll nach Möglichkeit auch Eingang in den oberirdischen Museumskomplex finden. Denn manches Stück, das jahrzehntelang in einer privaten Bibliothek schlummerte, kann dort künftig helfen, die Geschichte der Menschen hinter Erz, Gruben und Hütten zu erzählen.
Auch für die Metternichs schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Die Familie hat Wurzeln in ihrem jetzigen Wohnort Voißel; über die alte Voißeler Familie Krupp reichen sie nach Angaben der Familie weit in die Ortsgeschichte zurück.




