Michael Nielen

Die Geheimnisse der Nordeifel

Nordeifel. Was verbirgt sich unter einem Bolzplatz, warum wurde ein alter Bergwerksstollen zum Kühlschrank und wie bekam das römische Köln täglich Millionen Liter Wasser aus der Eifel? Antworten auf solche Fragen gibt die 19. Archäologietour Nordeifel am Sonntag, 4. Oktober. An fünf Stationen können sich die Besucher auf eine Zeitreise begeben.
Dr. Ulrike Müssemeier (v.li.), Norbert Liebing, Landrat Markus Ramers, Bürgermeister Sebastian Glatzel, Patrick Schmidder und  Dr. Petra Tutlies wagten sich für die Vorstellung der Archäologietour in den Eiskeller von Bad Münstereifel. Insgesamt kann man sich an fünf Stationen auf eine Zeitreise begeben.

Dr. Ulrike Müssemeier (v.li.), Norbert Liebing, Landrat Markus Ramers, Bürgermeister Sebastian Glatzel, Patrick Schmidder und Dr. Petra Tutlies wagten sich für die Vorstellung der Archäologietour in den Eiskeller von Bad Münstereifel. Insgesamt kann man sich an fünf Stationen auf eine Zeitreise begeben.

Bild: Michael Nielen

Selbst Landrat Markus Ramers staunte nicht schlecht, als er bei der Vorstellung der Archäologietour in Bad Münstereifel in die Unterwelt hinabstieg. »Ich bin schwer beeindruckt, muss ich sagen. Ich habe acht, neun Jahre hier in Bad Münstereifel als Lehrer und ich war noch nie hier drin«, gestand Markus Ramers.

Dabei ist der Felsenkeller am Radberg ein Ort, der gleich mehrere Kapitel der Bad Münstereifeler Geschichte erzählt. Ursprünglich war dort im 18. Jahrhundert nach Steinkohle gesucht worden – allerdings ohne Erfolg. Später entdeckte die ehemalige Brauerei Hendrichs den Stollen für ihre Zwecke und nutzte ihn zur Kühlung. Mitte des 19. Jahrhunderts kam ein weiterer großer Eiskeller hinzu.

Denn Kühlschränke gab es damals noch nicht. Eis musste im Winter gewonnen, herangeschafft und tief unter der Erde eingelagert werden. Norbert Liebing kennt die Geschichte des ungewöhnlichen Bauwerks bestens. Er erklärt auch, warum die Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert bis heute Bestand hat: »Ein solches Gewölbe kann nicht einstürzen. Wo soll das hin? Die klemmen sich ja gegenseitig fest, die Steine. Das wussten schon die Römer.«

Die Arbeit im Eiskeller war alles andere als leicht. Große Eisblöcke wurden mit Pferdefuhrwerken herangeschafft und anschließend in den Keller befördert. »Das Eis wurde hier reingezogen mit Stangen. Da waren sehr viele Leute beschäftigt«, berichtet Norbert Liebing. Selbst das Schmelzwasser hatten die Erbauer bedacht: Das natürliche Gefälle sorgte dafür, dass es ablaufen konnte.

Viel mehr als ein Eiskeller

Seine Funktion änderte sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder. Während des Zweiten Weltkriegs suchten Menschen dort Schutz vor Luftangriffen. Später wurden in den unterirdischen Räumen Champignons gezüchtet, zeitweise befand sich dort sogar eine Autowerkstatt. Heute haben andere Bewohner Einzug gehalten: Fledermäuse nutzen den Stollen als Winterquartier.

Für Bad Münstereifels Bürgermeister Sebastian Glatzel ist es deshalb wichtig, diesen lange wenig beachteten Ort wieder ins Bewusstsein zu rücken. »Ich freue mich, dass Norbert Liebing und viele Ehrenamtliche diesem Raum den Platz einräumen, den er auch verdient. Er kann auf ganz tolle Weise die Stadtgeschichte von Bad Münstereifel erzählen.«

Dass Besucher nun überhaupt wieder in den Keller gelangen können, ist auch ehrenamtlichem Einsatz zu verdanken. Bernhard Ohlert, Vorsitzender des Eifelvereins Bad Münstereifel, erinnert sich an den Beginn der Arbeiten: »Wie der Norbert Liebing auf uns zukam, wir müssten hier diese Räumlichkeiten auch mal zugänglich machen, haben wir gesagt: Okay, dann müssen wir mal die Ärmel hochkrempeln und hier sauber machen.«

