Michael Nielen

Ein »Rohdiamant« bekommt neuen Schliff

Kreuzweingarten. Haus Maria Rast in Kreuzweingarten hat eine langfristige Zukunftsperspektive. Zum 1. Januar 2027 erhalten die Schönstätter Marienschwestern mit dem Kloster Steinfeld und der Familie Scheidtweiler starke Partner. Der traditionsreiche Ort soll erhalten, aber gleichzeitig behutsam weiterentwickelt werden.

Es ist ein Aufbruch, bei dem vieles bleiben soll, wie es ist. Die Schönstätter Marienschwestern werden weiterhin in Maria Rast präsent sein, das Gästehaus bleibt geöffnet und auch die Mitarbeiter werden übernommen. Gleichzeitig beginnt für das traditionsreiche Haus vor den Toren Euskirchens eine neue Ära.

»Für uns als Schönstätter Marienschwestern ist es heute ein wichtiger Tag«, sagte Schwester Marisa Spickers, Provinzoberin der Schönstätter Marienschwestern, bei der Vorstellung der Zukunftspläne. Der Zeitpunkt besitzt für die Gemeinschaft eine besondere Bedeutung: »Wir feiern in diesem Jahr als Gemeinschaft unser 100-Jahr-Jubiläum und in diesem besonderen Jahr eine Lösung für unser Haus Maria Rast gefunden zu haben, ist für uns natürlich ein besonderes Geschenk.«

Denn hinter der Entscheidung stehen auch wirtschaftliche Notwendigkeiten. Künftig wäre es für die Gemeinschaft nicht mehr möglich gewesen, Maria Rast aus eigener Kraft so weiterzuführen wie bisher. »Wir brauchen für die Sicherstellung der Betriebswirtschaft einfach den Partner«, brachte es Schwester Marisa Spickers auf den Punkt.

Gefunden wurde dieser Partner in der Region. Wolfgang Scheidtweiler und seine Familie haben bereits gemeinsam mit den Salvatorianern das Kloster Steinfeld neu aufgestellt. Auch in Kloster Mariawald engagiert sich die Familie. Nun kommt Maria Rast hinzu.

Für Wolfgang Scheidtweiler ist die Verbindung nach Kreuzweingarten allerdings alles andere als neu. Bereits sein Vater hatte 1947 die ersten Verträge für die Ansiedlung der Schönstätter Marienschwestern ausgehandelt. Rund 80 Jahre später übernimmt nun sein Sohn Verantwortung für die Zukunft des Ortes.

»Wir wollen dieses klösterliche Leben hier in der Nordeifel mit Steinfeld, mit Mariawald und jetzt Maria Rast einfach sichern und erhalten«, beschreibt Wolfgang Scheidtweiler das Ziel. Grundlage der Zusammenarbeit ist ein Erbbaurechtsvertrag, der eine langfristige Nutzung und Entwicklung des Areals ermöglichen soll.

Dabei geht es nicht nur um Gebäude und Bilanzen. »Maria Rast ist ein besonderer Ort mit einer großen Geschichte. Unser Ziel ist es, das Bestehende zu bewahren und gleichzeitig eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen. Maria Rast soll ein Ort bleiben, an dem Menschen ankommen, Gemeinschaft erfahren und neue Kraft für Leib und Seele schöpfen können«, so Scheidtweiler.

Und die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück. Das neobarocke Herrenhaus wurde 1899 für die Familie von Mallinckrodt errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die Schönstätter Marienschwestern nach Maria Rast und entwickelten dort eine Bildungsstätte. Am Sonntag, 2. Juli 1950, wurde dort das erste Schönstattheiligtum auf europäischem Boden außerhalb des ursprünglichen Schönstattortes in Vallendar eingeweiht.

Gerade der Denkmalschutz dürfte bei der Weiterentwicklung eine wichtige Rolle spielen. Momentan verfügt Maria Rast über 23 Zimmer. Langfristig sollen einmal 50 bis 60 Doppelzimmer zur Verfügung stehen. Dafür ist kein An- oder Neubau notwendig: Der vorhandene Gebäudebestand bietet ausreichend Platz für die Erweiterung.