Das Ergebnis können die Besucher bei der Archäologietour aus nächster Nähe erleben. Für Dr. Petra Tutlies vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege passt der Felsenkeller hervorragend zum diesjährigen Motto: »Unter dem Motto ›Als Bekanntes neu entdeckt‹ ist das hier ein fantastischer Ort.«

Fünf Stationen, viele Geschichten

Und davon gibt es in der Nordeifel eine ganze Menge. Insgesamt fünf Stationen öffnen am Sonntag, 4. Oktober, von 10 bis 18 Uhr ihre Türen beziehungsweise geben ihre Geheimnisse preis.

Im alten Steinbruch bei Berg geht es gleich Millionen Jahre zurück. Dort finden sich in rund 240 Millionen Jahre alten Gesteinsschichten Fossilien. Die Schichten stammen aus der mittleren Triaszeit und geben Fachleuten Aufschluss darüber, wie die Umwelt in diesem Gebiet damals ausgesehen hat. Bei Führungen können sich die Besucher auf die Spuren dieses uralten Lebens begeben.

In Kall steht dagegen eine technische Meisterleistung der Römer im Mittelpunkt. Am Bahnhof ist ein Teilstück der römischen Eifelwasserleitung zu sehen. Die insgesamt 95,4 Kilometer lange Leitung versorgte die römische Provinzhauptstadt Köln über mindestens 190 Jahre hinweg täglich mit rund 20 Millionen Litern Trinkwasser aus der Eifel. Das am Bahnhof ausgestellte Stück wurde 1989 im Kalksteinbruch des Zementwerks Sötenich freigelegt und anschließend geborgen.

Geheimnisvoll wird es im Flamersheimer Wald. Dort verbirgt sich hinter dem Karteneintrag »Alte Burg« keine mittelalterliche Burgruine. Tatsächlich handelt es sich um eine spätantike römische Kleinbefestigung aus dem 3. oder 4. Jahrhundert. Die rechteckige Anlage war einst Teil einer römischen Siedlung. Wall und Graben sind bis heute im Gelände zu erkennen.

Und auch dort, wo heute an der Burg Blankenheim gespielt und gebolzt wird, liegt Geschichte unter den Füßen. Unter der Wiese haben sich Reste eines barocken Gartens erhalten. Er entstand 1727/28 und erstreckte sich über mehrere Terrassen. Moderne Bodenradartechnik machte ehemalige Beete und Wege, ein Wasserbecken sowie die Grundmauern einer Orangerie sichtbar.

»Die Geschichten, die da dran hängen, faszinieren. Archäologen geraten in Verzückung, wenn sie vor Ort sind«, bringt Dr. Ulrike Müssemeier vom LVR-Amt die Begeisterung für solche Entdeckungen auf den Punkt.

Mit dem Bus durch die Geschichte

Alle fünf Stationen können individuell mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Pkw besucht werden. Der Eintritt ist frei. An einigen Stationen gibt es zudem Angebote für Kinder sowie Speisen und Getränke.

Wer möglichst alle Stationen an einem Tag erleben möchte, kann sich einer begleiteten Busexkursion anschließen. »Wer es an dem Tag schaffen möchte, möglichst alle Stationen zu besuchen, der sollte sich die komfortable Lösung buchen, dass er sich in einen Bus begibt«, empfiehlt Patrick Schmidder von der Nordeifel Tourismus GmbH (NeT).

Ausgangspunkt ist der Bahnhof Mechernich. Während der Fahrt informieren Guides über die Region und ihre Geschichte. Die Fahrgäste werden mit Headsets ausgestattet. Auch gehörlose Menschen können an einer Busexkursion in Begleitung einer Dolmetscherin für deutsche Gebärdensprache teilnehmen.

Für Markus Ramers jedenfalls ist die Tour eine Gelegenheit, »die eigene Heimat neu kennenzulernen.«

Anmeldung und Infos zur Busexkursion bei der NeT unter Tel.: 02441/994570 oder www.nordeifel-tourismus.de.

Weitere Infos auch unter www.lvr.de/bodendenkmalpflege.