Das historische Herrenhaus soll dabei behutsam modernisiert werden. Dass die alten Mauern ihren Charakter behalten sollen, versteht sich für Wolfgang Scheidtweiler von selbst: »Wir werden hier in Abstimmung natürlich mit dem Denkmalschutz die Dinge angehen. Ich glaube, mit Denkmal können meine Frau und ich sehr gut umgehen.«

Als Vorbild für die Entwicklung dient Steinfeld. Dort wurde in den vergangenen Jahren ein Modell entwickelt, das klösterliche Tradition und einen professionellen Gäste- und Hotelbetrieb miteinander verbindet. Pater Lambertus Schild, Geschäftsführer der Kloster Steinfeld Verwaltungs GmbH & Co., kennt aus eigener Erfahrung, wie notwendig neue Wege sein können.

»Im Steinfeld wären die Lichter eben auch ausgegangen, wenn wir nicht gemeinsam die neue Lösung gefunden hätten und die funktioniert gut«, sagte Pater Lambertus Schild. Rund 40.000 Gäste kämen mittlerweile jährlich nach Steinfeld.

Auch in Maria Rast soll der Gästehausbetrieb weiter professionalisiert und für zusätzliche Zielgruppen geöffnet werden. Für den operativen Alltag ist Christoph Böhnke verantwortlich. Der ehemalige Schüler des Steinfelder Gymnasiums verfügt über langjährige Erfahrung in der Hotellerie. Dass Maria Rast schon heute weit über die Region hinaus wahrgenommen wird, hat er selbst erlebt. So wurden dort bereits internationale Fachkonferenzen ausgerichtet. Mit der neuen Struktur sollen weitere Gästegruppen angesprochen und das Personal nach und nach aufgestockt werden.

Vor allem aber bleiben die Menschen, die Maria Rast bislang geprägt haben. Die Beschäftigten werden übernommen und auch ein Teil der Schwestern wird weiterhin dort leben. »Wir freuen uns und sind dankbar, dass wir als Schwestern weiterhin in Maria Rast präsent bleiben und unsere religiöse Arbeit wie bisher fortsetzen können für die vielen Menschen, die uns besuchen und unsere Angebote wahrnehmen«, betonte Schwester Marisa Spickers.

Auch Sascha Reichelt, Bürgermeister der Stadt Euskirchen, sieht großes Potenzial in dem Anwesen. Für ihn ist Maria Rast ein »Rohdiamant«, der durch das neue Engagement weiter geschliffen und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden könne.

Für Reichelt passt die Entwicklung zu steigenden Übernachtungszahlen und weiteren touristischen Investitionen in Euskirchen. »Die Gegend boomt und wenn Sie nur aus dem Fenster schauen, dann sehen Sie auch warum das wirklich toll ist«, sagte der Bürgermeister. Die Weiterentwicklung von Maria Rast könne dazu beitragen, das touristische Angebot rund um Euskirchen weiter auszubauen.

Mit Maria Rast wächst gleichzeitig eine ungewöhnliche »Eifel-Klosterfamilie«. Zu ihr gehören künftig Kloster Steinfeld bei Kall, Kloster Mariawald auf dem Kermeter, das ehemalige Benediktinerinnenkloster in Steinfeld als heutiger Standort der Trappistinnen von Maria Frieden und Haus Maria Rast mit Schönstatt-Kapelle und den Schönstätter Marienschwestern.

Ein Einheitsmodell soll daraus ausdrücklich nicht werden. »Wir sehen die vier Standorte nicht als gleichartige Häuser, sondern als eigenständige Orte mit jeweils ganz eigener Geschichte und Ausstrahlung. Was sie verbindet, ist der Gedanke, diese besonderen Orte zu erhalten, mit Leben zu füllen und für kommende Generationen zugänglich zu machen«, sagt Wolfgang Scheidtweiler.

So soll am Freitag, 1. Januar 2027, keine Geschichte enden, sondern ein neues Kapitel beginnen. Oder, wie es Wolfgang Scheidtweiler formuliert: »Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit den Menschen, die Maria Rast heute tragen und prägen, diesen Weg zu gehen. Ein solcher Ort lebt nicht allein von seinen Gebäuden, sondern vor allem von den Menschen, die ihn mit Leben erfüllen.«